Apple arbeitet daran, die Sprachsteuerung von Siri grundlegend zu verändern. Künftige HomePods könnten Anfragen nur dann beantworten, wenn Ihr das Gerät direkt anseht.
Blick statt Weckwort: So könnte Siri erkennen, dass Ihr sie meint
Wer mehrere Apple-Geräte besitzt, kennt das Problem: Siri reagiert oft nicht auf dem Gerät, das Ihr eigentlich verwenden wollt. In einem Raum mit iPhone, iPad und HomePod mini greifen zwar interne Mechanismen, sie liefern aber nicht immer das gewünschte Ergebnis.
Hinzu kommt, dass sich nicht alle mit dem Weckwort „Siri“ wohlfühlen, auch wenn es die frühere Variante „Hey Siri“ mittlerweile ergänzt oder ersetzt. Beide Formulierungen funktionieren weiterhin – und auch Fernseher können unbeabsichtigt Siri aktivieren, wenn Dialoge dem Weckwort zu ähnlich sind.
Apple denkt zudem an Situationen, in denen Ihr ungern oder gar nicht mit der Stimme mit Geräten sprecht. Das kann an sozial unangenehmen Momenten liegen, an räumlicher Distanz oder an Umständen, in denen Sprache schlicht nicht möglich ist.
In einem neu erteilten Patent mit dem Titel „Gerätesteuerung mittels Blickinformation“ beschreibt Apple deshalb ein System, bei dem Siri visuell aktiviert wird. Geräte sollen anhand der Blickrichtung erkennen, ob sie angesprochen werden sollen.
Wie der HomePod Euren Blick auswerten könnte
Dafür braucht es HomePods oder andere Geräte mit Kameras und weiteren Sensoren. Diese sollen Position und Blickrichtung der Nutzer:innen erfassen, um zu bestimmen, welches Gerät gerade angeschaut wird. Das entsprechende Gerät könnte dann automatisch in einen Modus wechseln, in dem es aktiv auf Anweisungen wartet.
Apple vergleicht das mit dem „Always-on“-Bildschirm des iPhone, der sich deaktiviert, bis Ihr das Display direkt anseht. Solche Geräte erkennen also bereits heute, wenn sie betrachtet werden.
Der Blick könnte künftig als Ersatz für das gesprochene Weckwort dienen. Wer nicht hinschaut, könnte Siri weiterhin klassisch mit „Siri“ ansprechen, hätte aber mit dem Blick eine zusätzliche Auslösevariante.
Der Blick dient dabei als Indikator, ob Nutzer:innen wirklich eine Anweisung geben wollen. Laut Patent könnte ein HomePod einen Befehl nur dann auswerten, wenn die Person das Gerät bewusst ansieht. So ließe sich zum Beispiel unterscheiden, ob „spiel Elvis“ ein echter Befehl ist oder nur Teil eines Gesprächs, das ignoriert werden soll.
Ein bloßer kurzer Blick soll jedoch nicht ausreichen. Apple beschreibt „Aktivierungskriterien“, etwa einen durchgehenden Blick über eine gewisse Dauer, zum Beispiel eine Sekunde. So ließen sich zufällige Blicke und Kopfbewegungen als Auslöser vermeiden.
Auch der Neigungswinkel des Kopfes spielt eine Rolle. Liegt ein:e Nutzer:in etwa im Bett und blickt scheinbar in Richtung eines HomePod auf dem Nachttisch, könnte das Gerät anhand der seitlichen Kopfhaltung und der geschlossenen Augen erkennen, dass kein echter Blickkontakt besteht.
Rückmeldung, Objektsteuerung und Patenthistorie
Damit Ihr nicht ins Leere sprecht, sieht das Patent optische oder akustische Hinweise vor, wenn Siri per Blick aktiviert wurde. Das Gerät könnte beispielsweise einen Ton abspielen oder eine bestimmte Lichtanimation auf integrierten LEDs oder einem Display anzeigen.
Ist die Blickerkennung einmal vorhanden, könnte sie noch weitergehen. Laut Patent könnten HomePod oder ähnliche Geräte auch erkennen, welches Objekt im Raum Ihr anschaut. So ließe sich etwa feststellen, welche von mehreren Lampen im Zimmer Ihr mit einem Befehl ein- oder ausschalten wollt.
Apple beschreibt außerdem Szenarien, in denen Ihr einen Befehl beginnt, bevor Ihr Euch dem Gerät zuwendet – oder während des Sprechens wieder wegseht. In beiden Fällen muss das System entscheiden, ob es tatsächlich angesprochen ist. Wird der Blick nicht eindeutig erkannt, könnte das Gerät nachfragen, was Ihr wollt, und sich so Eurer Aufmerksamkeit versichern. Andere Geräte in der Nähe könnten ebenfalls registrieren, auf welches Objekt im Raum Ihr blickt.
Die Idee, Geräte aus der Ferne zu steuern, taucht in früheren Apple-Patenten mehrfach auf. Ein Schutzrecht von 2015 mit dem Titel „Lernbasierte Schätzung von Hand- und Fingerpositionen“ beschreibt etwa ein optisches 3D-Erfassungssystem für Handgesten, das möglicherweise zur Apple Vision Pro geführt hat.
Das neue Patent ist nicht die erste Version dieser Technologie. Eine frühere Fassung wurde bereits 2019 eingereicht und 2020 erteilt. Apple reicht jedes Jahr Hunderte Patente ein und beantragt häufig Aktualisierungen, selbst nach einer Erteilung, etwa bei kleineren, aber relevanten Änderungen.
Die ursprüngliche Anmeldung vom 28. August 2019 lässt genug Zeit, um erste Umsetzungen in Produkten zu beobachten. Zwar gab es mit Face ID im iPhone X von 2017 bereits eine Blickerkennung, doch besonders präzise Systeme kamen mit Apple Vision Pro hinzu. Dennoch bleibt unklar, ob diese konkrete HomePod-Idee jemals erscheint. Auffällig ist jedoch, dass die Patentzeichnungen konsequent einen HomePod zeigen – in einem Umfeld, in dem ein Home-Hub mit Kamera immer wahrscheinlicher wirkt.
Als Erfinder:innen nennt das Patent Sean B. Kelly, Felipe Bacim De Araujo E Silva und Karlin Y. Bark.
Via: https://appleinsider.com
Titelbild KI (Zur Illustration)

