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WWDC: Steht Tim Cooks KI‑Vermächtnis jetzt auf dem Prüfstand?

Apple Siri KI

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Apple geht mit einem Rekordaktienkurs und Rückenwind beim iPhone in die Entwicklerkonferenz. Gleichzeitig steht eine zentrale Frage im Raum: Liefert Apple endlich die versprochene KI-Erfahrung?

Überarbeitete Siri als Bewährungsprobe

Im Mittelpunkt der diesjährigen Worldwide Developers Conference soll eine grundlegend überarbeitete Siri stehen, die seit Jahren in der Kritik steht. Analyst:innen erwarten eine deutlich leistungsfähigere Version mit einer eigenen Chatbot-App, persönlichem Kontext, Bildschirmerkennung, der Fähigkeit zu mehrstufigen Befehlen und einer tieferen Anbindung externer Modelle, möglicherweise einschließlich Googles Gemini.

Für Anleger:innen ist WWDC ein Test, ob „Apple Intelligence“ tatsächlich ein Treiber für iPhone-Upgrades werden kann und damit eine Bewertung rechtfertigt, die bereits unterstellt, dass das iPhone das bevorzugte Gerät für den KI-Zugang bleibt – unabhängig vom genutzten Modell. Für Entwickler:innen geht es darum, ob Siri in der Ära der KI-Agenten zu einer echten Plattform wird, auf der sich das Entwickeln lohnt.

Für Tim Cook ist es zudem ein Moment mit Signalwirkung. Während sich John Ternus auf die Rolle als künftiger CEO vorbereitet, bietet WWDC dem Unternehmen letztmalig unter Cooks Führung eine große Entwicklerbühne, um zu zeigen, dass die KI-Strategie von Apple zusammenwächst. Dan Newman, CEO der Futurum Group, bezeichnete Apple Intelligence bei CNBC als „eines der großen blauen Augen“ in Cooks Amtszeit und betonte, Apple müsse beweisen, das Milliardenpublikum an Geräten wirklich nutzen zu können – und Entwickler:innen zeigen, dass Siri eine Basis zum Aufbauen ist.

Entscheidende Rolle für Entwickler:innen und Partner

Das Analysehaus MoffettNathanson schrieb, die Apple-Aktie habe „schon die ganze Arbeit erledigt, die die KI-Geschichte noch leisten muss“. Apple startet mit einem Allzeithoch in die WWDC, rund 36-fachem Gewinnvielfachen und 1,6 Billionen US‑Dollar (rund 1,47 Billionen Euro) höherem Börsenwert als vor einem Jahr. Die Firma sieht Apple operativ stark, mit dem besten iPhone-Zyklus seit Jahren, einer sich wandelnden China-Geschichte hin zu Marktanteilsgewinnen und erneut starken Diensten.

Die Frage sei weniger, ob Apple eine bessere Siri ankündige – das gelte als sicher –, sondern ob eine bessere Siri die bereits eingepreiste Bewertung wirklich rechtfertige. Dafür müsse Siri zu einem glaubwürdigen, handelnden Assistenten werden, der zuverlässig mehrstufige Aufgaben über Apps hinweg ausführt. Das setzt voraus, dass Drittanbieter ihre Apps über App Intents für Siri öffnen, also Apples System, mit dem der Assistent Aktionen innerhalb von Apps ausführen kann.

MoffettNathanson sieht hier ein Henne-Ei-Problem: Siri wird nur dann wirklich nützlich, wenn genügend Entwickler:innen mitziehen, doch diese warten womöglich ab, ob Nutzer:innen die Funktionen tatsächlich verwenden. Apple soll sich bereits frühe App-Intents-Partner wie Uber, Amazon, Temu, YouTube, WhatsApp, Facebook, Threads und AllTrails gesichert haben. Zugleich könnten Entwickler:innen zögern, Apple nach jahrelangen Spannungen rund um die App-Store-Ökonomie noch mehr Kontrolle zu überlassen. Damit wird WWDC mehr als nur eine KI-Show für Endkund:innen: Apple muss Nutzer:innen von einer wirklich hilfreichen Siri überzeugen und Entwickler:innen von einer Plattform, die sich lohnt.

KI-Investitionen, Bewertung und der Blick auf den Herbst

Während Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta jährlich zweistellige Milliardenbeträge in KI-Infrastruktur stecken, hat Apple eher auf Geräteverbreitung, Datenschutz und eine modelloffene Strategie gesetzt. Das könnte sich als Vorteil erweisen, wenn Apple die KI-Lücke über Partnerschaften schließt, statt selbst massiv in Rechenzentren zu investieren. Laut einem Bericht von The Information, den CNBC nicht unabhängig bestätigt hat, soll die überarbeitete Siri im September bereit sein und teilweise in der Google Cloud auf Nvidia-Chips laufen. Das wäre ein Bruch mit der Tradition, zentrale Technologien selbst zu kontrollieren, könnte aber akzeptiert werden, wenn Apple so schneller zu einem funktionierenden KI-Produkt kommt.

Gleichzeitig steht der Vorwurf im Raum, Apple habe bei KI zu wenig investiert. Stephanie Link von Hightower verweist darauf, dass Apple mit Bargeld bisher vorsichtig umgeht und Rückkäufe großen Übernahmen oder Investitionen vorzieht, was zwar die Margen stützt, aber die Rolle im „einmaligen“ Technologiesprung begrenzt. Dan Niles von Niles Investment Management nennt Apple „lächerlich spät“ bei KI, lobt Cooks Lieferkettenmanagement, verweist aber auf den enttäuschenden Start des Vision Pro. Er sieht steigende Forschungs- und Entwicklungsausgaben positiv, hält die nächste Umsetzungsphase jedoch für entscheidend.

Ob WWDC die Aktie bewegt, ist unter Analyst:innen umstritten. Link gefällt das Chance-Risiko-Verhältnis vor dem Event wegen Kursanstieg und Bewertung nicht und hält eine große positive Überraschung für fraglich. Jim Lebenthal von Cerity Partners erwartet ebenfalls keinen starken Kurstreiber. UBS rechnet mit einem klaren KI-Fokus, aber ohne positiven Impuls für die Aktie ohne echte Überraschung, und lässt die iPhone-Prognosen unverändert. Goldman Sachs ist optimistischer und sieht in einer neuen Siri einen möglichen Treiber für iPhone-Nachfrage und Servicewachstum, falls Entwickler:innen die Apple-Intelligence-Werkzeuge nutzen.

Der größere Test für Verbraucher:innen folgt im September mit der neuen iPhone-Generation und der erwarteten Siri-Aufwertung. Gene Munster von Deepwater Asset Management erwartet zwar mögliche Kursverluste rund um WWDC, hält aber die langfristige Story für intakt, wenn Apple zeigt, dass es die Richtung der KI-Entwicklung verstanden hat. Apple müsse mindestens ein Chatbot-Erlebnis auf dem Niveau von Gemini oder ChatGPT liefern und vor allem demonstrieren, wie die enge Integration mit der Hardware KI persönlicher und nützlicher macht. Eine rein verspielte Weiterentwicklung werde nicht ausreichen.

Für Cook, der Apple mit operativer Disziplin, Lieferkettenstärke und Diensten zum wertvollsten Unternehmen gemacht hat, könnte die letzte Entwicklerkonferenz damit an einer ungewohnteren Aufgabe hängen: Ob Apple es schafft, Siri wie ein Produkt der Zukunft wirken zu lassen.

Via: https://www.cnbc.com

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Tags: Gemini, App Intents, Apple, iPhone, künstliche Intelligenz, Siri, Tim Cook, WWDC, Entwicklerkonferenz, John Ternus

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