Bei Apple gibt es offenbar Zweifel daran, ob Hardware-Chef John Ternus Tim Cook als Vorstandsvorsitzenden nachfolgen wird. Ehemalige Führungskräfte hoffen laut einem Bericht darauf, dass noch eine unbekannte Alternative auftaucht.
Der Bericht sieht Ternus weiterhin als wahrscheinlichsten internen Kandidaten für die Nachfolge von Cook. Seine Chancen werden höher eingeschätzt als die von Software-Chef Craig Federighi, Betriebschef Sabih Khan oder Marketing-Verantwortlichem Greg Joswiak.
Ternus ist 50 Jahre alt und seit 2001 bei Apple. Er gilt als verlässlich, ordnungstreu und sehr detailorientiert. Kolleg:innen beschreiben ihn als ruhig, emotional intelligent, logisch und eher konservativ. Intern soll er die Verantwortung für die problematische Butterfly-Tastatur übernommen haben, was ihm Respekt eingebracht habe. Zudem leitete er erfolgreich die Umstellung des Mac auf Apple‑Chips. Diese Erfahrungen sollen dazu beigetragen haben, dass Cook ihm besonders vertraut.
Gleichzeitig gibt es im Unternehmen Stimmen, die Ternus den Spitzenposten noch nicht zutrauen, was eine offizielle Nachfolgeregelung verzögern könnte. Kritiker:innen in seinem Bereich werfen ihm vor, zu risikoscheu zu sein, was für Frust in seinem Team gesorgt habe. So soll Ternus etwa die Finanzierung ambitionierterer Hardware-Projekte abgelehnt haben.
Einer der Enttäuschten soll der damalige Vizepräsident Tang Tan gewesen sein, der inzwischen bei OpenAI ein KI-Hardwaregerät verantwortet, das von Apples ehemaligem Chefdesigner Jony Ive gestaltet wird. Tan und Ive sollen seither zahlreiche Hardware-Ingenieur:innen aus dem Team von Ternus abgeworben haben. Andere Kritiker:innen halten Ternus zudem nicht für eine charismatische Führungspersönlichkeit und bemängeln, dass er kaum in jene geopolitischen Themen eingebunden war, die Cooks Agenda in den vergangenen Jahren stark geprägt haben.
Craig Federighi könnte Cooks Rolle theoretisch durch seine hohe Sichtbarkeit übernehmen, doch es gibt Bedenken. Sein Schwerpunkt liegt klar auf Software, was ihn aus Sicht mancher Beobachter:innen weniger geeignet für die breitere CEO-Rolle macht. Er soll technische Probleme bevorzugen, statt sich mit den vielfältigen strategischen Fragen zu beschäftigen, die im Vorstandsvorsitz anstehen.
Federighi gilt ebenfalls als risikoscheu und soll sich kritisch zu den hohen Ausgaben für die Vision Pro und das inzwischen eingestellte Projekt für ein selbstfahrendes Auto geäußert haben. Anfangs war er dem Thema Künstliche Intelligenz gegenüber skeptisch, da er die Technologie als überbewertet und zu unberechenbar eingeschätzt haben soll.
Cook hat öffentlich betont, dass seine Nachfolge idealerweise aus den eigenen Reihen kommen soll. Dennoch wäre es möglich, dass Apple eine frühere Führungskraft zurückholt. Ein Name, der im Bericht genannt wird, ist Tony Fadell, ehemaliger Hardware-Manager und Mitentwickler des iPod.
Fadell soll gegenüber Vertrauten geäußert haben, dass er grundsätzlich bereit wäre, Cook zu beerben. Ehemalige Apple-Führungskräfte trauen ihm zu, das Unternehmen aus der Perspektive eines offensiven Produktverantwortlichen „durchzurütteln“.
Andere Stimmen im Unternehmen sehen diese Option allerdings als eher unwahrscheinlich. Fadell sei in seiner Zeit bei Apple eine „polarisierende Figur“ gewesen. Apple verzichtete 2014 darauf, Fadells Smart-Home-Unternehmen Nest zu übernehmen, auch weil einige Beschäftigte seine Rückkehr zum Konzern ablehnten.
Unabhängig von der konkreten Person gilt es als zunehmend wahrscheinlich, dass Cook sich nicht mehr allzu lange an der Spitze von Apple halten wird. Einige Analyst:innen vertreten die Ansicht, Cook habe nicht schnell oder entschlossen genug auf die wachsende Bedeutung von KI reagiert, insbesondere im Vergleich zu Führungskräften bei Meta und Google.
Es gibt zudem Anzeichen im persönlichen Umfeld Cooks, die auf einen möglichen Rückzug hindeuten. Er soll nicht mehr regelmäßig um 4 Uhr morgens aufstehen, um ins Fitnessstudio zu gehen, wie es früher seine Gewohnheit war. Personen aus seinem Umfeld berichten von einem leichten Zittern seiner Hände, das auch bei einem jüngsten Besuch im Weißen Haus zu sehen gewesen sei.
Hinzu kommt, dass Cook Kolleg:innen mit dem Kauf eines Luxus-Hauses außerhalb von Palm Springs in Kalifornien überrascht haben soll. Zuvor war er für einen eher zurückhaltenden Lebensstil bekannt, etwa weil er in Silicon Valley lieber zur Miete wohnte, um Kosten zu sparen.
Führungskräfte bei Apple halten größere Veränderungen im Management offenbar für so wahrscheinlich, dass sie das Thema inzwischen auch gegenüber Unternehmen ansprechen, die versuchen, sie abzuwerben. Sie rechnen sich dadurch neue Karrierechancen im Fall eines Führungswechsels aus.
Via: https://www.macrumors.com
Titelbild: Screenshot (Apple-Event)
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