Die aktuelle Krise um den niederländischen Chip-Hersteller Nexperia bringt die Autoindustrie weltweit in Bedrängnis. Die politischen Spannungen zwischen Europa, den USA und China bedrohen die gesamte Lieferkette.
Eine eskalierende Auseinandersetzung zwischen Europa, USA und China
Nexperia, ein Chip-Hersteller mit Sitz in den Niederlanden und im Besitz der chinesischen Firma Wingtech, steht im Fokus eines geopolitischen Konflikts zwischen EU, USA und China. Die niederländische Regierung übernahm im Oktober die Kontrolle über Nexperia, da sie Sicherheitsrisiken vermutete, die durch die chinesische Eigentümerschaft entstanden. Kurz darauf verhängte China ein Ausfuhrverbot für bestimmte Nexperia-Produkte, die im eigenen Land hergestellt werden. Dieses Ausfuhrverbot führte zu umfangreichen Störungen in der internationalen Automobilbranche, denn wichtige Bauteile konnten nicht mehr geliefert werden. Während in Europa am Wochenende Gespräche laufen, zeigen sich auf US-amerikanischer und chinesischer Seite erste Anzeichen für mögliche Ausnahmen bei Exportbeschränkungen. Dennoch bleibt die globale Versorgung mit essentiellen Autochips weiterhin ungewiss.
Bedeutung der Nexperia-Chips für die Automobilbranche
Nexperia produziert jährlich Milliarden sogenannte Foundation-Chips wie Transistoren, Dioden und Komponenten für das Energiemanagement. Diese Chips werden oft in Europa gefertigt, in China weiterverarbeitet und anschließend wieder weltweit exportiert. Etwa 70 Prozent der in den Niederlanden hergestellten Chips gelangen über diesen Weg zurück auf den internationalen Markt. Die Bauteile sind zwar günstig und technisch einfach, doch sie sind unverzichtbar für alle Fahrzeuge, da sie etwa die Verbindung von Batterie und Motor, Sensoren, Bremsen und Unterhaltungselektronik ermöglichen. Auch sicherheitsrelevante Auto-Systeme wie Airbags oder Fensterheber nutzen diese Chips. Im vergangenen Jahr erzielte Nexperia einen Umsatz von 2 Milliarden US-Dollar (etwa 1,89 Milliarden Euro). Automobilhersteller wie Volkswagen, Nissan oder Mercedes-Benz warnten bereits vor Produktionsunterbrechungen, sollten die Chips weiterhin fehlen. Notfallreserven und alternative Anbieter gibt es zwar, jedoch lässt sich eine so umfassende Versorgungskette nicht kurzfristig ersetzen.
Stand der Entwicklung und mögliche Lösungen
Die Auseinandersetzung verschärfte sich im September, als die niederländische Regierung eine spezielle Gesetzgebung aus der Zeit des Kalten Krieges nutzte, um Nexperia unter staatliche Kontrolle zu stellen. Grund war die Sorge, Wingtech könnte geistiges Eigentum an andere eigene Unternehmen weitergeben. Ein niederländisches Gericht setzte zudem CEO Zhang Xuezhen wegen angeblicher Misswirtschaft ab. Die chinesische Regierung reagierte mit Exportkontrollen auf bestimmte Produkte von Nexperia, was die Sorge vor einer umfassenden Störung der Lieferketten verstärkte. Gestern gab es erste Berichte, dass die USA Nexperia nach Vereinbarung zwischen Präsident Trump und Präsident Xi erlauben wollen, bestimmte Chips wieder zu exportieren. Chinesische Behörden erklärten, dass für „qualifizierte Exporte“ Ausnahmen von den Exportbeschränkungen möglich sind, nannten aber noch keine Details. Sollte diese Regelung umgesetzt werden, könnte das den Druck auf Automobilhersteller kurzzeitig mindern. Offen bleibt aber weiterhin das grundlegende Problem von Eigentumsfragen, technischer Kontrolle und Sicherheitsvorgaben im Umgang mit internationalen Chip-Lieferanten.
Via: https://www.cnbc.com