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Wie das MP3-Patent von 1996 die Musikindustrie veränderte

MP3-Patent 1996

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Am heutigen Tag im Jahr 1996 wurde in den USA ein Patent erteilt, das die Grundlage für die digitale Musikwelt legte. Das MP3-Format ebnete den Weg für Musiktauschbörsen, iTunes und heutige Streaming-Dienste.

Entwicklung und Patentierung von MP3

MPEG Audio Layer III, besser bekannt als MP3, wurde von Wissenschaftler:innen entwickelt, um den Datenbedarf für Audiodateien deutlich zu senken. Zu den zentralen Personen hinter dem Format gehörten Bernhard Grill, Karlheinz Brandenburg, Thomas Sporer, Bernd Kurten, Ernst Eberlein und Dieter Seitzer. Brandenburg wird häufig als „Vater von MP3“ bezeichnet, da er seit 1977 entsprechende Forschung leitete, während Seitzer unter anderem Fachwissen zum Übertragen von Musik über herkömmliche Telefonleitungen einbrachte.

Der Erfolg des Formats beruhte vor allem darauf, dass MP3 Audiodateien um 75 bis 95 Prozent verkleinern konnte. Möglich wurde dies durch verlustbehaftete Medienkompression, bei der bestimmte Audiodaten verworfen werden. Durch die Wahrnehmungsgrenzen des menschlichen Gehörs ließ sich die Dateigröße stark reduzieren, ohne dass viele Hörer:innen einen deutlichen Qualitätsverlust bemerkten. Je nach Zielgerät konnten Benutzer:innen die Kompressions-Bitrate anpassen, auch wenn audiophile Hörer:innen häufig Unterschiede zu unkomprimierten CD-Daten oder Schallplatten betonten.

Die Arbeiten am MP3-Format begannen 1987, ein deutsches Patent für das Kompressionsverfahren folgte 1989. Den entscheidenden Schub brachte jedoch das US-Patent 5.579.430, das 1996 der Fraunhofer-Gesellschaft erteilt wurde. Damit war das Format im Heimatmarkt vieler großer Entertainment-Konzerne abgesichert und konnte an Bedeutung gewinnen. Die Erfinder:innen waren damit gut positioniert, um vom aufkommenden Internetboom finanziell zu profitieren.

Von Napster-Schockwellen zu „1.000 Songs in der Hosentasche“

Für Fraunhofer lief die Entwicklung jedoch nicht nur positiv. Die Software wurde rasch unerlaubt kopiert und im Netz verbreitet. In CD-Ripper- und Encoder-Programme integriert, machten sie es Musikliebhaber:innen leicht, CDs in MP3-Dateien zu verwandeln und mit Freund:innen zu teilen. Zunächst geschah das über FTP-Server, doch 1999 startete Napster und veränderte die Musikbranche grundlegend.

Mehrere technische Entwicklungen trafen dabei aufeinander und verstärkten die Wirkung. 1998 erschien WinAmp als MP3-Player für den Desktop, ein Jahr vor Napster. Gleichzeitig setzte sich Breitbandinternet durch, wodurch sich aktuelle Hits in Sekunden statt Minuten herunterladen ließen. Breitband wurde so zum Beschleuniger für den Niedergang physischer Musikmedien.

Ebenfalls 1998 kamen die ersten MP3-Hardwareplayer auf den Markt. In den USA erschien der Rio 100 von Diamond Multimedia, in Korea das MPMAN von Saehan Information Systems. Beide Geräte nutzten Flash-Speicher, um Musik zu speichern.

iTunes, iPod und der Weg zum Streaming

Apple spielte eine wichtige Rolle bei der Legitimierung digitaler Musik. Die iTunes-Software startete im Januar 2001, der erste iPod folgte im selben Jahr. Dennoch dauerte es bis 2003, bis die ersten wegweisenden Vereinbarungen mit der angeschlagenen Musikindustrie zustande kamen. In diesem Jahr eröffnete der iTunes Musik Store mit 200.000 digitalen Titeln zu jeweils 0,99 US-Dollar (ca. 0,91 Euro).

Das MP3-Patent lief 2017 aus, das Format gilt inzwischen als veralteter Codec und steht vor allem für eine prägende Phase der Medien- und Internetgeschichte. Für das Digitalisieren physischer Musikmedien haben es moderne Alternativen wie AAC und FLAC abgelöst.

Im Jahr 2025 treten das Rippen, Herunterladen und Teilen von Musik in den Hintergrund. An ihre Stelle sind Streaming-Dienste getreten, die von sehr schnellen Breitbandanschlüssen und 4G/5G-Mobilfunk profitieren. Engagierte Musikenthusiast:innen und Sammler:innen halten dennoch weiterhin an physischen Medien fest, wie schon in der MP3-Ära.

Einer der ersten Songs, wenn nicht gar DER erste Song, der als mp3-File codiert wurde, war Tom’s Diner von Suzanne Vega.

Via: https://www.tomshardware.com
Titelbild KI (Zur Illustration)

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Tags: digitale Musik, Napster, Fraunhofer, iTunes, iPod, Patent, Streaming, mp3, AAC, FLAC

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