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Wie das iPad den Tablet-Markt schuf – obwohl es spät dran war

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Als Apple 2010 das iPad vorstellte, galt der Tablet-Markt als weitgehend vergeben. Trotzdem setzte Apple sich durch – mit einem klar anderen Ansatz als Microsoft und Co.

Der Weg dorthin war jedoch von Geheimhaltung, bewusster Irreführung und radikalen Designentscheidungen geprägt.

Von Microsoft-Tablets zur Multi-Touch-Idee

Microsoft und andere Hersteller:innen hatten jahrelang versucht, Tablet-Computer mit Stiftbedienung zu etablieren. Schwer, unhandlich und auf Stylus-Eingabe ausgelegt, blieben sie Nischenprodukte. Apple-Chef Steve Jobs spielte das Thema öffentlich herunter. 2003 sagte er auf der Konferenz D: All Things Digital, Apple habe „keine Pläne“ für ein Tablet und halte das Konzept für einen Misserfolg. Tablets würden vor allem wohlhabende Nutzer:innen mit vielen Geräten ansprechen, und Apple werde ohnehin oft für Nischenprodukte kritisiert.

Gleichzeitig zweifelte er damals öffentlich auch am Erfolg im Mobiltelefonmarkt. Doch hinter den Kulissen arbeitete Apple längst am Tablet: Bereits im März 2004 reichte das Unternehmen ein Designpatent ein, das deutlich die spätere iPad-Form zeigt – inklusive Nutzung mit dem Finger statt mit einem Stift. Steve Jobs und Jony Ive gehören zu den 14 Erfinder:innen, die in der Anmeldung genannt werden.

Wann genau Jobs endgültig umdachte, bleibt unklar, nicht zuletzt, weil sein Biograf Walter Isaacson Ereignisse nur sporadisch datiert. Eine zentrale Anekdote schildert ein Abendessen anlässlich des 50. Geburtstags eines leitenden Microsoft-Ingenieurs. Dort prahlte dieser wiederholt mit einer kommenden Tablet-PC-Software, die Notebooks überflüssig machen sollte und die Apple angeblich lizenzieren sollte. Jobs störte sich vor allem an der Stiftfixierung. Er kam nach Hause und beschloss laut eigener Aussage, zu zeigen, „wie ein Tablet wirklich sein kann“.

Parallel entwickelte Apple eine Multi-Touch-Oberfläche, die Eingaben mit mehreren Fingern unterstützte. Ob Prototypen bereits existierten oder erst nach Jobs’ Impuls entstanden, ist umstritten. Klar ist: Jobs entschied, die Technologie zunächst im iPhone einzusetzen, und verschob das Tablet-Projekt. Viele der iPhone-Entwicklungen wanderten später unverändert ins iPad, was frühe Kritiker:innen veranlasste, es als „großes iPhone“ abzutun.

Namensspiele, Skepsis – und ein neues Marktsegment

Ab 2009 war weithin erwartet, dass Apple an einem Tablet arbeitete, auch wenn das Unternehmen dazu schwieg. Parallel liefen jedoch Verschleierungsmanöver. Über eine Firma namens Slate Computing wurden Markeneinträge für „iSlate“ und „Magic Slate“ vorgenommen, zudem gehörte dieser Firma die Domain iSlate.com. Die Branche rechnete fest mit einem „iSlate“. Als Microsoft Anfang Januar 2010 ein „Slate-PC“ vorstellte, häuften sich entsprechende Geräte auf der CES, und Steve Ballmer verwendete den Begriff so häufig, dass er fast beliebig wirkte.

Am 27. Januar 2010 präsentierte Jobs dann überraschend das „iPad“. Der Name wurde vielfach verspottet, etwa in einem vielzitierten Artikel von Alissa Walker. Tatsächlich hatte Apple den Namen bereits verborgen vorbereitet, unter anderem über eine britische Firma namens „IP Application Development“ („IPAD Ltd“). Während andere Hersteller:innen auf „Slate“-Begriffe setzten, stand Apple mit „iPad“ plötzlich allein da.

Der Verkauf startete trotzdem erst im April, da die Zulassungsverfahren für Funktechnik Zeit benötigten und Apple Leaks durch Behördenunterlagen vermeiden wollte. Die Verzögerung gab Kritiker:innen Wochen für negative Kommentare. Kolumnist John C. Dvorak hoffte öffentlich, das Gerät sei nur ein Markttest für etwas „Spektakuläreres“. Viele Stimmen bezeichneten das iPad als langweilig. Kaum jemand hatte es jedoch selbst in der Hand gehabt. Als das iPad im April erschien, änderte sich die Wahrnehmung deutlich – und der Markt.

Heute wird das iPad oft selbst nur als „großes iPhone“ beschrieben, zugleich steht sein Name stellvertretend für die gesamte Produktkategorie. Tablets anderer Hersteller:innen sind kaum im Gedächtnis geblieben, Ausnahmen wie das Microsoft Surface verkaufen sich bis heute deutlich schlechter. Selbst Samsung konnte mit zahlreichen Modellen wenig an der Dominanz des iPad ändern, auch wenn der Konzern Apples frühes Designpatent anficht.

Viele Modelle, klare Linie – und ein Blick nach vorn

Apple selbst hat das iPad konsequent weiterentwickelt – und sich dabei immer wieder selbst Konkurrenz gemacht. Das ursprüngliche iPad blieb bis 2012 im Programm, wurde aber schon 2011 vom iPad 2 mit gleicher Bildschirmdiagonale, geringerem Gewicht, dünnerem Gehäuse, mehr Leistung und Kameras überholt. 2012 folgte mit dem „neuen iPad“ (iPad 3) das erste Retina-Display im Tablet, das jedoch ungewöhnlich schnell vom iPad 4 abgelöst wurde und damit die kürzeste Lebensdauer eines iOS-Geräts hatte.

Mit dem iPad mini brach Apple im Oktober 2012 das bisherige Format auf. Das deutlich leichtere Gerät mit 7,9-Zoll-Display und Siri sollte zunächst preisbewusste Käufer:innen ansprechen: Es startete bei 329 US-Dollar (rund 304 Euro), während das iPad 4 bei 499 US-Dollar (rund 461 Euro) lag. Erst später erkannte Apple den Mehrwert der kleineren Bauform und drehte mit dem iPad mini 6 im Jahr 2021 die Preislogik um: Das Mini startete nun bei 499 US-Dollar (rund 461 Euro), während das Standard-iPad auf 329 US-Dollar (rund 304 Euro) sank – bei gleichzeitig deutlich verbesserten Spezifikationen.

2013 kam das iPad Air hinzu, leichter, dünner und mit schnelleren A7-Prozessoren. 2015 folgte der erste iPad Pro mit 12,9-Zoll-Display, A9X-Chip, 4 GB RAM und Apple Pencil-Unterstützung. Preislich und funktional grenzte Apple ihn klar als Pro-Gerät mit 799 US-Dollar (rund 739 Euro) Startpreis ab; das heutige 13-Zoll-Modell beginnt bei 1.299 US-Dollar (rund 1.201 Euro). Die dritte iPad-Pro-Generation führte 2018 Face ID und ein randloses Display ohne Homebutton ein. Später erhielten auch iPad Air, iPad mini und das reguläre iPad ähnliche All-Screen-Designs, jedoch weiterhin mit Touch ID im Powerbutton.

Mit vier iPad-Linien entsteht ein differenziertes, aber zunehmend unübersichtliches Portfolio. Besonders verwirrend wurde es 2022, als Apple zwei Basismodelle parallel anbot. 2024 verschärfte ein 13-Zoll-iPad Air die Konkurrenz zum 13-Zoll-iPad Pro. Technisch überzeugt das Pro-Modell mit besserem OLED-Display und höherer Leistung, doch die Preisdifferenz von 500 US-Dollar (rund 463 Euro) macht die Entscheidung schwer. Wer nicht gezielt Pro-Funktionen sucht, greift eher zum günstigeren Air.

Rückblickend zeigt sich eine klare Leistungssteigerung über die Jahre, aber auch eine kompliziertere Produktlinie. Phasenweise schien Apple das iPad zu vernachlässigen, dann wieder rückte es stark in den Fokus. Zuletzt deuten eine große iPadOS-Aktualisierung 2025 und 2026 das Abo-Paket Apple Creator Studio – inklusive Pixelmator Pro erstmals auf dem iPad – darauf hin, dass Apple das Tablet erneut stärker als produktives Gerät positioniert. Wünsche wie ein zweiter USB‑C-Anschluss oder Hintergrundrendering in Final Cut Pro für iPad bleiben offen. Apple äußert sich traditionell nicht zu kommenden Funktionen, aber zumindest steht außer Frage, dass das iPad für den Konzern weiterhin wichtig ist.

Via: https://appleinsider.com

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Tags: Tablet, iPadOS, Apple, iPad, iPad mini, iPad Pro, Steve Jobs, iPad Air, Jony Ive, Apple Pencil

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