Apple hat eine Klage wegen Geschäftsgeheimnissen gegen OpenAI eingereicht und wirft dem Unternehmen systematisches Fehlverhalten vor. Das könnte direkte Folgen für OpenAIs Hardwarepläne und den geplanten Börsengang haben.
Apples Vorwürfe und der Kontext der Klage
Apple beschuldigt OpenAI, gezielt aktuelle und ehemalige Apple-Mitarbeiter:innen dazu gebracht zu haben, vertrauliche Informationen weiterzugeben. OpenAI erklärte dazu, man wisse „von keinen Beweisen, dass diese Klage begründet ist“. In der jüngsten Folge des TechCrunch-Podcasts „Equity“ diskutieren Kirsten Korosec, Sean O’Kane und Anthony Ha, ob diese Auseinandersetzung OpenAIs Einstieg ins Hardwaregeschäft und den Börsengang beeinträchtigen könnte.
Im Zentrum steht ein seit Langem spekuliertes erstes Hardwareprodukt von OpenAI: ein mobiles, intelligentes Lautsprechergerät, an dem auch Jony Ive und sein Team beteiligt sein sollen. Die Gesprächsrunde erinnert an ein Video aus dem vergangenen Jahr, in dem OpenAI in einem Café in San Francisco vage über Hardware und sogenannte „Altgeräte“ wie Notebooks und Telefone sprach. Für Menschen, die kein dauerhaft lauschendes Gerät in der Tasche haben wollen, bleibt dieses Produkt allerdings umstritten.
Anthony Ha weist zudem darauf hin, dass ein mobiles Gerät nicht nur seine Besitzer:innen, sondern auch deren Umgebung abhören könnte. Treffen im echten Leben, etwa auf der TechCrunch-Konferenz Disrupt, würden dadurch potenziell mit aufgezeichnet, wenn ein solches Gerät im Raum ist. Die Gesprächspartner sind sich einig, dass gesellschaftliche Normen neu verhandelt werden müssten und dass heimliche Aufnahmen ohne Einwilligung klar kritisiert gehören.
Risiken für Hardwarestrategie und Börsengang
Im Mittelpunkt der Klage steht der Vorwurf, OpenAI habe auf hoher Managementebene eine „Verhaltensmuster“ verfolgt, das sich gezielt an frühere Apple-Beschäftigte richte. Namentlich genannt wird dabei unter anderem der Hardwarechef Tang Tan. Apple wirft OpenAI vor, Geschäftsgeheimnisse abgezogen zu haben, die für konkurrierende Hardwareprodukte nutzbar wären. Korosec betont, dass es sich bislang um rechtliche Vorwürfe handle, deren Wahrheitsgehalt erst im weiteren Verfahren geklärt werde.
Sean O’Kane sieht dennoch ein erhebliches Risiko für die Projekte von OpenAI. Selbst wenn das Gericht keine einstweilige Verfügung oder andere sofortige Beschränkungen gegen OpenAI verhängen sollte, könne das Verfahren Verzögerungen verursachen. Nach seiner Einschätzung ist das möglicherweise Teil der strategischen Überlegungen von Apple, das solche Schritte nicht leichtfertig gehe.
Parallel dazu hat OpenAI vertraulich die Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Laut O’Kane könnte dieser bereits Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres stattfinden, wenn man Sam Altmans vorsichtige Äußerungen zugrunde legt. Derzeit dürfte das Geschäft von OpenAI stark auf Software basieren, Hardware spielt in den aktuellen Zahlen wohl noch keine Rolle. Für die Bewertung am Kapitalmarkt ist aber entscheidend, wie groß OpenAI den adressierbaren Markt einschätzt und welchen Anteil eine künftige Hardware-Sparte haben soll. Die Klage könnte damit die Preisfindung beim Börsengang beeinflussen.
Personalabgänge, Reputationsrisiken und Prozessstrategie
Anthony Ha hebt eine konkrete Zahl aus der Klageschrift hervor: Laut Apple arbeiten inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte bei OpenAI. Beide Unternehmen sind zwar sehr groß, dennoch sieht Apple darin einen erheblichen Abfluss von Fachkräften. Zusätzlich stellt sich für ihn die Frage, wie sehr OpenAI durch frühere Gerichtsverfahren unter Image- und Marketinggesichtspunkten gelitten hat.
OpenAI hatte vor Kurzem einen Prozess gegen Elon Musk gewonnen, bei dem jedoch interne Details öffentlich wurden, die zwar nicht verheerend, aber doch unangenehm waren. Ha fragt, ob OpenAI nun eher versuchen wird, einen Vergleich mit Apple zu schließen, um erneute Bloßstellung zu vermeiden, oder ob das Unternehmen aus dem vorangegangenen Verfahren den Schluss zieht, auch einen weiteren großen Prozess durchstehen zu können.
Kirsten Korosec rechnet klar mit letzterem: Ihrer Einschätzung nach wird OpenAI bereit sein, den Rechtsstreit mit Apple voll auszutragen. Wie stark das Unternehmen seine Hardwarepläne und den Börsengang anpasst, bleibt abzuwarten, doch die Klage setzt OpenAI bereits jetzt unter zusätzlichen Druck.
