Seit der Gründung von OpenAI durch Sam Altman sorgt das Unternehmen für Streitfälle – die aktuelle Klage von Apple wegen angeblichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen ist nur das jüngste Kapitel. Ein Rückblick zeigt, wie sich Konflikte rund um OpenAI, Apple und weitere Tech-Konzerne über Jahre aufgebaut haben.
Von Jony Ive zu „io“ – Kooperationen, Abgänge und Namensstreit
Nach Jahrzehnten als Designchef verließ Jony Ive Apple spätestens im November 2019 vollständig, als sein Profil von der offiziellen Apple-Leadership-Seite verschwand. Ive gründete die Designagentur LoveFrom, in der sich ab Juni 2021 mehrere frühere Mitglieder von Apples Human-Interface-Team wiederfanden. Trotz seines Ausscheidens blieb Ive zunächst als externer Designer für Apple tätig, bis Apple und LoveFrom 2022 ihren Vertrag ohne Begründung auslaufen ließen.
Ende September wurde bekannt, dass Ive mit OpenAI-CEO Sam Altman an einem neuen, KI-zentrierten Hardwareprojekt arbeitet. Medienberichten zufolge war auch SoftBank-Chef Masayoshi Son in Gespräche involviert, inklusive der Möglichkeit einer Investition von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Die Treffen zwischen Ive und Altman fanden demnach als Brainstorming-Sessions in Ives Büro in San Francisco statt und drehten sich um mögliche OpenAI-Technologien und deren Produktgestaltung.
Bis April 2025 hatte sich die Zusammenarbeit zu einem Startup mit dem Namen „io Projects“ entwickelt, später zu „io“. OpenAI übernahm „io“ im Mai 2025 für 6,5 Milliarden US-Dollar. Am 23. Juni 2025 veröffentlichte OpenAI ein neunminütiges Promo-Video mit Ive und Altman – und zog es kurz darauf wieder zurück. Hintergrund war eine Klage des Unternehmens iyO, das den Markennamen „io“ wegen Verwechslungsgefahr angriff. iyO war aus einem Alphabet-X-Projekt für ein sprachbasiertes KI-Gerät hervorgegangen und sah erhebliches Potenzial für Verwirrung. OpenAI entfernte daraufhin das Video und verwies ausdrücklich auf die Markenbeschwerde, betonte aber, man sei mit der Klage nicht einverstanden und prüfe die Optionen.
Streit mit Musk: App-Store, Antitrust und Beweissicherung
Am 11. August 2025 warf Elon Musk Apple auf X (vormals Twitter) vor, ChatGPT und OpenAI im App Store zu bevorzugen und Grok sowie X zu benachteiligen. Zu diesem Zeitpunkt stand X auf Platz eins der kostenlosen Nachrichten-Apps und Platz 38 der kostenlosen Apps insgesamt, Grok auf Platz sechs. Musk drohte mit rechtlichen Schritten wegen angeblicher Kartellrechtsverstöße und verwies auf die geplante Integration von ChatGPT in iOS als Indiz für eine Voreingenommenheit Apples.
Am 25. April 2025 reichte xAI die angekündigte Klage ein. Darin wird Apple vorgeworfen, gemeinsam mit OpenAI den Wettbewerb bei KI-Diensten im App Store zu behindern. Apple und OpenAI bestritten die Vorwürfe, ebenso wie Nutzer:innen und Grok AI selbst. Apple beantragte am 1. Oktober 2025 die Abweisung der Klage und bezeichnete sie als „Spekulation auf Spekulation“. Die Anwält:innen argumentierten, Kartellrecht verlange nicht, dass Apple bei einer Kooperation mit ChatGPT gleichzeitig jede andere KI-Chatbot-Lösung integrieren müsse. Der Antrag wurde dennoch am 13. November 2026 abgelehnt, Apple und OpenAI mussten sich dem Verfahren stellen.
Im Verlauf der Auseinandersetzung geriet xAI selbst unter Druck. Am 3. Februar 2026 warf OpenAI dem Musk-Unternehmen vor, Beweismittel zu vernichten und zurückzuhalten – unter anderem durch die Nutzung von Messaging-Apps mit automatischer Löschfunktion. OpenAI beantragte eine gerichtliche Anordnung, um den Einsatz solcher Apps bei xAI zu untersagen. xAI versuchte im Gegenzug, Einsicht in OpenAIs Quellcode zu erzwingen und den früheren OpenAI-Alignment-Chef Jan Leike zur Herausgabe von Unterlagen zu verpflichten, scheiterte mit beiden Anträgen.
Parallel dazu setzte die Beweisaufnahme auch Apple und Musk unter Druck. Am 16. Mai 2026 wurde bekannt, dass Apple-Softwarechef Craig Federighi im xAI-Verfahren als sogenannte „custodian“ fungieren muss und relevante Dokumente beibringen soll. Ein entsprechender Antrag für Tim Cook wurde vom Gericht abgelehnt. Am 2. Juni 2026 ordnete Richter Mark Pittman zudem an, dass Musk geschäftliche E-Mail-Konten von SpaceX und Tesla für das Verfahren offenlegen muss, da relevante Kommunikation nicht nur über X oder xAI laufen könnte.
Abwerbung, Bonusprogramme und die neue Apple-Klage gegen OpenAI
Die Auseinandersetzungen spielen sich nicht nur vor Gericht, sondern auch am Arbeitsmarkt ab. Bereits im September 2025 wurde bekannt, dass OpenAI gezielt Apple-Fachkräfte und iPhone-Zulieferer anspricht. Federführend war dabei Tang Tan, der Apple den Rücken kehrte und OpenAI nach eigenen Angaben mehr Freiheit, Kooperation und „größeres Denken“ attestierte. Neben weniger Bürokratie lockten Aktienpakete im Millionenbereich.
Tan holte unter anderem Cyrus Daniel Irani aus Apples Human-Interface-Design, Erik de Jong aus der Apple-Watch-Hardware und den langjährigen Apple-Mitarbeiter Matt Theobald aus dem Bereich Manufacturing Design zu OpenAI. Apple reagierte im März 2026 mit hohen „Out-of-cycle“-Boni in Höhe von mehreren hunderttausend Dollar für Mitglieder des iPhone Product Design Teams, um weitere Abgänge zu verhindern – ein Vorgehen, das bereits 2021 praktiziert worden war.
Die Markenklage von iyO eskalierte im April 2026 weiter. Am 23. April 2026 erwirkte iyO eine einstweilige Verfügung vor einem US-Bezirksgericht in Kalifornien, die OpenAI, Sam Altman, Jony Ive und io Products vorerst die Nutzung des Namens „io“ untersagt. Bereits am 13. März hatte iyO die bestehende Klage um Vorwürfe zu Geschäftsgeheimnisdiebstahl und Industriespionage erweitert. Im Mittelpunkt steht dabei erneut Tang Yew Tan, der Apple im Februar 2024 als Vice President of Product verließ, später Mitgründer von io Products wurde und Chief Hardware Officer bei OpenAI ist.
iyO schildert öffentlich, dass Tans Spur bereits kurz nach einem TED-Talk von iyO im Mai 2024 beginnt. Elf Tage nach der Veröffentlichung bestellte Tan den Ohr-Computer „iyO One“ vor. Neun Tage darauf nahm er Kontakt zu Dan Sargent auf, dem Design- und Fertigungsleiter von iyO, und vereinbarte ein Abendessen im Juni. Forensische Analysen von Sargents Notebook sollen ergeben haben, dass er vor dem Treffen 33 vertrauliche Dateien herunterlud, alte IP-Ordner aktivierte und 17 CAD-Dateien in bei iyO unübliche Formate exportierte. Sargent räumte später ein, Prototypen zu diesem Treffen mitgebracht zu haben.
Am 26. Juni 2026 wurde zudem bekannt, dass Apple einen weiteren hochrangigen Hardware-Manager an OpenAI verloren hat: Paul Meade. Er war als Vice President of Hardware Engineering in der Vision Products Group für die Hardwareentwicklung der Apple Vision Pro verantwortlich.
Am 10. Juli 2026 ging Apple dann selbst in die Offensive und verklagte OpenAI sowie die früheren Apple-Manager Tang Yew Tan und Chang Liu wegen massiven Diebstahls geistigen Eigentums. Apple wirft beiden vor, nach ihrem Weggang über Monate hinweg Apple-IP für OpenAI genutzt zu haben. Liu soll Apple-Hardware nicht zurückgegeben haben, die weiterhin Zugang zu internen Netzwerken bot, und laut Apple ein Authentifizierungsproblem ausgenutzt haben, um auf freigegebene Netzwerkordner zuzugreifen. Außerdem habe Liu einer Kollegin, Yu-Ting „Alyssa“ Peng, Pläne zum Zugriff auf Apple-Informationen geschildert. Peng verließ Apple später, blieb über Line mit Liu in Kontakt und wechselte im April 2026 zu OpenAI, ist bisher aber keine Beklagte in der Apple-Klage.
Tan soll sich selbst Lieferantendaten gemailt und Zulieferer dazu gebracht haben, Details zu Oberflächenbehandlungen von Metallen preiszugeben. Zudem habe er Bewerber:innen aufgefordert, nicht veröffentlichte Apple-Komponenten zu Vorstellungsgesprächen bei OpenAI mitzubringen, um an aktuelle Informationen zu gelangen. OpenAI soll neuen Mitarbeitenden laut Apple außerdem Hinweise gegeben haben, wie sie Apples Kontrollen beim Ausscheiden umgehen können – etwa, möglichst lange angestellt zu bleiben und das Zielunternehmen nicht zu nennen. Apple stützt sich dabei auf Nachrichten, die Tan von Apple-Geräten aus verschickt haben soll. Auf Anfragen zu den Vorwürfen habe OpenAI laut Apple nicht reagiert.
In der beim US District Court, San Jose Division, eingereichten Klage fordert Apple ein Urteil, Unterlassungsverfügungen gegen Nutzung und Besitz der beanstandeten IP, die Rückgabe von Apple-Eigentum, Schadensersatz sowie Lizenzgebühren für die Nutzung von Apple-Technologie.
Trotz der juristischen Fronten gibt es auch anerkennende Töne. Am 11. Juli lieferten sich Elon Musk und Sam Altman auf X einen Schlagabtausch. Als ein Beitrag Altman unterstellte, er sei zwar nicht „ängstlich“ gegenüber Musk, aber „in Panik“ vor Apple, stellte Altman klar: Er habe keine Angst vor Apple, aber „tremendous respect“ für das Unternehmen – eine „s-tier company“.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine automatisch erstellte Zusammenfassung mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Eine redaktionelle Prüfung fand nicht statt.
Via: appleinsider.com
