WhatsApp hat eine kritische Sicherheitslücke in seinen iOS- und Mac-Apps geschlossen, die zum unbemerkten Ausspähen von Apple-Nutzer:innen genutzt wurde. Ziel waren gezielt ausgewählte WhatsApp-Benutzer:innen, deren Geräte über eine sogenannte Zero-Click-Attacke kompromittiert wurden.
WhatsApp bestätigte am Freitag die Behebung der Schwachstelle, die offiziell unter der Bezeichnung CVE-2025-55177 bekannt ist. Diese Sicherheitslücke wurde zusammen mit einem weiteren Fehler (CVE-2025-43300), den Apple in der vergangenen Woche beheben konnte, für gezielte Angriffe ausgenutzt. Apple erläuterte, dass die Lücken in einem „äußerst ausgeklügelten Angriff“ auf besonders ausgewählte Benutzer:innen missbraucht wurden. Laut offiziellen Quellen waren Dutzende WhatsApp-Nutzer:innen Opfer dieses Angriffs.
Donncha Ó Cearbhaill, Leiter des Security Lab von Amnesty International, beschrieb diesen Vorgang in einem Beitrag als fortschrittliche Spyware-Kampagne. Die Angriffe liefen demnach über einen Zeitraum von rund 90 Tagen, beginnend Ende Mai. Bei einer sogenannten Zero-Click-Attacke benötigt der anvisierte Benutzer oder die Benutzerin keine eigene Aktion wie das Anklicken eines Links – das Gerät wird automatisch und ohne eigenes Zutun kompromittiert.
Durch das Zusammenspiel der beiden Sicherheitslücken konnten Angreifer eine bösartige Software über WhatsApp auf Apple-Geräten einschleusen. Damit gelang ihnen der Zugriff unter anderem auf Nachrichten und andere Daten der Benutzer:innen, wie eine von WhatsApp versandte Warnung an Betroffene zeigt.
Bisher ließ sich nicht feststellen, welche Gruppe oder welches Unternehmen hinter den Angriffen steckt. Meta-Sprecherin Margarita Franklin bestätigte auf Nachfrage, dass WhatsApp die Sicherheitslücke bereits vor einigen Wochen geschlossen hat. Benachrichtigungen erhielten weniger als 200 betroffene Nutzer:innen. Es gibt aktuell keine Hinweise darauf, ob WhatsApp den Angriff einer bestimmten Angreifer-Organisation zuordnen kann.
WhatsApp-Nutzer:innen waren in der Vergangenheit schon mehrfach Ziel von Überwachungssoftware, die unbekannte Schwachstellen – sogenannte Zero-Day-Lücken – ausnutzt. Im Mai 2024 hatte ein Gericht in den USA den Spyware-Hersteller NSO Group zu einer Schadensersatzzahlung von 167 Millionen US-Dollar an WhatsApp verurteilt. Hintergrund war eine 2019 durchgeführte Hacking-Kampagne bei der mehr als 1.400 Geräte kompromittiert wurden. WhatsApp hatte die Klage eingereicht, weil durch den Hack sowohl nationale als auch eigene interne Gesetze verletzt wurden.
Auch in diesem Jahr stoppte WhatsApp eine Spionagekampagne, die sich gegen etwa 90 Nutzer:innen, darunter Journalist:innen und Mitglieder zivilgesellschaftlicher Gruppen in Italien, richtete. Die italienische Regierung dementierte eine Beteiligung an dem Vorfall. Der Hersteller der eingesetzten Spyware, Paragon, beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit Italien, da das Land keine Untersuchung des Missbrauchs einleitete.
Der aktuelle Vorfall unterstreicht, wie wichtig regelmäßige Sicherheitsupdates sind. Solltet ihr eine Benachrichtigung erhalten haben, dass euer Gerät kompromittiert wurde, empfiehlt es sich, direkten Kontakt zu Sicherheitsexpert:innen aufzunehmen.
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