In Den Haag ist mit Office.eu ein neuer Cloud‑Dienst gestartet, der sich als europäische Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace positioniert. Im Mittelpunkt stehen digitale Souveränität, Open Source und EU‑Recht.
Europäische Cloud‑Office‑Suite setzt auf digitale Souveränität
Office EU wird vollständig von europäischen Eigentümer:innen betrieben und läuft ausschließlich auf Infrastruktur und Rechenzentren innerhalb der Europäischen Union. Nach Angaben des Unternehmens bleiben Kund:innendaten damit „unter europäischer Gerichtsbarkeit“ und sollen vor dem Zugriff durch außereuropäische Rechtsrahmen wie den US CLOUD Act geschützt sein. Aufbau und Standortwahl zielen direkt auf die seit Jahren bestehenden Bedenken vieler EU‑Institutionen gegenüber der Abhängigkeit von US‑Cloudanbietern bei Produktivitätslösungen.
Maarten Roelfs, Geschäftsführer von Office EU, betont in einer Erklärung die Bedeutung von Unabhängigkeit: Europa habe sich lange auf US‑Software verlassen und dadurch ein Risiko der Abhängigkeit geschaffen. Gleichzeitig habe man die Kontrolle über eigene Daten abgegeben. Office.eu solle nun zeigen, dass es eine starke europäische Alternative gebe, die Souveränität, Datenschutz und Transparenz in den Mittelpunkt stelle.
Parallel dazu trennen sich immer mehr europäische Regierungen und Behörden von US‑Cloudangeboten. Dazu zählen Frankreich mit dem Abschied von Microsoft Teams und Zoom, das österreichische Militär, das Bundesland Schleswig‑Holstein, dänische Regierungsorganisationen und die französische Stadt Lyon. Sie ersetzen Microsoft‑Programme durch europäische Lösungen.
Office.eu basiert auf Nextcloud und bekannten Standards
Technische Grundlage von Office.eu ist vor allem die in der EU entwickelte, quelloffene Plattform Nextcloud Hub. Der Dienst bündelt Dateispeicherung und ‑freigabe, E‑Mail, Kalender, Online‑Dokumentbearbeitung sowie Chat und Videotelefonie in einer browserbasierten Oberfläche. Optik und Bedienung orientieren sich bewusst an Microsoft 365 und Google Workspace, um Umstiege zu erleichtern.
Office.eu geht davon aus, dass viele Migrationen schnell möglich sind, weil zentrale Komponenten auf gängigen Formaten und Protokollen beruhen. E‑Mails laufen über IMAP, Kalender über CalDAV. Für Dokumente unterstützt Office EU geläufige Microsoft‑Formate wie DOCX, XLSX und PPTX. Das Unternehmen will eigene Migrationswerkzeuge bereitstellen, hat diese aber noch nicht konkret beschrieben.
Zusätzlich bietet Office.eu Synchronisationsprogramme für Windows, macOS und Linux sowie mobile Apps an. Wer nichts installieren möchte, kann die Weboberfläche im Browser nutzen.
Alternative für Teams mit Fokus auf EU‑Hosting
Office.eu betont, dass der Dienst nicht für alle Organisationen die passende Lösung sei. Microsoft 365 bleibe eine gute Wahl, wenn Ihr die größtmögliche Funktionsvielfalt und eine vertraute Umgebung benötigt, etwa wenn Eure Teams bereits intensiv mit Outlook, Teams und Microsoft‑Konten arbeiten.
Office EU sieht sich eher als Option für Organisationen, die standardmäßig in einer in Europa gehosteten Arbeitsumgebung arbeiten wollen und Wert auf eine transparentere Basis legen. Ziel ist ein übersichtlicherer Arbeitsplatz, der Komplexität reduziert und klar erkennen lässt, wo Daten gespeichert sind, wer darauf zugreifen kann und wie stark Ihr von externen Entscheidungen abhängig seid.
Für viele europäische Teams könnte Office EU damit eine interessante Alternative zu Office 365 sein, ohne alle Funktionen von Microsoft exakt zu kopieren. Die Preisgestaltung soll sich grob an den Abonnements von Microsoft 365 und Google Workspace orientieren, ohne primär über niedrigere Kosten zu konkurrieren. Das Unternehmen setzt darauf, dass das Argument der digitalen Souveränität Kund:innen von etablierten Anbietern abwerben kann.
Der Dienst ist noch nicht allgemein verfügbar, Interessierte können sich aber bereits für einen Test registrieren. Office EUs Start fällt in eine Phase, in der EU‑Institutionen darüber diskutieren, wie stark „souveräne Cloud“‑Lösungen gefördert oder sogar vorgeschrieben werden sollen. In einem von Microsoft und Google dominierten Markt bleibt Office.eu zwar zunächst ein sehr kleiner Anbieter, verbindet aber Open‑Source‑Technik, reine EU‑Infrastruktur und politisches Timing zu einem klaren Signal, wer über Europas digitales Büro bestimmen soll.
Via: https://www.zdnet.com
Titelbild: Office.eu
