John Gruber setzt seine Kritik an Apples vereinheitlichter Designsprache fort und erklärt, warum aus seiner Sicht iOS-Konventionen nicht eins zu eins auf macOS übertragen werden sollten. Anlass ist die Diskussion um die verpflichtende squircle‑Form für App‑Icons auf dem Mac.
Warum Squircle-Icons auf iOS und macOS unterschiedlich zu bewerten sind
Ausgangspunkt ist eine Frage von Tobias Steinke auf Mastodon zu Grubers früherem Text „Apple Should Eliminate the App Icon ‘Squircle Jail’“. Steinke wundert sich, warum die seit jeher squircle‑förmigen Icons unter iOS und iPadOS für Gruber akzeptabel seien, auf dem Mac jedoch nicht.
Gruber nennt die Frage „gut und fair“, nutzt sie aber, um einen grundsätzlichen Punkt zu machen: Design sei immer auch Funktionsgestaltung, selbst bei so scheinbar oberflächlichen Dingen wie Icons. Es gebe zahlreiche Einschränkungen und Vereinfachungen in iOS, die auf dem Mac nichts zu suchen hätten – mit Auswirkungen von „enttäuschend“ bis „ruinös“.
Als ruinöse „baby-computer-isms“ aus iOS, die auf macOS nichts verloren hätten, nennt er unter anderem eine Abschaffung von AppKit, das Entfernen der Unix-Terminal-Schicht oder eine Pflicht, alle Apps ausschließlich über den App Store zu beziehen. Wo genau die „Squircle Jail“ für macOS auf dieser Skala liege, sei subjektiv; für ihn sei sie „nervtötend“, aber nicht ruinös.
An den generellen runden Rechtecken für App‑Icons auf iOS und iPadOS übt Gruber ebenfalls Kritik. Allerdings sei diese Form dort „schon immer“ Standard gewesen, Apple habe den Plattformen also nie eine zuvor bestehende gestalterische Freiheit genommen. macOS sei zudem ein „weit ausdrucksstärkeres und präziseres Umfeld“ als iOS.
Unterschiedliche Rollen von Icons auf iPhone und Mac
Gruber begründet die unterschiedliche Bewertung auch mit der jeweils vorgesehenen Funktion der Icons. Auf dem iOS‑Homescreen seien App‑Symbole im Kern einfache Schaltflächen: ein Fingertipp, und die App starte. Dass sie seit der iPhone‑Vorstellung im Januar 2007 in einer einheitlichen squircle- oder „roundsquare“-Form daherkommen, passe zu dieser Rolle als Ein-Tap‑Launcher.
Unter macOS hingegen seien App‑Icons „keine bloßen Knöpfe“. Nutzer:innen könnten sie verschieben, Objekte darauf ablegen, sie selektieren und per Doppelklick starten. Diese reichere Interaktion verlange nach einer ebenso reichhaltigen visuellen Sprache. Bildhaft beschreibt er iOS als Welt für „dicke Filzstifte und stumpfe Sicherheitsscheren“, während macOS für „feine Zeichenstifte und präzise X-ACTO‑Messer“ gedacht sei.
Dazu komme die mehr als 40‑jährige Geschichte der Macintosh‑Icons. Moden und Stile änderten sich, schreibt Gruber, aber dort, wo früher gestalterische Freiheit geherrscht habe, sollten keine neuen Beschränkungen eingeführt werden.
Apple ignoriert laut Gruber eigene Interface-Weisheiten
Einen zentralen Beleg sieht Gruber in den früheren Human Interface Guidelines (HIG) von Apple. Über die Wayback Machine verweist er auf die „Macintosh Human Interface Guidelines“ von 2018. Dort habe Apple Designer:innen ausdrücklich empfohlen, App‑Icons eine „realistische, einzigartige Form“ zu geben. In macOS dürften Icons die Form der dargestellten Objekte annehmen, eine unverwechselbare Silhouette lenke den Blick und erleichtere das Wiedererkennen „auf einen Blick“. Als Notlösung sei ein Kreis möglich – aber ausdrücklich nicht die abgerundete Rechteckform, die Nutzer:innen mit iOS‑Icons verbinden.
Für Gruber beschreibt dieser Abschnitt keine Mode, sondern grundlegende menschliche Wahrnehmung. Viel „hart erarbeitetes kollektives Wissen“ sei in den letzten Jahren ignoriert worden, aber nicht verloren. Er verweist auf Kapitel 11 der „Aqua Human Interface Guidelines“ von 2002, in dem Apple seinerzeit ausführlich eine konsistente Bildsprache für Icons entwickelt habe.
Besonders kritisiert Gruber, dass Apple keine plattformspezifischen HIGs mehr anbietet. Noch 2018 habe es eigenständige Richtlinien für jede Plattform gegeben. Inzwischen existiere nur noch ein gemeinsames „Apple Human Interface Guidelines“-Dokument mit plattformspezifischen Hinweisen am Rand. Für ihn ist das ein Symptom dafür, dass Apple Oberflächen entwickle, die die eigenen, über Jahrzehnte erarbeiteten Prinzipien vernachlässigen.
Nach Grubers Auffassung sollten alle Plattformen – mit Ausnahme von iPadOS, das sich iOS‑Richtlinien teilen könne – wieder eigene, ausführliche Guidelines bekommen. Ergänzend könne es ein grundlegendes, plattformübergreifendes HIG geben, das die Basisprinzipien erkläre. Die Unterschiede der Plattformen in Idiomen, Fähigkeiten und Anforderungen müssten aber wieder klar und detailliert beschrieben werden.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine automatisch erstellte Zusammenfassung mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Eine redaktionelle Prüfung fand nicht statt.
Via: daringfireball.net

