Kategorien: News

Warum Passkeys das Passwort noch nicht abgelöst haben

Passkeys galten lange als sichere Zukunft des Logins, klassische Passwörter als Auslaufmodell. In der Praxis dominiert das Passwort aber weiterhin deutlich.

Die Technik für passwortlose Anmeldung existiert und ist verbreitet, doch organisatorische Hürden bremsen den Wechsel aus.

Wie Passkeys funktionieren – und warum sie sicherer sind

Ein Passkey besteht im Kern aus zwei kryptografischen Schlüsseln: einem privaten Schlüssel auf Eurem Gerät und einem öffentlichen Schlüssel auf der Website. Beim Anmelden weist Euer Gerät nach, dass es den privaten Schlüssel besitzt, ohne ihn jemals zu übertragen. Dadurch gibt es für Angreifer:innen nichts abzugreifen, wie es bei eingegebenen Passwörtern möglich ist.

Vereinfacht gesagt: Passwörter sind etwas, das Ihr wisst, Passkeys sind etwas, das Ihr habt (ein Gerät) oder etwas, das Ihr seid (biometrische Merkmale). Auf Apple-Geräten übernehmen Face ID oder Touch ID die Verifikation, der private Schlüssel liegt in der Secure Enclave. Nutzt Ihr mehrere Geräte, synchronisiert iCloud-Schlüsselbund die privaten Schlüssel sicher zwischen iPhone, iPad und Mac, jeweils innerhalb der Secure-Enclave-Grenzen.

Laut der FIDO-Allianz können inzwischen mehr als 15 Milliarden Konten mit einem Passkey genutzt werden. Google meldet, dass seine eigenen Passkeys bereits über eine Milliarde Anmeldungen für mehr als 400 Millionen Konten ermöglicht haben. Auf der WWDC 2025 hat Apple ein neues Werkzeug zur Kontoerstellung vorgestellt, mit dem Apps Nutzer:innen von Beginn an per Passkey registrieren können, sodass nie ein Passwort erforderlich ist. Microsoft geht noch weiter und legt neue Konten standardmäßig passwortlos an.

Unternehmen zögern wegen Wiederherstellung und Fallbacks

Trotz dieser Fortschritte gibt es deutlichen Widerstand vieler Unternehmen, Passkeys einzuführen. Eine neue Website prangert bekannte Online-Dienste an, die Nutzer:innen noch keine Passkeys anbieten. Auf der Liste stehen unter anderem Instagram, Spotify und Netflix.

Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung ist die Kontowiederherstellung. FIDO2, der Standard hinter Passkeys, sieht keinen integrierten Wiederherstellungsprozess vor. Gehen alle Geräte verloren, auf denen sich Eure Passkeys befinden, bleibt als Rückfalllösung meist ein Link zum Zurücksetzen per E-Mail. Genau diese Schwachstelle sollten Passkeys eigentlich überflüssig machen. Deshalb behalten viele SaaS-Anbieter und andere Websites das klassische Passwortfeld als Backup auf der Anmeldeseite bei.

Portabilität, Plattformen und die Rolle von Apple

Ein weiteres Hindernis ist die Portabilität der Passkeys, auch wenn sich hier viel bewegt. Passkeys liegen derzeit in unterschiedlichen Tresoren wie iCloud-Schlüsselbund, Google Passwortmanager oder Browsern, die lange nicht miteinander kommunizieren konnten. Das erschwert den Wechsel zwischen Systemen erheblich.

Apple hat mit iOS 26 eine systemweite Unterstützung zum Import und Export von Passkeys über Plattformgrenzen hinweg eingeführt. Das markiert eine deutliche Kursänderung, da der Schlüsselbund bisher eng an das eigene Ökosystem gebunden war. Solange das zugrunde liegende Credential-Exchange-Protokoll aber nicht überall reibungslos funktioniert, kann ein passwortloses System schnell zur Ökosystem-Falle werden.

Die Kryptografie hinter Passkeys gilt als robust und deutlich widerstandsfähiger gegen Phishing als Passwörter. Die offenen Fragen liegen eher im Betrieb: Wiederherstellung muss verlässlich funktionieren, Portabilität nahtlos sein, und Websites müssten das Passwortfeld wirklich entfernen. Apple bietet derzeit eine besonders glatte Integration im eigenen Ökosystem und hat Exportfunktionen sogar vor Google ausgeliefert. Solange die genannten Lücken jedoch bestehen, werden klassische Passwortfelder auf Anmeldeseiten weiter präsent bleiben.

Passkeys werden voraussichtlich die Zukunft der Authentifizierung – aber eben nicht sofort.


Security Bite ist die wöchentliche Tiefenanalyse von 9to5Mac zur Apple-Sicherheit. Jede Woche beleuchtet Arin Waichulis neue Bedrohungen, Datenschutzthemen, Schwachstellen und mehr in einem Ökosystem mit über 2 Milliarden Geräten.

Folgt Arin: Twitter/X, LinkedIn, Threads

Via: https://9to5mac.com

Den Beitrag in unserem Forum kommentieren

Michael Reimann

Neueste Artikel

Siri wird zur Entwicklerplattform – Apple Watch sorgt für Datenschutzfragen

Apple öffnet Siri AI für Entwickler:innen. Zugleich rücken neue KI-Funktionen für die Apple Watch in den Blick, weil sie auf…

4. November 2026

Apple Angebote des Tages – 04.11.2026

Die 10 stärksten Apple-Angebote am 04.11.2026 im Überblick — darunter 3 neue Bestpreise.

4. November 2026

WhatsApp schlägt auf Android und iOS aktuelle Medien vor

WhatsApp führt eine Funktion ein, die Euch beim Öffnen eines Chats aktuelle Fotos und Videos aus der Galerie vorschlägt. Der…

4. November 2026

Apple Fitness+ erweitert das Angebot um personalisierte Krafttrainingspläne fürs Fitnessstudio

Mit Gym Strength bringt Apple Fitness+ ein neues Krafttrainingserlebnis ins Fitnessstudio. Die Funktion ist derzeit als Beta verfügbar und erstellt…

4. November 2026

iOS 27.3 bringt das überarbeitete StandBy des iPhone Duo auf weitere iPhones

Mit der ersten Beta von iOS 27.3 erweitert Apple die überarbeitete StandBy-Ansicht des iPhone Duo auf weitere Modelle. Das Update…

4. November 2026

Apple Music ermöglicht mit Selfie Sing Karaoke-Videos

Mit iOS 27.3 ergänzt Apple Music die Karaoke-Funktion um Selfie Sing. Damit könnt Ihr Euch beim Singen filmen, den Liedtext…

4. November 2026

Diese Website benutzt Cookies um Ihr Nutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.

Mehr lesen