Ferrari baut mit dem kommenden Luce sein erstes Elektroauto – und sorgt mit einem Innenraum von Jony Ive für Diskussionen. Nun erklärt der Ferrari-Chef, warum nicht das eigene Designteam zum Zug kam.
Kontroverses Interieur für Ferraris erstes Elektroauto
Ferrari will schon vor der vollständigen Vorstellung im Mai Interesse am Luce wecken. Den Auftakt machte das enthüllte Innenraumdesign von Jony Ive und Marc Newson, entwickelt mit deren Firma LoveFrom – und genau das sorgt für heftige Reaktionen.
Teile der Ferrari-Fans fragen sich, warum der Hersteller überhaupt auf externe Designer:innen setzt. In den Foren von AppleInsider überwiegen kritische Stimmen, viele Kommentare fallen deutlich negativ aus. Eine Reaktion lautet schlicht: „Wow, das ist hässlich“, andere ziehen einen Vergleich zum viel kritisierten „Puck-Maus“-Design von Apple.
Es gibt aber auch positive oder vorsichtigere Einschätzungen. Ein Kommentar beschreibt das Interieur als „wirklich schlank und irgendwie wunderschön“, ein anderer lobt vor allem die Rückkehr zu mehr physischen, taktilen Bedienelementen – auch wenn das Gesamtbild „recht generisch“ wirke.
Warum Ferrari auf LoveFrom setzt
In einem Interview mit dem Magazin der BBC-Sendung Top Gear erläutert Ferrari-Chef Benedetto Vigna die Hintergründe. Das Gespräch wurde offenbar geführt, bevor die Reaktionen zum Innenraum bekannt waren, dennoch geht es direkt um die Entscheidung für Ive.
Vigna erklärt, man schaue sich um, „wer in Sachen Benutzeroberfläche gute Arbeit geleistet hat“. Er verweist dabei auf seine frühere Zusammenarbeit mit Ive und Apple – nicht als Apple-Mitarbeiter, sondern aus seiner Zeit bei STMicroelectronics. Das Unternehmen lieferte Komponenten für den Apple Pencil und andere Produkte, bevor Vigna 2021 als CEO zu Ferrari wechselte. Gespräche mit LoveFrom liefen zu diesem Zeitpunkt bereits.
Den entscheidenden Anstoß gab laut Vigna Ferraris Verwaltungsratsvorsitzender John Elkann. Er habe das Designstudio schon angesprochen, als es um Vignas Berufung zum Vorstandschef ging. Weil der Luce ein neues Fahrzeugkonzept und neue Technologien verkörpert, sei es sinnvoll, mit externen Spezialist:innen wie LoveFrom zu arbeiten.
Vigna betont zudem Ferraris Strategie „offener Innovation“ mit vielen Partnern. Wer das Klischee „Elektro heißt digital, voller Bildschirme und kompliziert“ aufbrechen wolle, müsse mit Leuten zusammenarbeiten, „die Erfahrung haben“. Das Ziel: ein elektrischer Luxuswagen, der sich trotz neuer Technik einfach bedienen lässt.
Design als neue Priorität – und die Wirkung von Ive
Obwohl Ferrari mit Flavio Manzoni eine etablierte Designspitze hat, war das Thema Gestaltung für Vigna anfangs ungewohnt. Mit seinem technischen Hintergrund sah er Design zunächst eher als reines „Styling“ und unterschätzte dessen Bedeutung.
Erst durch die Kooperation mit LoveFrom habe er den Wert des Industriedesigns verstanden, sagt Vigna. Design sei genauso tief und komplex wie jede andere Disziplin. Unter seiner Führung bekommt es bei Ferrari neuen Stellenwert – auch, um sich im Markt abzuheben und den Anspruch als Luxusmarke zu sichern.
Mit Jony Ive und Marc Newson gewinnt Ferrari nicht nur renommierte Gestalter, sondern auch enorme öffentliche Aufmerksamkeit. Schon die Präsentation des Innenraums allein sorgte für Schlagzeilen – bevor überhaupt das gesamte Auto gezeigt wurde. Dass der Ton der Berichterstattung gemischt ausfällt, ändert nichts daran, dass die Kooperation die Marke stark in den Fokus rückt.
In einer Branche, die sich durch den Umstieg auf Elektroantriebe stark wandelt, ist Sichtbarkeit entscheidend. Alle Hersteller elektrifizieren ihre Flotten, doch nicht alle schaffen es, sich dabei zu unterscheiden. Ferrari stellt mit dem Luce klar, dass das Unternehmen den Wandel aktiv gestaltet.
Gleichzeitig reduziert Vigna die Arbeit von LoveFrom nicht auf PR. Die teils heftigen Reaktionen könnten sich ändern, sobald Interessent:innen den Luce tatsächlich fahren können. Und falls nicht, bleibt immer noch der Einfluss eines sichtbaren Ferrari-Projekts: Andere Hersteller dürften Elemente von Ives Ansatz übernehmen und weiterführen.
Während also Ferraris Interieur nun die Kritik auf sich zieht, die Apple wohl bei einem eigenen Auto erlebt hätte, ist ein Unterschied klar: Ferrari bringt sein Elektroauto auf die Straße, während Apple sein Autoprojekt inzwischen aufgegeben hat.
Via: https://appleinsider.com
Titelbild: Ferrari
