Apple hat das Aus für den Mac Pro offiziell gemacht. Ein Bericht zeigt nun, dass die entscheidende Weiche für das Ende schon 2022 gestellt wurde.
Abgesagter Hochleistungschip schwächt den Mac Pro
Der Mac Pro befand sich seit einiger Zeit auf einem langsamen Weg Richtung Auslaufmodell. Laut einem Bericht von Mark Gurman begann die entscheidende Verschiebung 2022, als Apple Pläne für einen besonders leistungsstarken Chip verwarf. Dieser Chip hätte etwa doppelt so viele Prozessorkerne wie die bisherigen Ultra-Komponenten geboten.
Ohne diese Spitzenvariante verlor der Mac Pro einen großen Teil seiner besonderen Position. Gleichzeitig deckte der Mac Studio bereits einen ähnlichen Leistungsbereich ab, war dabei aber kleiner, günstiger, leiser und praktischer im Einsatz. Trotzdem hatte Apple zugesagt, den Mac Pro in das Zeitalter eigener Prozessoren zu führen.
2023 stellte Apple deshalb einen Mac Pro mit M2-Ultra-Chip vor, flankiert von einem Mac Studio mit sehr ähnlicher Ausstattung. Apple betonte zwar, dass jeder Mac Pro mit einem M2 Ultra ausgeliefert wird, doch dieser Vorteil relativierte sich deutlich, weil der Mac Studio denselben Chip zu einem niedrigeren Preis bot.
Größer, teurer, weniger flexibel
Der Mac Pro war zudem aus mehreren Gründen schwer zu vermitteln. Er war im Volumen ungefähr dreimal so groß wie der Mac Studio und kostete 3.000 US‑Dollar (rund 2.800 Euro) mehr. Der Einstiegspreis lag bei 6.999 US‑Dollar (rund 6.500 Euro.
Auch das Konzept der Erweiterbarkeit wirkte zunehmend aus der Zeit gefallen. Das Gehäuse bot zwar PCIe-Steckplätze für Netzwerkkarten und Audiokarten, erlaubte aber keine Aufrüstung von Arbeitsspeicher oder Grafik. Genau diese Bereiche werden für moderne Arbeitsabläufe immer wichtiger, was den praktischen Nutzen der klassischen Workstation-Architektur einschränkte.
Spätestens im vergangenen Jahr traten diese Grenzen deutlich zutage. Der Mac Studio mit M3 Ultra setzte sich klar ab und bot höhere Leistung, mehr maximalen Arbeitsspeicher und größere Speicherkonfigurationen. Der Mac Pro erhielt dagegen keine Aktualisierung und blieb auf dem alten Stand.
Strategische Verlagerung und schwierige Historie
Parallel dazu bereitete Apple offenbar den Übergang strategisch vor. Das Unternehmen kündigte an, den Mac mini künftig in Houston zu fertigen. Bislang war der Mac Pro der einzige Mac, der in den USA montiert wurde. Durch die Verlagerung auf den Mac mini sichert Apple weiterhin eine Produktion in den Vereinigten Staaten und umgeht Schlagzeilen darüber, dass der letzte in Amerika gefertigte Mac eingestellt wird, was wohl politische Aufmerksamkeit ausgelöst hätte.
Schon vor diesen jüngsten Entwicklungen hatte der Mac Pro eine wechselvolle Geschichte. Das 2013 eingeführte neue Design brachte eine thermisch eingeschränkte Bauform mit sich, die die Weiterentwicklung behinderte. 2017 räumte Apple öffentlich ein, hier Fehler gemacht zu haben.
Das 2019 vorgestellte Modell ging viele dieser Kritikpunkte an und wurde als Neustart mit der Erwartung regelmäßiger Aktualisierungen positioniert. Der Umstieg auf Apple‑Silicon‑Prozessoren ließ sich jedoch letztlich nur schwer mit dem klassischen, stark erweiterbaren Workstation-Konzept vereinbaren. Das Aus des Mac Pro ist die logische Folge dieser Entwicklung.
