Wenn ein geliebter Mensch stirbt, wollen Familien oft auf Erinnerungen auf seinem iPhone zugreifen. Häufig führt das zu Frust, weil Apple das Gerät nicht entsperrt – und zwar aus technischen Gründen.
Mit etwas Vorbereitung lässt sich dieses Problem jedoch vermeiden.
Stellt euch eine typische Situation vor: Die Großmutter ist gestorben, auf ihrem iPhone liegen unzählige Fotos der Enkelkinder. Das Gerät ist mit einem Code gesperrt, also wendet sich die Familie mit der Sterbeurkunde an Apple und bittet um Entsperrung oder den Zugangscode.
Apple lehnt ab, was schnell Empörung auslöst. Die Angehörigen sind keine Dieb:innen, sie wollen nur auf ein Gerät zugreifen, das ihnen gehört.
Um zu verstehen, warum Apple hier nichts tun kann, müsst ihr wissen: Die Inhalte eines iPhone sind verschlüsselt, und Apple besitzt keinen Schlüssel, um sie zu öffnen. Das hängt mit der technischen Umsetzung der Verschlüsselung zusammen – und damit, dass Apple den Schutz der Privatsphäre als grundlegendes Menschenrecht betrachtet.
Viele denken beim iPhone‑Code an einen Haustürschlüssel. Dieser Vergleich passt aber nicht. iPhone‑Sicherheit funktioniert völlig anders als ein Türschloss. Verschlüsselung auf dem iPhone bedeutet: Alle Inhalte – Fotos, Nachrichten, Kontakte – werden so stark mathematisch „vermischt“, dass nur noch unlesbarer Datenmüll übrig bleibt. Erst beim Entsperren werden diese Daten wieder sinnvoll zusammengesetzt.
Wenn ihr einen Code festlegt, wird dieser Teil des kryptografischen Schlüssels, der alle Daten schützt. Ohne diesen Code lassen sich die Daten nicht wiederherstellen.
Wichtig dabei: Apple speichert weder euren Code noch den vollständigen Verschlüsselungsschlüssel. Er liegt nicht auf den Servern von Apple und ist auch nicht über iCloud wiederherstellbar. Ohne Code bleiben die Daten dauerhaft unlesbar.
Theoretisch könnte Apple das Betriebssystem so programmieren, dass sich die Verschlüsselung umgehen lässt. Das lehnt der Konzern aber ab und verteidigt diese Haltung seit Jahren. Ein prominentes Beispiel war der Streit mit der US-Bundespolizei FBI in den Jahren 2015 und 2016. Apple weigerte sich damals, Software zu entwickeln, um das iPhone eines Terroristen zu entsperren. Das FBI musste sich letztlich externe Hilfe suchen.
Apple argumentiert, dass jede Hintertür – auch für scheinbar legitime Fälle wie vererbte Geräte – die Sicherheit aller iPhone‑Benutzer:innen schwächen würde. Wenn es einen Weg gäbe, ein iPhone ohne Code zu öffnen, würden Angreifer:innen ihn irgendwann finden. Und Regierungen könnten Apple zwingen, auf Daten vieler Nutzer:innen zuzugreifen.
Ganz aussichtslos ist die Lage für Angehörige dennoch nicht. Viele Daten in iCloud – etwa E-Mails, Kontakte, Kalender und Fotos – sind zwar verschlüsselt, Apple verwaltet hier aber die Schlüssel. Mit einem Nachweis des Todes kann das Unternehmen Hinterbliebenen Zugang zu diesen Online-Daten ermöglichen.
Eine wichtige Ausnahme gibt es jedoch: Wenn die verstorbene Person die optionale „Erweiterte Datensicherheit für iCloud“ aktiviert hatte, werden unter anderem Fotos und Notizen mit einem Schlüssel geschützt, auf den Apple keinen Zugriff hat. In diesem Fall sind die betreffenden Inhalte dauerhaft verloren.
Wer verhindern möchte, dass wichtige Erinnerungen später unerreichbar sind, sollte rechtzeitig vorsorgen. Sprecht mit älteren Angehörigen und bittet sie um ihren iPhone‑Code oder darum, ihn einer vertrauenswürdigen Person anzuvertrauen. Wenn es vor allem um Familienfotos geht, könnt ihr euch diese schon zu Lebzeiten sicher kopieren lassen, etwa per AirDrop oder auf eine externe Festplatte übertragen.
Der wichtigste Punkt: Betrachtet euren iPhone‑Code nicht wie einen einfachen Türschlüssel. Ein Türschloss hält oft nur Gelegenheitstäter:innen ab. Ein iPhone ohne Code zu knacken ist dagegen selbst für Apple oder Behörden extrem aufwendig. So musste das FBI im Jahr 2016 rund 900.000 US‑Dollar (ca. 840.000 Euro) ausgeben, um ein einziges iPhone eines Terroristen zu knacken – und Apple hat die Sicherheit seiner Geräte seither weiter verstärkt.
Via: https://www.cultofmac.com
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