Der Batteriehersteller Varta hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt und steht vor einer möglichen Zerschlagung. Tausende Arbeitsplätze und mehrere Werke in Süddeutschland sind bedroht.
Insolvenz in Eigenverwaltung und Pläne der Gläubiger:innen
Varta mit Sitz in Ellwangen im Ostalbkreis hat beim zuständigen Gericht Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen gilt als traditionsreicher Hersteller von Batterien und Akkumulatoren, steckt aber seit Längerem in einer schweren Krise. Nach mehreren Restrukturierungsversuchen gehen Gläubiger:innen inzwischen von einem tiefgreifenden Umbau aus, der auf eine Aufspaltung des Konzerns hinauslaufen könnte.
Nach Medienberichten plant die Gläubigergruppe, den profitablen Bereich für Haushaltsbatterien auszugliedern. Für die übrigen Aktivitäten, etwa Spezialbatterien und andere Geschäftsbereiche, soll eine neue Eigentümerstruktur gefunden werden. Ziel ist es, die wirtschaftlich stabilen Teile des Unternehmens zu sichern und für den defizitären Rest Investor:innen zu gewinnen. Wie die konkrete Aufteilung aussehen soll, ist derzeit noch offen.
Nach Angaben der Gläubiger:innen klafft bei Varta eine Finanzierungslücke im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Diese Summe fehlt, um den Betrieb dauerhaft fortzuführen. Trotz intensiver Gespräche mit verschiedenen Beteiligten habe sich keine tragfähige Alternativlösung ergeben, hieß es. Die geplante Zerschlagung sei daher eine „reiflich überlegte und angemessene Reaktion“ auf die weiter verschlechterte Finanzlage.
Standorte, Jobs und politische Reaktionen
Varta beschäftigt weltweit rund 4.000 Mitarbeitende, davon etwa 3.000 in Deutschland. Viele arbeiten direkt in der Fertigung und wären von möglichen Werksschließungen unmittelbar betroffen. Hierzu zählen insbesondere die Standorte Ellwangen und Dischingen in Baden-Württemberg sowie Nördlingen im bayerischen Grenzgebiet. In Deutschland betreibt der Konzern insgesamt sechs Produktionsstätten.
Bereits im Mai hatte Varta die Schließung der Produktionslinie für Knopfzellen in Nördlingen angekündigt. Dort sollen 350 Stellen wegfallen, für die Beschäftigten ist der Jobverlust absehbar. An anderen Standorten ist die Zukunft unklar, doch die angekündigte Zerschlagung sorgt überall für Verunsicherung. Für Baden-Württemberg wäre ein massiver Stellenabbau ein spürbarer Schlag für den Industriestandort.
Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) bezeichnete die Lage als schlechte Nachricht für Beschäftigte und Land. Sie habe in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit allen Beteiligten geführt und wolle diese fortsetzen. Ihr Ziel sei es, möglichst viel industrielle Wertschöpfung, technologisches Know-how und Arbeitsplätze in Baden-Württemberg zu erhalten.
Hintergründe der Krise und Rolle des Apple-Geschäfts
Die aktuelle Zuspitzung ist das Ergebnis einer länger dauernden Krise, die sich seit 2022 verschärft hat. Varta hatte seine Produktion stark ausgebaut, um als Zulieferer für akkubetriebene Geräte den US-Technologiekonzern Apple zu beliefern. Das Unternehmen investierte umfangreich in neue Kapazitäten und plante mit hohen Stückzahlen.
Kurz nach dem Ausbau senkte Apple jedoch seine Bestellungen deutlich. Damit blieb Varta auf hohen Investitionen sitzen, während die erwarteten Umsätze ausblieben. Im Oktober dieses Jahres will Apple demnach überhaupt keine Batterien mehr bei Varta ordern. Die Absatzeinbrüche in diesem wichtigen Kundensegment verstärkten die wirtschaftliche Schieflage erheblich.
Als vergleichsweise stabil gilt der Bereich Haushaltsbatterien, in dem Varta klassische Batterien für Fernbedienungen, Spielzeug oder Haushaltsgeräte fertigt. Diese Produkte werden über Supermärkte, Drogerien und Elektronikmärkte verkauft. Das Geschäft gilt als berechenbar und profitabel und soll deshalb aus dem Konzern herausgelöst und separat gesichert werden. Ob und in welchem Umfang dadurch Arbeitsplätze erhalten werden können, ist derzeit offen.
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