In der EU müssen neue Laptops ab sofort über USB-C geladen werden können. Ganz ohne Kabelchaos geht es aber weiter nicht, denn nicht jedes USB-C-Kabel beherrscht alle Funktionen.
Die EU will den Kabelsalat beim Laden elektronischer Geräte verringern. Schon seit Ende 2024 müssen neu gekaufte Smartphones, Tablets, Kameras, tragbare Lautsprecher und Kopfhörer per USB-C-Anschluss ladbar sein, nun kommen Laptops dazu. Zwar hatten die meisten Geräte bereits einen USB-C-Anschluss für externe Festplatten oder Monitore, doch die Netzteile nutzten oft eigene Stecker. Damit ist jetzt Schluss: Auch Notebooks müssen sich per USB-C laden lassen.
Der einheitliche Anschluss löst aber nicht alle Probleme. USB-C-Stecker wirken von außen gleich, im Inneren unterscheiden sie sich deutlich. In jedem Stecker können sich 24 Kontakte befinden, ein Kabel kann also bis zu 24 Adern für unterschiedliche Funktionen haben, muss aber nicht. Genau hier beginnt die Komplexität im Alltag.
Florian Hockel vom TÜV Süd erklärt, dass Hersteller bei reinen Ladekabeln weniger Adern einsetzen können. Müssen sie nur wenig Strom übertragen, reichen zudem dünnere Leitungen im Inneren. Von außen sei dann kaum zu erkennen, ob ein Kabel nur lädt, nur Daten überträgt oder beides beherrscht. Wer ein neues Kabel kauft, sollte daher genau prüfen, ob es den gewünschten Einsatzzweck unterstützt.
Die Dicke der Adern beeinflusst die Leistung direkt: Dickere Leitungen lassen mehr Strom in kürzerer Zeit fließen, dünnere verlangsamen Laden und Datenübertragung. Einfach aufgebaute Ladekabel sind in der Herstellung günstiger. Laut Hockel kann das für Hersteller und informierte Kund:innen vorteilhaft sein, wenn klar ist, dass das Kabel wirklich nur zum Laden dienen soll.
Praktisch sind dünnere und flexiblere Kabel vor allem auf Reisen, auch wenn sie nur eingeschränkt funktionieren. Wer zu Hause mehrere, eventuell ältere USB-C-Kabel nutzt, kann leicht den Überblick verlieren. Christof Windeck vom Computermagazin c’t empfiehlt deshalb, funktionierende „Allzweckkabel“ zu markieren. Ein kleines Etikett helfe, das Kabel wiederzufinden, mit dem wirklich alles problemlos geklappt hat, sonst bleibe das „Kabelgewürstel“ bestehen.
Ein passendes Kabel ist nur die halbe Miete, entscheidend ist auch das Netzteil. Viele Nutzer:innen besitzen noch ältere Ladegeräte, die früher zusammen mit Handys verkauft wurden und lediglich fünf Volt Spannung liefern. Laut Windeck starten manche Notebooks mit solchen einfachen, kleinen USB-C-Netzteilen den Ladevorgang gar nicht erst, da die Leistung nicht ausreicht.
Für Laptops sollte ein Netzteil mindestens 65 Watt liefern, besonders leistungsstarke Gaming-Notebooks benötigen bis zu 100 Watt. Diese stärkeren Modelle sind in der Regel etwas größer als frühere Smartphone-Netzteile. Wichtig ist zudem, dass sie über einen USB-C-Anschluss verfügen, der verbreitete rechteckige USB-A-Anschluss ist hierfür nicht mehr ausreichend.
Umgekehrt lassen sich kleinere Smartphone-Akkus auch mit leistungsstarken Netzteilen laden. Gerät und Netzteil handeln die optimale Spannung sowie eine mögliche Begrenzung des Stroms automatisch aus. Zu Beginn fließt bei leerem Akku meist mehr Strom, ab etwa 80 Prozent sinkt er wieder. Fachleute gehen davon aus, dass der USB-C-Standard länger bestehen bleibt. Hockel betont jedoch, dass sich die Fähigkeiten über die Adern und Kontakte weiterentwickeln. Ein neues USB-C-Kabel könnte daher immer wieder nötig werden, obwohl der Stecker äußerlich gleich bleibt.
Via: https://www.tagesschau.de
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