News

Trump Mobile: Angeblich 600.000 Vorbestellungen – keine Belege

Im Netz kursiert derzeit die Behauptung, Trump Mobile habe rund 600.000 Vorbestellungen für das Trump‑Telefon eingesammelt. Eine überprüfbare Grundlage für diese Zahl gibt es jedoch nicht.

Stattdessen zeigt der Fall, wie anonyme Posts, Medienberichte und KI-Chatbots gemeinsam eine ungesicherte Zahl schnell wie eine Tatsache aussehen lassen.

Viralzahlen ohne überprüfbare Quelle

Rund um das Trump‑Telefon stellt sich weiterhin die Frage, wo das Gerät bleibt. Anfragen nach dem Verbleib laufen wie gewohnt ins Leere, während gleichzeitig angeblich beeindruckende Vorbestellzahlen die Runde machen, die offenbar zu gut klingen, um wahr zu sein.

In dieser Woche tauchte bei der Suche nach Neuigkeiten zum Trump‑Telefon wiederholt die Behauptung auf, Trump Mobile habe fast 600.000 Vorbestellungen eingesammelt. Mit einer Anzahlung von 100 US‑Dollar pro Gerät würde das bereits jetzt einem Umsatz von 60 Millionen US‑Dollar entsprechen.

Die Zahl erscheint zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: kurz vor einem offenen Brief der US‑Senatorin Elizabeth Warren und weiterer Demokrat:innen an die US‑Handelsaufsicht FTC. Darin fordern sie eine Untersuchung wegen mutmaßlicher „irreführender Werbung und täuschender Praktiken“ von Trump Mobile.

Kritiker:innen bezweifeln allerdings, dass überhaupt viele Menschen Geld für das Telefon hinterlegt haben. Ein Kommentar zu einem früheren Artikel brachte es so auf den Punkt: Man könne sich kaum vorstellen, dass viele „so dumm waren, darauf hereinzufallen“. Die neuen Zahlen würden demnach bedeuten, dass über eine halbe Million Personen vorbestellt haben.

Es gibt jedoch ein grundlegendes Problem: Es lässt sich kein belastbarer Hinweis finden, dass diese Zahl stimmt. Stattdessen führt die Spur zu einem einzelnen viralen, anonymen X‑Post und zeigt im Kleinen, wie heutige Medienumgebungen und KI‑Chatbots Falschinformationen einen seriösen Anstrich verleihen können.

Von Meme-Account bis Nachrichtenportal

Erstmals tauchte die Zahl im Threads‑Kanal des Pressebüros des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom auf, das einen Screenshot eines Grok‑Posts teilte. Dieser fasste die angeblichen Zahlen zusammen und wirkte dadurch vertrauenswürdig.

Grok berief sich auf „Berichte von Quellen wie Fortune, NPR und The Guardian“. In den jüngsten Veröffentlichungen dieser Medien findet sich jedoch kein Hinweis auf die 600.000 Vorbestellungen. Also stellte sich die Frage, woher Grok die Angabe ursprünglich bezogen hat.

Eine Suche über Google zeigte zahlreiche Social‑Media‑Posts großer und kleiner Accounts, aber auch einige Beiträge vermeintlich seriöser Publikationen. So berichteten die indischen Zeitungen Economic Times und Hindustan Times von 590.000 Vorbestellungen und verwiesen dabei auf einen nicht näher bezeichneten Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press.

Die einzige aktuelle AP‑Meldung zu Trump Mobile thematisiert jedoch lediglich die wiederholten Verzögerungen und enthält keinerlei konkrete Vorbestellzahlen. Auf Nachfrage bestätigte Lauren Easton, Vizepräsidentin für Unternehmenskommunikation bei AP, dass in den ursprünglichen Berichten der Agentur niemals eine solche Zahl vorkam.

Daraufhin wurden die Autor:innen der beiden indischen Artikel kontaktiert. Ein Autor der Hindustan Times, Shamik Banerjee, antwortete und bezeichnete den AP‑Verweis als „Tippfehler“. Die genannte Zahl stamme in Wirklichkeit aus der Times of India.

Der Beitrag der Times of India, gezeichnet von der Lifestyle‑Redaktion, ist offener hinsichtlich seiner Quelle: ein viraler Post eines Meme‑Accounts.

Der X‑Account Bricktop_NAFO, offenbar aus Großbritannien und mit etwas über 99.000 Followern, veröffentlicht überwiegend pro‑ukrainische Inhalte, dazu Memes und Scherzposts. Regelmäßig sind auch Beiträge gegen Donald Trump dabei. Am 11. Januar behauptete der Account, „590.000 Idioten“ hätten Trumps Mobiltelefon gekauft, das in den Verkauf gegangen sei.

Soweit nachvollziehbar, ist dies die früheste Online‑Erwähnung der 590.000er‑Zahl. Die Variante mit 600.000 tauchte zwar schon im Dezember in einem Facebook‑Beitrag auf, dieser blieb jedoch praktisch ohne Reaktionen. Der Post von Bricktop_NAFO erreichte laut X dagegen 2,8 Millionen Aufrufe und wurde rund 8.000‑mal geteilt. Er ist damit der Ursprung dieser konkreten Falschinformation.

Anfragen an Bricktop_NAFO, ob es eine Quelle für die Behauptung gebe, blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Ebenso fehlt ein belastbarer Nachweis für das angeblich identische Smartphone eines Online‑Händlers, das der Account nennt. Versuche, ein exaktes Gegenstück zum T1‑Telefon zu finden, blieben bisher erfolglos.

Wie die falsche Zahl in Medien und KIs landet

Die Wellen dieses einzelnen Tweets reichen weit. Neben zahlreichen Social‑Media‑Posts griffen auch verschiedene Medien die frei erfundene Zahl auf, darunter Beiträge, die inzwischen über Plattformen wie MSN.com oder den Tech‑Blog Phone Arena verbreitet werden.

Diese Berichterstattung erleichterte es wiederum KI‑Systemen, die Angabe zu übernehmen. Sowohl Gemini als auch ChatGPT bestätigten auf Nachfrage bereitwillig, dass 600.000 T1‑Telefone bestellt worden seien. Dabei schrieb Gemini die Zahl fälschlich der Associated Press zu, während ChatGPT Phone Arena als Quelle nannte.

Wie viele Vorbestellungen für das Trump‑Telefon es tatsächlich gibt, ist weiterhin unbekannt. Außerhalb des Unternehmens kennt niemand die echte Zahl, und Trump Mobile schweigt. Auf die Anfrage nach konkreten Vorbestellzahlen reagierte die Pressestelle bislang nicht.

Via: https://www.theverge.com

Bild Gemini KI

Den Beitrag in unserem Forum kommentieren

Andreas Vogel

Autor Apfeltalk

Neueste Artikel

iPhone Duo: Einhandbedienung in iOS 27.3 aktivieren

Die Beta von iOS 27.3 bringt die Bedienungshilfe „Einhandmodus“ auf das iPhone Duo. Damit rückt der Bildschirmbereich auf der gegenüberliegenden…

4. November 2026

Russland verlangt von Apple und Microsoft Kommunikationsdaten

Apple und Microsoft müssen in Russland Kommunikationsdaten ihrer Nutzer:innen drei Jahre lang speichern. Russische Behörden können die Herausgabe von Nachrichten,…

4. November 2026

iPad mini im Test: OLED-Display überzeugt, doch 120 Hertz fehlen

Das neue iPad mini bringt ein OLED-Display, ein dünneres Gehäuse und den A20 Pro. Erste Testberichte loben die Verbesserungen, sehen…

4. November 2026

Wasser über dem Mac verschüttet? Das solltet Ihr jetzt tun

Ein Flüssigkeitsschaden kann auch dann noch entstehen, wenn die Oberfläche längst trocken ist. Schaltet Euren Mac deshalb sofort aus und…

4. November 2026

iOS 27.3 bringt neue Siri-Funktionen und eine überarbeitete Health-App

Apple hat mit dem Test von iOS 27.3 begonnen. Das Update ergänzt neue Funktionen für Safari, Siri und die Health-App…

4. November 2026

Fitness-KI erstellt Trainingspläne – was sie leisten kann und wo ihre Grenzen liegen

Apple Fitness+ soll mit Gym Strength individuelle Kraftpläne fürs Fitnessstudio anbieten. Zugleich zeigen Gesundheitsberichte, dass gezielte Gewichtsabnahme das Risiko für…

4. November 2026

Diese Website benutzt Cookies um Ihr Nutzererlebnis zu verbessern. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.

Mehr lesen