Apples neues MacBook Pro mit PROLED-XDR-Display kostet deutlich mehr als vergleichbare Modelle. Doch ob der Touchscreen den Aufpreis rechtfertigt und wer ihn wirklich braucht, bleibt offen.
Teurer als das vergleichbare MacBook Pro
Das 14-Zoll-Modell mit PROLED-XDR-Display startet bei 3.299 Euro. Für die 16-Zoll-Version verlangt Apple mindestens 3.899 Euro. Damit liegen die Geräte Hunderte Euro über vergleichbaren MacBook-Pro-Modellen.
Die Ausstattung unterscheidet sich dabei kaum: Beide Varianten nutzen dieselben M5-Pro- und M5-Max-Chips sowie denselben SSD-Speicher und Arbeitsspeicher. Das neue Modell ist zwar leichter und bietet Anpassungen bei Lautsprechern und Belüftung. Der zentrale Unterschied steckt aber im Display und in der Touchbedienung.
Apples Präsentation für Influencer:innen und YouTuber:innen rückte den Touchscreen stark in den Mittelpunkt. Auch die Werbung zeigt Menschen, die auf dem Bildschirm tippen, während sie Videos bearbeiten, Musik produzieren oder mit KI-Anwendungen arbeiten. Die OLED-Technik soll mit einer Helligkeit von 2.000 Nits und hoher Farbtreue vor allem Kreative ansprechen. M5-Pro- und M5-Max-Chips sowie viel Arbeitsspeicher passen ebenfalls zu anspruchsvollen Video- und Audioprojekten.
Doch daraus folgt nicht automatisch, dass professionelle Anwender:innen ihre Tastaturkürzel und das Trackpad gegen Fingertipps auf dem Display eintauschen wollen. Gerade bei der Arbeit mit Schnittzeitleisten ist der Nutzen der Touchbedienung nicht selbstverständlich.
Jüngere Nutzer:innen kaufen eher günstigere Modelle
Ein mögliches Argument für den Touchscreen lautet, dass jüngere Menschen mit iPad und iPhone aufgewachsen sind und Computer längst per Berührung bedienen. Sie könnten deshalb auch ein MacBook mit Touchscreen erwarten. Doch das PROLED-Modell dürfte für viele von ihnen zu teuer sein.
Wer Videos mit CapCut auf dem iPhone bearbeitet, greift vermutlich eher zu einem MacBook Neo oder MacBook Air. Allenfalls ein 14-Zoll-MacBook-Pro-Modell könnte infrage kommen. Touchtechnik wäre nicht an ein besonders teures Modell gebunden: Apple hätte sie auch in andere MacBooks integrieren können. Stattdessen erscheint sie zunächst in einer neuen Gerätekategorie, deren Preis bei über 3.000 Euro liegt.
Touch bleibt optional
Immerhin lässt sich die Touchbedienung ignorieren oder abschalten. macOS sieht weiterhin aus und funktioniert wie gewohnt. Wer den Bildschirm berührt, erhält eine Reaktion; wer es nicht tut, kann den Mac wie bisher nutzen. Die Bedienung per Touch wirkt allerdings nicht überall durchdacht: Selbst das Schließen eines Fensters kann mehrere Tippaktionen erfordern. Auch Menüs öffnen sich teilweise erst nach längerem Drücken.
Die Touchfunktionen lassen sich bereits mit externen Displays und iPads über Sidecar ausprobieren. Wer den Bildschirm nach kurzer Neugier nicht mehr berührt, muss also nichts an der gewohnten Arbeitsweise ändern.
Abseits davon bleibt ein leistungsstarkes, leises MacBook Pro mit OLED-Display. Ein Umstieg von einem MacBook Pro mit Mini-LED-Display dürfte für viele jedoch nicht zwingend sein. Eine klare Abgrenzung durch neue M6-Pro- und M6-Max-Chips hätte das Modell möglicherweise attraktiver gemacht. So bleibt ein vertrautes Gerät mit hohem Preis und einer Funktion, die viele laut den vorliegenden Einschätzungen nach kurzer Zeit kaum noch verwenden. Für eine breite Empfehlung reicht das derzeit offenbar nicht.
