Die Sturzerkennung gehört zu den wichtigsten Funktionen vieler Smartwatches, etwa der Apple Watch oder Modellen von Garmin, Samsung und Googles Fitbit. Eine neue Klage in den USA könnte diese Technik nun grundlegend infrage stellen.
Im Mittelpunkt steht die Sturzerkennungstechnologie, bei der das Wearable-Unternehmen UnaliWear eine Verletzung seiner Patente sieht. UnaliWear entwickelt tragbare Geräte für ältere Menschen, deren Produkte ein System namens RealFall nutzen, das laut Hersteller echte Stürze von alltäglichen Bewegungen unterscheiden kann.
Genau diese Unterscheidung zwischen realen Stürzen und Fehlalarmen ist der Kern des Konflikts. UnaliWear behauptet, dass die Smartwatches von Apple, Google, Garmin und Samsung seine Patente verletzt haben, um dieses spezifische Problem zu lösen.
Der Fall wird derzeit von der US-Handelsbehörde International Trade Commission (ITC) untersucht. Von den betroffenen Unternehmen werden bis ungefähr Ende Januar Stellungnahmen erwartet. Das Verfahren dürfte sich über mehr als ein Jahr hinziehen, könnte am Ende aber große Auswirkungen auf den Smartwatch-Markt haben.
Sollte UnaliWear sich durchsetzen, könnte das Unternehmen eine begrenzte Ausschlussanordnung beantragen. Eine solche Anordnung würde den Import der betroffenen Smartwatches in die USA untersagen. Hersteller wie Apple und Garmin könnten dann einige ihrer beliebtesten Modelle nicht mehr an Kund:innen in den USA liefern.
Zusätzlich zu dem ITC-Verfahren hat UnaliWear Klagen bei mehreren US-Bundesbezirksgerichten eingereicht. Gelingt es dem Unternehmen, auch dort zu gewinnen, drohen den beteiligten Konzernen hohe finanzielle Strafen.
Trotz der deutlichen Drohkulisse ist es eher unwahrscheinlich, dass Smartwatches wie die Apple Watch oder die Samsung Galaxy Watch tatsächlich komplett von der Einfuhr in die USA ausgeschlossen werden.
Wahrscheinlicher ist, dass die großen Hersteller ihre Sturzerkennung künftig von UnaliWear lizenzieren müssen. Eine weitere Option wäre eine technische Umgehung oder eine alternative Lösung, die nicht in die Schutzrechte von UnaliWear eingreift – ähnlich wie im Fall des Blutsauerstoffsensors, bei dem Apple nach einer Patentverletzung gegenüber dem Medizintechnikunternehmen Masimo seine Technik anpassen musste.
Der Masimo-Fall zeigt, dass Apple schon zuvor von einem kleineren Unternehmen wegen Apple-Watch-Technologie verklagt wurde. Damals wurden bestimmte Apple-Watch-Modelle vom Import in die USA ausgeschlossen, weshalb Apple die Funktion für Kund:innen in den USA deaktivieren musste – ein spürbares Problem für den Konzern aus Cupertino.
Apple, Samsung, Google und Garmin dürften daran interessiert sein, ein ähnlich drastisches Szenario diesmal zu vermeiden. Wenn Ihr Euch für eine dieser Smartwatches interessiert und wissen wollt, ob Ihr sie künftig noch kaufen könnt, lohnt es sich, den weiteren Verlauf dieses Verfahrens genau zu verfolgen.
Via: https://www.techradar.com
Titelbild: Apple
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