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Stripe plant Milliardenübernahme: Was hinter der möglichen PayPal-Fusion steckt

Stripe und der Finanzinvestor Advent International haben ein milliardenschweres Übernahmeangebot für PayPal vorgelegt. Der Deal könnte den angeschlagenen Bezahldienst grundlegend verändern und den Zahlungsmarkt neu ordnen.

Das Übernahmeangebot: 60,50 Dollar je Aktie für PayPal

Stripe und Advent International bieten 60,50 US-Dollar (rund 55,50 Euro) je PayPal-Aktie und bewerten den Zahlungsdienst damit mit mehr als 53 Milliarden US-Dollar (rund 48,6 Milliarden Euro). Das entspricht einem Aufschlag von rund 28 Prozent auf den jüngsten Schlusskurs. Das Angebot soll Anfang des Monats bei PayPal eingegangen sein und laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen durch Banken mit etwa 50 Milliarden US-Dollar (rund 45,9 Milliarden Euro) finanziert sein.

Ungewöhnlich ist die Struktur des Deals: Stripe und Advent wollen PayPal nicht zerschlagen, sondern vollständig übernehmen und anschließend hälftig unter sich aufteilen. Eine erste Kontaktaufnahme soll es bereits im April gegeben haben, eine Antwort von PayPal steht demnach bislang aus. Stripe und Advent streben Gespräche in den kommenden Wochen an.

An der Börse sorgten die Übernahmegerüchte für Bewegung. Die PayPal-Aktie legte im vorbörslichen Handel an der Nasdaq um mehr als 15 Prozent zu. Dennoch sehen einige Marktbeobachter:innen das Gebot kritisch. Der bekannte Shortseller Michael Burry bezeichnete die 60,50 US-Dollar (rund 55,50 Euro) als zu niedrig und hält einen Preis zwischen 75 und 115 US-Dollar (rund 68,90 bis 105,60 Euro) je Aktie für angemessen. Auch Analyst:innen wie Andrew Jeffrey von William Blair gehen davon aus, dass das aktuelle Angebot eher ein Einstieg in mögliche Verhandlungen ist und Stripe und Advent im Zweifel nachlegen könnten.

PayPal unter Druck: Wachstumsprobleme trotz starker Marktstellung

PayPal gilt seit den späten 1990er-Jahren als Pionier im digitalen Bezahlen und ist insbesondere in Deutschland beim Onlineshopping sehr verbreitet. Laut dem Forschungsinstitut EHI kommt der Dienst hierzulande auf einen Umsatzanteil von rund 30 Prozent. Hinter dieser starken Marktstellung verbirgt sich jedoch eine Krise. Vom Rekordhoch von 310 US-Dollar (rund 285,10 Euro) vor rund fünf Jahren hat die Aktie bis zum jüngsten Schlusskurs vor dem Angebot etwa 83 Prozent an Wert verloren. In den vergangenen zwölf Monaten betrug das Minus etwa 35 bis über 40 Prozent, die Marktkapitalisierung sank auf rund 36 Milliarden US-Dollar (rund 33,1 Milliarden Euro).

Gründe sind wachsender Konkurrenzdruck und Margenprobleme. Am meisten verdient PayPal, wenn Kund:innen aktiv das eigene Logo beim Bezahlen wählen und das Unternehmen von jeder Transaktion einen kleinen Anteil einbehält. Wachstum kommt derzeit aber vor allem über die Tochter Braintree, die Zahlungen im Hintergrund für andere Unternehmen abwickelt. Diese „White-Label“-Abwicklung bringt geringere Margen, sodass der Gewinn pro Zahlung sinkt, obwohl der Umsatz steigt.

Auch der Peer-to-Peer-Dienst Venmo in den USA lieferte lange kaum Erträge. Erst jetzt versucht PayPal, daraus mit Bezahlkarte, Ratenkauf und Händleranbindung ein tragfähiges Geschäft aufzubauen. Gleichzeitig hat der Konzern bei Trends wie „Buy Now, Pay Later“ und Kryptozahlungen Wettbewerber:innen den Vortritt gelassen. Apple Pay und Google Pay sind heute auf Smartphones vorinstalliert, während PayPal seine kontaktlose Bezahllösung per App in Deutschland und Großbritannien erst 2025 eingeführt und kürzlich per Update nachgeschärft hat.

Seit März steht PayPal unter neuer Führung. Enrique Lores baut das operative Geschäft seit April in drei Einheiten um: Checkout, Verbraucherfinanzdienstleistungen inklusive Venmo sowie Zahlungen und Krypto, inklusive der eigenen Digitalwährung PYUSD und der Braintree-Abwicklung. Zudem soll der Einsatz von KI in den kommenden zwei bis drei Jahren rund 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,38 Milliarden Euro) einsparen, die in Wachstum investiert werden sollen. Erste Zahlen zeigen wieder etwas Dynamik: Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 7 Prozent auf 8,35 Milliarden US-Dollar (rund 7,66 Milliarden Euro), das gesamte Zahlungsvolumen legte um 8 Prozent auf etwa 464 Milliarden US-Dollar (rund 425,9 Milliarden Euro) zu.

Stripe und PayPal: Strategische Ergänzung und Krypto-Fokus

Stripe ist im Gegensatz zu PayPal vor allem im Hintergrund aktiv und richtet sein Geschäft fast vollständig auf Händler:innen und Unternehmen aus. Das 2010 von den Brüdern John und Patrick Collison gegründete Unternehmen wurde in einer Transaktion im Februar mit 159 Milliarden US-Dollar (rund 145,9 Milliarden Euro) bewertet. Stripe wickelt Zahlungen etwa für Konzerne wie Amazon, Google oder Airbnb ab und kam im vergangenen Geschäftsjahr auf ein Transaktionsvolumen von 1,9 Billionen US-Dollar (rund 1,74 Billionen Euro), ein Plus von 34 Prozent. PayPal erreichte im gleichen Zeitraum 1,8 Billionen US-Dollar (rund 1,65 Billionen Euro) und wuchs um 7 Prozent.

Während Stripe kaum direkten Kontakt mit Konsument:innen hat, bringt PayPal mehr als 430 Millionen Kundenkonten und etablierte Bezahlbeziehungen mit. Analyst:innen sehen daher vor allem den Verbraucherteil von PayPal als zentralen Baustein für Stripe. Eine Übernahme könnte die Entwicklung einer eigenen digitalen Geldbörse beschleunigen und Stripe Zugang zu direkten Kundenbeziehungen sowie Vertriebskanälen für Finanzdienstleistungen verschaffen. Zusätzlich würden das vertraute PayPal-Checkout-Logo und das Venmo-Netzwerk in die Stripe-Welt wandern.

Strategisch spannend ist auch der Kryptobereich. Stripe hat seine Aktivitäten hier zuletzt durch Übernahmen ausgebaut, darunter der Stablecoin-Infrastrukturanbieter Bridge und der Wallet-Anbieter Privy. Mit der Krypto-Sparte von PayPal, inklusive PYUSD, würde Stripe eine breite Nutzerbasis erhalten, um digitale Währungen und Stablecoin-Zahlungen breiter in den Alltag zu bringen. Stripe arbeitet zudem mit Partnern wie Paradigm an der Blockchain Tempo, die KI-Agenten und Bots autonome Zahlungen im Netz ermöglichen soll; an dem Projekt sind unter anderem Visa, Deutsche Bank und Revolut beteiligt.

Eine erfolgreiche Übernahme würde einen neuen Zahlungsriesen schaffen, der beide Seiten einer Transaktion kontrolliert. Stripe könnte mehr Transaktionen über die eigene Infrastruktur routen und sich ein Stück weit unabhängiger von Netzwerken wie Visa und Mastercard machen, deren Gebühren bei jeder Kartenbuchung anfallen. Zugleich würde der Deal eine laufende Konsolidierungswelle im globalen Zahlungsverkehr fortsetzen, zu der bereits der Kauf von Worldpay durch Global Payments und GTCR sowie die Übernahme von Payoneer Global durch Nuvei gehören.

Via: www.techspot.com · t3n.de

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Michael Reimann

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