Apple Vision Pro war bisher vor allem für Filme und Apps spannend, jetzt rückt Gaming in den Fokus. Eine frühe Beta von Steam-Link zeigt, wie gut PC-Spiele auf dem räumlichen Computer laufen können.
Valve hat am Dienstag eine frühe Betaversion der Steam-Link-App für Apple Vision Pro veröffentlicht. Ihr könnt sie aktuell nur über die TestFlight-App von Vision Pro installieren. Schon jetzt zeigt sich, dass es sich um eine sehr frühe Fassung handelt. Nach dem Verbinden mit dem PC landet Ihr im Big-Picture-Modus von Steam, der sich grundsätzlich gut mit einem Controller bedienen lässt.
Allerdings fällt im Menü eine deutliche Verzögerung bei der Navigation auf. Die Oberfläche flackert regelmäßig, während Ihr zwischen den installierten Spielen wechselt. Trotz dieser Auffälligkeiten funktioniert das eigentliche Streaming der Spiele erstaunlich gut. Voraussetzung ist neben dem rund 3.700 Euro teuren Headset ein ausreichend leistungsstarker Gaming-PC.
Im Test lief das Setup über mehrere Stunden im heimischen Wohnzimmer, bequem vom Sofa aus. Das Vision-Pro-Headset bleibt allerdings schwer und wird mit der Zeit spürbar unbequemer, je länger Ihr den Kopf gerade haltet. Für eher passiven Konsum wie Filme, halb-interaktive Formate oder vereinzelte Live-Sportübertragungen ist es nominell besser geeignet als für lange Spielsitzungen.
Beim Spiegeln klassischer, nicht VR-optimierter PC-Spiele kann Vision Pro dagegen überzeugen. Die neue Version mit M5-Chip hebt die Bildwiederholrate auf bis zu 120 Hertz an. Dadurch könnt Ihr Bildrate und Auflösung Eurer Spiele am PC hochdrehen, die Inhalte erscheinen über die Micro-OLED-Linsen des Headsets scharf und klar.
Natürlich bleibt es Streaming, wodurch immer eine minimale Latenz vorhanden ist. Ihr braucht ein schnelles WLAN im Heimnetz, damit es nicht zu Paketverlusten oder unscharfen Bildern kommt. Im Test war es möglich, vom anderen Ende der Wohnung aus zu spielen, während der PC im Arbeitszimmer stand. Das sorgte zwar für Verbindungsprobleme und spürbare Eingabeverzögerung, die Spiele blieben aber insgesamt gut spielbar.
Unerwartet wird Steam-Link damit zugleich zum derzeit einfachsten Weg, einen Windows-PC auf Vision Pro zu spiegeln. Die App unterstützt sogar Augensteuerung und Finger-Gesten zum Klicken mit dem Mauszeiger. Es ist möglich, zwischen mehreren verbundenen Bildschirmen zu wechseln und Webseiten oder andere Anwendungen mit überraschend großer Klarheit auf den beiden 3.660-x-3.200-Pixel-Displays von Vision Pro zu betrachten.
Im Alltag zeigen sich aber noch Eigenheiten. Wird ein Spiel über langes Drücken der Select-Taste am Controller beendet, schließt das nicht nur Big Picture, sondern bringt Euch direkt auf den Windows-Desktop zurück. So wurde überhaupt erst deutlich, wie Steam-Link als Abkürzung zur PC-Spiegelung dient. Der PC-Bildschirm lässt sich nahezu frei vergrößern, und per Augen- und Gestensteuerung könnt Ihr den Mauszeiger präzise bewegen.
Im Vergleich zur Mac-Spiegelung von Vision Pro bleibt die Umsetzung aber eingeschränkt. Die Mac-Funktion erlaubt eine Art Ultraweitbildschirm mit spiegelndem Mac-Desktop, der sich deutlich größer aufziehen lässt. Beim Spiegeln eines Windows-PCs über Steam-Link erreicht Ihr diese Größe aktuell nicht.
Neben Steam-Link existieren bereits weitere Ansätze für PC-Game-Streaming auf Vision Pro. Die App ALVR ermöglicht ebenfalls das Streamen, inklusive Zugriff auf Virtual-Reality-Spiele über SteamVR und andere PC-VR-Titel. Neu ist außerdem ClearXR, eine Anwendung, die foveiertes Streaming unterstützt. Grundlage ist die Zusammenarbeit von Apple mit Nvidia und die Integration des CloudXR-Softwarekits.
Dank der präzisen Augenverfolgung von Vision Pro kann ClearXR die Bildqualität außerhalb des direkten Sichtbereichs gezielt verringern. Das reduziert den benötigten Datendurchsatz und erleichtert das Streaming von Inhalten. Allerdings unterstützt ClearXR derzeit noch kein SteamVR. Ihr könnt also Spiele wie Half-Life: Alyx nicht ohne zusätzlichen Aufwand nutzen.
ALVR erfordert zudem, dass Nutzer:innen eine passende VR-Laufzeitumgebung auf dem PC installieren. Viele dieser Drittanbieter-Lösungen stehen noch ganz am Anfang, auch die Software von Valve befindet sich weiterhin im Beta-Stadium. Während Meta den Schwerpunkt bei den Meta-Quest-Headsets zunehmend von VR-Gaming weg verlagert, beginnt Apple erst jetzt, das Potenzial von Spielen für virtuelle Realität zu erkennen.
Spannend ist, dass all diese Entwicklungen nahezu gleichzeitig stattfinden. Trotz des hohen Preises von rund 3.700 Euro könnte Vision Pro damit zu einem der interessantesten Headsets für gestreamte Spieleinhalte direkt vor den eigenen Augen werden.
Via: https://gizmodo.com
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