Der Markt für SSDs im Einzelhandel trocknet aus, während große PC-Hersteller sich den Großteil der verfügbaren Speicherchips sichern. Für Selbstbauer:innen wird passende Hardware deutlich schwerer und teurer zu bekommen.
Rechenzentren und KI ziehen NAND und DRAM ab
Auf der Computex 2026 erklärte Nelson Duann, Senior Vice President bei Silicon Motion, gegenüber Tom’s Hardware, dass Engpässe bei NAND-Speicher in den vergangenen zwölf Monaten den Direktverkauf von SSDs an Endkund:innen nahezu zum Erliegen gebracht haben. Die SSD-Controller des Unternehmens, die früher häufig in Laufwerken für den Einzelhandel landeten, gehen inzwischen überwiegend an Hersteller wie Dell und Asus.
Normalerweise verkauft Silicon Motion seine SSD-Controller an Modulanbieter wie Samsung oder Western Digital. Diese entwickeln eigene Firmware und kombinieren die Controller mit NAND-Bausteinen der Zulieferer, um daraus die SSDs zu fertigen, die Ihr im Handel findet. Derzeit fließt jedoch ein Großteil von DRAM und NAND in KI-Rechenzentren, wodurch Produkte für Verbraucher:innen deutlich weniger berücksichtigt werden.
Die Folge: Die Preise für SSDs, PCs, Spielekonsolen, Komponenten und andere Geräte, die auf Speicher oder Massenspeicher angewiesen sind, steigen kontinuierlich. Wer normalerweise einen PC selbst zusammenbaut, muss häufig auf Komplettsysteme oder zumindest Bundle-Angebote ausweichen, um extrem hohe Kosten für Arbeitsspeicher oder SSDs zu umgehen.
OEMs verdrängen Endkund:innen vom SSD-Markt
Duann führte aus, dass ein wichtiger Grund für die stark gestiegenen Preise im Einzelhandel darin liegt, dass PC-Hersteller nicht mehr ausreichend NAND bei den üblichen Anbietern bekommen. Deshalb wenden sie sich verstärkt an Hersteller von SSD-Modulen und -Controllern. Diese Entwicklung sorgt zwar für eine stabilere Versorgung mit PCs und Smartphones, macht aber einzeln erhältliche SSDs noch knapper und teurer.
Einige PC- und Notebook-Hersteller haben ihre Preise angesichts der Lage um bis zu 40 Prozent angehoben. Viele NVMe-SSDs kosten inzwischen mehr als das Doppelte früherer Preise. Kioxia hatte bereits Anfang des Jahres das Ende der 1-TB-SSD für 50 US-Dollar (rund 46 Euro) vorausgesagt.
Parallel dazu nutzen Betrüger:innen die angespannte Lage aus. Sie bieten gefälschte SSDs an, die so präpariert sind, dass sie Benchmark-Programme täuschen, und hoffen auf verzweifelte Käufer:innen. Nutzer:innen müssen daher zunehmend nach Alternativen suchen, die sie zuvor nicht in Betracht gezogen hätten.
Ausblick: Engpass könnte bis 2028 anhalten
Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Nach Angaben von Duann rechnen NAND-Lieferanten nicht mit einer Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte 2026. Im Gegenteil: Sie erwarten, dass sich die Situation 2027 weiter verschlechtert.
NAND-Kapazitäten, die nicht in Rechenzentren landen, sollen voraussichtlich vor allem in höherwertige Produkte fließen, um geringere Stückzahlen durch höhere Margen auszugleichen. Fachleute gehen davon aus, dass die Knappheit bis ins Jahr 2028 anhalten wird.
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Titelbild KI (Zur Illustration)
