Immer häufiger werden iPhones und Android-Smartphones mit hochentwickelter Spionagesoftware angegriffen. Wir zeigen Euch, wie die Angriffe ablaufen und wie ihr Eure Geräte besser schützt.
Wie moderne Spionagesoftware zuschlägt
Im Dezember erhielten Hunderte iPhone- und Android-Nutzenden Bedrohungsbenachrichtigungen, dass ihre Geräte mit Spionagesoftware angegriffen wurden. Kurz darauf schlossen Apple und Google Sicherheitslücken, über die Expert:innen den verdeckten Angriff vermuten. Spionagesoftware ist so gefährlich, weil Angreifer alles auf dem Smartphone sehen und hören können – auch Inhalte aus verschlüsselten Messenger-Apps wie WhatsApp oder Signal. Meist zielt sie sehr genau auf Dissident:innen, Journalist:innen, Politiker:innen und Führungskräfte in bestimmten Branchen.
Zu den prominenten Opfern gehören der frühere Amazon-Chef Jeff Bezos und Hanan Elatr, die Ehefrau des ermordeten saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi. Beide wurden durch die Spionagesoftware Pegasus der NSO Group kompromittiert. Spionagesoftware ist in diesen Kreisen weiterhin weit verbreitet, doch Fachleute sehen eine mögliche Ausweitung der Zielgruppe. Anfang Dezember beschrieb Googles Forschungsteam, wie eine Exploit-Kette genutzt wurde, um die Spionagesoftware Predator unbemerkt auf ein Gerät zu bringen. Zuvor hatte die US-Cybersicherheitsbehörde CISA gewarnt, dass Angreifer kommerzielle Spionagesoftware aktiv einsetzen, um mobile Messenger-Apps ins Visier zu nehmen.
Zero-Click-Angriffe und andere Infektionswege
Häufig trifft Spionagesoftware Smartphones über sogenannte Zero-Click-Angriffe, bei denen ihr nichts anklicken oder herunterladen müsst. Laut Pieter Arntz, leitender Malware-Forscher bei Malwarebytes, können Angreifer nach einer Infektion Nachrichten lesen, Tastenanschläge beobachten, Screenshots machen, Benachrichtigungen überwachen und auf Banking-Apps zugreifen. Mit vollem Systemzugriff kann Spionagesoftware Daten wie E-Mails und SMS abziehen, Nachrichten versenden, Zugangsdaten stehlen und sich bei Clouddiensten anmelden, sagt Rocky Cole, Mitgründer der App iVerify.
Neben Zero-Click-Angriffen infizieren sich Geräte auch über kompromittierte Links in SMS, E-Mails oder sozialen Netzwerken. Schadsoftware kann in vermeintlich seriösen Apps stecken, in Bilddateien versteckt sein oder über Browser-Sicherheitslücken auf das Smartphone gelangen. Die Infektion beginnt meist mit bösartigen Links und gefälschten Apps, findet aber zunehmend über subtilere Methoden statt, sagt Richard LaTulip, Field-CISO bei Recorded Future. Er verweist auf Untersuchungen zu bösartigen Browser-Erweiterungen, die Millionen Nutzer:innen betreffen und scheinbar harmlose Werkzeuge in Überwachungsinstrumente verwandeln. Viele dieser Techniken stammen von staatlich verbundenen Akteuren und zielen auf verdeckte, dauerhafte und gerätebezogene Kompromittierungen.
Wer betroffen ist, Warnsignale und Schutzmaßnahmen
Spionagesoftware ist in den vergangenen Jahren zu einem größeren Problem geworden. Staaten und Hersteller argumentieren, die Werkzeuge dienten nur der Verfolgung von Kriminellen und Terrorist:innen oder der nationalen Sicherheit. Laut Rebecca White, Überwachungsforscherin bei Amnesty International, wurden aber weltweit Menschenrechtsaktivist:innen, Journalist:innen und viele andere unrechtmäßig ins Visier genommen. In Thailand wurde die Aktivistin Niraphorn Onnkhaow zwischen 2020 und 2021 insgesamt 14 Mal mit Pegasus angegriffen und beendete aus Angst vor dem Missbrauch ihrer Daten ihre Rolle in der Protestbewegung. Daten könnten zu weiterem Missbrauch online und offline führen, insbesondere bei bereits diskriminierten Gruppen, so White.
Inzwischen rückt mobile Spionagesoftware auch breitere Zielgruppen im geschäftlichen Umfeld ins Visier, von Regierungsmitarbeitenden bis zu IT-Fachleuten im Finanzsektor. Laut Cole dient sie zunehmend nicht nur der Informationsgewinnung, sondern dem Diebstahl von Zugangsdaten für Unternehmenssysteme. Die Erkennung ist schwierig, besonders bei hochentwickelten Varianten wie Pegasus und Predator, die meist nur forensisch nachweisbar sind. Mögliche Anzeichen sind Überhitzung, starke Verlangsamung oder eine Kamera beziehungsweise ein Mikrofon, das ohne erkennbaren Grund aktiv wird. Plötzliche Leistungseinbrüche oder ungewöhnliche Verbindungsänderungen können laut LaTulip frühe Warnsignale sein.
Ein deutliches Indiz ist eine offizielle Bedrohungsbenachrichtigung von Apple, Meta oder Google, die ihr ernst nehmen solltet. Verdächtig sind außerdem unerwartet veröffentlichte private Informationen oder Vorfälle bei Kontakten aus eurem Umfeld. Die beste Abwehr ist Prävention: Wenn ihr besonders gefährdet seid, könnt ihr auf dem iPhone den Blockierungsmodus aktivieren. Ihr findet ihn unter Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Blockierungsmodus, dort könnt ihr ihn einschalten. Der Modus erhöht die Sicherheit, reduziert aber die Funktionen, etwa durch das Blockieren der meisten Nachrichtenanhänge und eingehenden FaceTime-Anrufe.
iPhone sicherer
Apple-Vizepräsident Ivan Krstić betont, es habe nie einen erfolgreichen, weit verbreiteten Malware-Angriff auf das iPhone gegeben. Systemweite iOS-Angriffe in freier Wildbahn stammten ausschließlich von Söldner-Spionagesoftware, die traditionell staatlichen Akteuren zugeordnet wird und Millionen US-Dollar kostet, um wenige ausgewählte Personen zu treffen. Apple setzt unter anderem auf den Blockierungsmodus und die neue Speicherintegritätssicherung, eine dauerhafte Schutzfunktion gegen Speicherfehler, die häufig in Angriffsketten von Spionagesoftware ausgenutzt werden. Google bietet auf Android den erweiterten Schutz, der in Android 16 um Einbruchsprotokollierung, USB-Schutz und die Möglichkeit ergänzt wurde, das automatische Wiederverbinden zu unsicheren Netzwerken zu deaktivieren. Aktivieren könnt ihr ihn unter Einstellungen > Sicherheit & Datenschutz > Weitere Einstellungen > Erweiterter Schutz.
Zusätzlich solltet ihr grundsätzlich vorsichtig mit Links von Unbekannten umgehen und Veränderungen im Geräteverhalten beachten. White empfiehlt die Nutzung eines vertrauenswürdigen VPNs zur Abwehr bestimmter Überwachungs- und Zensurformen, sorgfältige Prüfung neuer Follower-Anfragen und den anonymen Besuch der gesicherten Zwiebel-Webseite von Amnesty über den Tor-Browser. Arntz rät zu strenger Kontrolle darüber, was installiert wird, zum Verzicht auf Sideloading unter Android und zu konsequenten Updates von Betriebssystem und Apps, da Patches oft genau die Lücken schließen, die Spionagesoftware nutzt. Ein Neustart des Smartphones kann Angriffe vorübergehend stören, doch im Fall einer bestätigten Infektion empfehlen Expert:innen, das Gerät vollständig aufzugeben. Unterstützung für Betroffene bieten neben Amnesty unter anderem Access Now und Reporter ohne Grenzen. LaTulip rät zu einer gesunden Skepsis: Rechnet mit möglichen Kompromittierungen, ohne in lähmende Paranoia zu verfallen.
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