Mit watchOS 27 zieht Siri AI auf der Apple Watch ein und verändert, wofür Ihr die Uhr im Alltag tatsächlich nutzen könnt. Im ersten Hands-on beschreibt The-Verge-Autorin Victoria Song, wie sich das Zusammenspiel von Uhr, iPhone und Siri AI anfühlt.
Ein Siri-Erlebnis auf iPhone und Watch
Siri gehört seit der ersten Apple Watch dazu, wurde aber von vielen Nutzer:innen vor allem für einfache Aufgaben wie Timer oder Wetterabfragen genutzt. Mit der Developer-Beta von watchOS 27 gewinnt der Sprachassistent auf dem Handgelenk nun deutlich an Gewicht. Song beschreibt, dass sie mit Siri AI „mehr tatsächliches Computing vom Handgelenk aus“ erledigen kann als zuvor.
Ein zentrales Ziel sei dabei die Vereinheitlichung des Erlebnisses auf iPhone und Watch, erklärt David Clark, Senior Director of Software Engineering für watchOS bei Apple. Die beiden Siri-Varianten sollen sich nicht mehr wie zwei unterschiedliche Assistenten anfühlen. Das werde über eine enge Verbindung von Uhr und iPhone sowie eine gemeinsam genutzte persönliche Kontextbasis erreicht. Abfragen, die Ihr am Handgelenk stellt, landen in derselben App wie auf dem iPhone.
Im Vergleich zu früheren Erfahrungen mit Google Gemini auf Pixel Watch 4 und Samsung Galaxy Watch 8 hebt Song hervor, dass sie bei Siri AI weniger rätseln musste, ob sie eine Aufgabe besser auf dem Smartphone oder der Uhr ausführt. Siri AI ist zudem klarer darin, welche Arten von Prompts aktuell nicht funktionieren, und schlägt Alternativen vor – etwa wenn ihr wetterbasierte Erinnerungen einrichten wollt, die noch nicht unterstützt werden, während ortsbasierte Erinnerungen möglich sind.
Alltag und Fitness: Notizen, Infos und Workout Buddy
Song nutzt die Apple Watch in Apples Ökosystem als praktisches Notizwerkzeug unterwegs. Siri AI vereinfacht das Referenzieren von Notizen und Erinnerungslisten, die auf iPhone oder MacBook liegen: Im Test konnte sie sich beim Einkaufen eine in der Reminders-App hinterlegte Liste mit Garnfarben auf der Watch anzeigen lassen und Positionen direkt am Handgelenk abhaken. Ebenso lasse sich eine Recherche unterwegs beginnen und später nahtlos auf iPhone oder MacBook in der Siri-AI-App fortsetzen.
Gleichzeitig bleibt Siri AI ein System, für das Ihr Euch neue Nutzungsmuster angewöhnen müsst. Song merkt an, dass sie unter Zeitdruck oft vergaß, die neuen Funktionen zu nutzen. Zudem gibt es nach wie vor Latenz, während der Assistent „nachdenkt“, und die Präzision der Ergebnisse hängt stark von möglichst klar formulierten Anfragen ab. Als KI-Assistent sei Siri AI weiterhin anfällig für Fehler – ungeduldige Menschen könnten sich davon gestört fühlen.
Der KI-gestützte Fitnesscoach „Workout Buddy“ bekommt mit watchOS 27 Erweiterungen. In watchOS 26 wurden vor allem Meilensteine hervorgehoben, nun sollen die ausgegebenen Einblicke tiefer in die persönlichen Trainings-Trends eintauchen und Workout Buddy unterstützt jetzt auch Spanisch. Clark beschreibt, dass die Uhr beispielsweise erkennt, wenn Ihr beim Laufen eine Steigung bewältigt und Eure Pace „trotz“ der Höhenmeter gehalten habt – und dies entsprechend hervorhebt. Konkrete Gesundheitsratschläge auf Basis der erfassten Daten gebe Siri AI derzeit jedoch nicht. Stattdessen sei der Assistent eher dafür gedacht, schnell „wissenschaftlich fundierte“ Informationen abzurufen, etwa zu LDL-Cholesterin oder Dehnübungen zur Regeneration nach dem Lauf.
Neue Bedienung: App Launcher und Gesten
watchOS 27 bringt außerdem einen neuen App Launcher, der als Schnellmenü für häufig oder zuletzt genutzte Apps dient. Für Nutzer:innen, die vor allem eine Handvoll Apps auf der Watch verwenden, kann das den Zugriff erleichtern. Wer dagegen sehr stark auf Watchfaces mit vielen Komplikationen setzt, profitiert womöglich weniger. Song beschreibt, dass sie aktuell ein reduziertes Watchface mit einem Foto ihrer Katze nutzt und so mehr gestalterische Freiheit hat, ohne auf schnelle App-Zugriffe zu verzichten.
Besonders hervorgehoben wird in ihrem Bericht die neue Ein-Finger-Tap-Geste. Während die bekannte Pinch-Geste zum Scrollen dient und ein Handgelenksruck Bildschirme schließt, übernimmt der einfache Tap nun die Auswahlfunktion. In Kombination mit Smart Stack und der „raise to talk“-Geste lässt sich die Apple Watch dadurch noch konsequenter einhändig bedienen. Song bezeichnet sich selbst als „Gesture Power-User“ und berichtet, dass sie Informationen so schneller checken kann, ohne die zweite Hand zu benötigen. Wer Gesten bislang ignoriert hat, solle ihnen in watchOS 27 aus ihrer Sicht eine neue Chance geben.
Insgesamt beschreibt Song watchOS 27 als Ergebnis mehrerer Entwicklungen der vergangenen drei bis vier Jahre: Gestensteuerung, Smart-Stack-Widgets und nun Siri AI würden zusammengenommen dafür sorgen, dass sich die Apple Watch heute wie ein deutlich anderes Gerät anfühlt als noch 2022. Noch sei der Weg zum vollwertigen Handgelenk-Computer nicht komplett, die Richtung ist für sie aber erkennbar.
Via: theverge.com
