Die weltweite Knappheit bei Arbeitsspeicher-Chips dürfte sich laut Samsung im kommenden Jahr weiter verschärfen und noch bis mindestens 2028 anhalten. Das hat der Konzern in seinem aktuellen Quartalsbericht angekündigt.
Frontier-KI treibt Nachfrage nach Arbeitsspeicher
Samsung fertigt und liefert rund ein Drittel der globalen Speicherchips und sieht sich mit einer anhaltend hohen Nachfrage konfrontiert. In der Telefonkonferenz zu den Zahlen des zweiten Quartals erklärte das Unternehmen, dass führende KI-Labore, die dringend Zugang zu Speicherinfrastruktur benötigen, ihre mittel- bis langfristigen Bedarfsprognosen direkt mit Samsung teilen. So wollen sie sich frühzeitig Kapazitäten sichern.
Die starke Nachfrage erlaubt es Samsung, Kund:innen zu bevorzugen, die langfristige Lieferverträge unterschreiben. Diese mehrjährige Planungssicherheit versetzt den Konzern in die Lage, neue Anlagen zu installieren und die Produktion hochzufahren, ohne befürchten zu müssen, dass die Nachfrage plötzlich einbricht. Damit versucht Samsung, die typischen Auf- und Abschwünge der Speicherbranche zu vermeiden.
Hohe Chippreise belasten Gerätegeschäft
Die durch den KI-Boom verursachte Knappheit bei Speicherchips hat die Preise in den vergangenen Monaten deutlich steigen lassen. Für Samsung ist das ein gemischtes Ergebnis: Während der Halbleiterbereich im zweiten Quartal einen Rekordumsatz verzeichnete, gingen die Margen in den Sparten für Smartphones und Fernseher zurück, weil die teureren Chips die Komponenten-Kosten erhöhten.
Samsung hat begonnen, einen Teil dieser gestiegenen Kosten an Endkund:innen weiterzugeben und die Preise für Galaxy-Smartphones und -Tablets anzuheben. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach diesen Geräten infolge der Preiserhöhungen gesunken.
Auch Apple, Samsungs großer Wettbewerber, ist von der „RAMageddon“ genannten Knappheit betroffen und hat im vergangenen Monat die Preise für MacBooks, Macs und iPads erhöht. In seiner jüngsten Telefonkonferenz warnte Apple zudem, dass das Umsatzwachstum im kommenden Quartal voraussichtlich nur noch zwischen 9 und 11 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum liegen werde, nach zuvor 16 Prozent Wachstum pro Quartal.
Verlagerte Kapazitäten verteuern Verbrauchergeräte
Da Speicherhersteller ihre Kapazitäten zunehmend in Richtung KI-Rechenzentren verschieben und weniger Chips für klassische Unterhaltungselektronik produzieren, müssen sich Verbraucher:innen auf höhere Gerätepreise einstellen. Grafikkartenhersteller Nvidia will die Preise für Grafikkarten im Consumer-Bereich voraussichtlich um 20 bis 30 Prozent erhöhen, was wiederum die Kosten für Spielkonsolen, Desktop-Rechner, Laptops und andere Systeme mit dedizierten Grafikeinheiten weiter in die Höhe treiben dürfte.
Die Kombination aus langfristig gebundenen Kapazitäten für KI-Anwendungen, steigenden Komponentenpreisen und umgelenkter Produktion deutet darauf hin, dass die angespannte Lage am RAM-Markt noch mehrere Jahre anhalten wird. Für Euch als Nutzer:innen bedeutet das: neue Geräte könnten bis mindestens 2028 spürbar teurer bleiben.
