Sabih Khan ist seit 2025 Chief Operating Officer von Apple, arbeitet aber schon seit Jahrzehnten für den Konzern. Wir fassen zusammen, wer hinter Apples globalen Abläufen steht.
Vom Studium zu drei Jahrzehnten Apple
Sabih Khan wurde 1966 im indischen Moradabad im Bundesstaat Uttar Pradesh geboren und wuchs dort bis zur fünften Klasse auf. Mit zehn Jahren zog er mit seiner Familie nach Singapur, wo er seine Schulausbildung vor dem College abschloss und in einer Stadt mit starkem Handelsfokus eine multikulturelle Umgebung kennenlernte.
Seine akademische Laufbahn setzte Khan in den USA fort. An der Tufts University in Massachusetts erwarb er Bachelor-Abschlüsse in Volkswirtschaftslehre und Maschinenbau. Nach seinem Abschluss 1988 wechselte er an das Rensselaer Polytechnic Institute in Troy, New York, wo er einen Masterabschluss in Maschinenbau machte.
Beruflich startete Khan bei GE Plastics, seiner einzigen Station vor Apple. Dort arbeitete er als Entwicklungsingenieur für Anwendungen und technische Schlüsselkundenbetreuung und bekam Einblicke in fortschrittliche Verfahren der Materialfertigung. Diese Erfahrungen halfen ihm später bei Apple, komplexe Herstellungsprozesse großer Fertiger zu verstehen.
1995 begann Khans Laufbahn bei Apple im Einkaufsteam. Dort war er für die Beschaffung von Komponenten und Materialien zuständig, die für die Produktion der Apple-Produkte nötig waren. In diese Phase fiel die Rückkehr von Mitgründer Steve Jobs als Interims-CEO und die schwierigen Jahre vor dem Comeback des Unternehmens.
Ende der 1990er-Jahre arbeitete Khans Team an der Beschaffung für den iMac, der 1998 zum wichtigen Erfolg für den angeschlagenen Konzern wurde. Es folgten zentrale Produkte wie das PowerBook G3, das Apple Cinema Display und der iPod ab 2001. Apple schreibt Khan zu, eine wichtige Rolle dabei gespielt zu haben, diese Produkte in den Markt zu bringen.
Aufbau der Lieferkette und Operations-Chef
Zwischen 2007 und 2019 half Khan, Apples Lieferkette massiv auszubauen. Er verhandelte langfristige Vereinbarungen mit Zulieferern und Auftragsfertiger:innen, um eine Produktion im großen Maßstab zu sichern und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards durchzusetzen.
Dazu gehörten regelmäßige Überprüfungen von Fabriken im Rahmen der Berichte zur Verantwortung gegenüber Zulieferern. 2013 führte Apple etwa 393 Audits durch, 72 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei wurden Verstöße wie der Einsatz minderjähriger Arbeitskräfte aufgedeckt. Apple reagierte mit Maßnahmen zum Schutz von Beschäftigten und zur Eindämmung von Ausbeutung.
Khans Arbeit und seine Teamführung ebneten ihm den Weg ins Top-Management. Am 27. Juni 2019 wurde er zum Senior Vice President für Betrieb befördert und berichtete weiterhin an den damaligen Chief Operating Officer Jeff Williams. Tim Cook betonte damals, Khan leite das globale Operationsteam mit Herz, achte auf Würde und Respekt für die Beschäftigten und schütze gleichzeitig die Umwelt.
Unter Khans Verantwortung entwickelte das Team eine Legierung, die es dem MacBook Air und dem Mac mini ermöglichte, Aluminium aus 100 Prozent Recycling zu nutzen. Außerdem baute Apple Partnerschaften mit Zulieferern aus, um die Fertigung insgesamt umweltfreundlicher zu machen.
Als Senior Vice President war Khan für Produktqualität sowie Planung, Beschaffung, Fertigung, Logistik und Auslieferung verantwortlich – ein Aufgabenfeld ähnlich dem von Tim Cook, bevor dieser CEO wurde. Kaum im neuen Amt, musste Khan allerdings die Folgen der Corona-Pandemie für die globale Produktion bewältigen.
Krisenmanagement
Ab 2020 arbeitete er mit Zulieferern an Plänen, um die Produktion möglichst aufrechtzuerhalten und gleichzeitig Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Dazu gehörten Gesundheitschecks, Schutzausrüstung, Abstandsregeln, umgestaltete Fabriklayouts und flexible Arbeitszeiten. Apple teilte seine Gesundheits- und Sicherheitskonzepte zudem mit anderen Unternehmen der Branche.
Trotz dieser Maßnahmen kam es 2022 zu Unruhen in Fabriken, etwa in Shanghai und im Foxconn-Werk Zhengzhou, ausgelöst durch Unzufriedenheit über Lockdown-Auflagen, Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Parallel begann Apple unter Khans Führung, die stark China-zentrierte Fertigung zu dezentralisieren und zusätzliche Produktionszentren aufzubauen.
Ein zweites großes Fertigungszentrum entstand in Indien, unterstützt durch lokale Anreize. Apple kann seither iPhones je nach Markt aus China oder Indien beziehen. Das erwies sich als vorteilhaft während des Handelskonflikts zwischen den USA und China und späteren Zollanpassungen unter Präsident Donald Trump. Um hohe Zölle auf in China gefertigte Produkte zu umgehen, verlagerte Apple einen Großteil der iPhones für den US-Markt auf Fertigung in Indien.
Chief Operating Officer und seine Rolle in Apples Zukunft
Im Juli 2025 kündigte Apple den Rücktritt von Jeff Williams als Chief Operating Officer nach 15 Jahren an. Sabih Khan wurde als Nachfolger benannt und übernahm die Position im Juli, während Williams das Design noch einige Monate betreute und im November 2025 offiziell ausschied.
Als COO berichtet Khan direkt an Tim Cook. Sein Aufgabenbereich ist weniger breit als zuvor bei Williams: Die Entwicklung von watchOS und die Teams für Gesundheitssoftware liegen nun bei Softwarechef Craig Federighi, das Design wird von John Ternus als geschäftsführendem Sponsor verantwortet. Gleichzeitig übernahm Khan zusätzliche Zuständigkeiten, etwa für AppleCare, Barrierefreiheit sowie Umwelt- und Sozialinitiativen, und erhielt mehr Aufsicht über das wichtige Geschäft in Großchina.
Wenige Monate nach Amtsantritt traf sich Khan mit Chinas internationalem Handelsbeauftragten. Er bekräftigte Apples langfristiges Engagement im Land, inklusive weiterer Investitionen in Forschung und soziale Projekte – vor dem Hintergrund wachsender Produktionskapazitäten in Indien und politischer Spannungen.
Gleichzeitig muss Khan Forderungen der US-Regierung nach mehr Fertigung im eigenen Land mitsteuern. Apple kündigte dazu umfangreiche Investitionen von Hunderten Milliarden US-Dollar in die USA an, um lokale Produktion und Infrastruktur auszubauen.
Formell steht Khan als COO in der Nachfolgeposition für den CEO-Posten, falls Tim Cook unerwartet ausfallen sollte. Dennoch gilt es als unwahrscheinlich, dass er dauerhaft CEO wird. Grund sind seine bisher geringe öffentliche Präsenz und die Tatsache, dass er nur wenige Jahre jünger ist als Cook, was ihn als langfristige Lösung weniger attraktiv macht. Beobachter:innen sehen derzeit John Ternus als wahrscheinlichste Option für eine langfristige CEO-Nachfolge.
Auch wenn Khan den Chefsessel wohl nicht dauerhaft übernehmen wird, prägt er mit seiner Arbeit im Betrieb Apples Zukunft maßgeblich – nur eher im Hintergrund als auf der Bühne.
Bild Apple