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Russlands Kampf gegen VPNs verschärft sich: Das erwartet euch 2026

Russland treibt den Aufbau eines nationalen, abgeschotteten Internets weiter voran. Gleichzeitig geraten VPN-Dienste zunehmend ins Visier der Behörden – 2026 dürfte der Druck weiter steigen.

2025: Ein besonders schwieriges Jahr für VPNs

Die russische Zensurbehörde Roskomnadsor hat im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Webseiten gesperrt, ein Anstieg um 59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Virtuelle private Netzwerke (VPN) sind damit für viele Nutzer:innen unverzichtbar geworden, um weiterhin auf blockierte Inhalte zuzugreifen. Doch auch VPNs selbst werden immer stärker angegriffen und zählen inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Kategorien blockierter Seiten.

Der Gründer des russischen Anbieters Amnezia VPN, Masai Bansajew, beschreibt 2025 als ein „besonders herausforderndes“ Jahr. Nach seiner Einschätzung sind derzeit die meisten VPN-Protokolle in Russland blockiert. Funktionieren könne aktuell nur noch Protokolle, die sich als andere Netzwerkprotokolle tarnen. Dazu gehören etwa XRay (VLESS, VMess, Trojan), NaiveProxy und Hysteria, die laut Bansajew meist noch laufen, aber bei schlechter Konfiguration ebenfalls gesperrt werden können.

Parallel verfeinert Roskomnadsor seine Filterung auf Basis von Deep Packet Inspection (DPI) und setzt zunehmend auf KI sowie andere Analyseverfahren des Datenverkehrs. Im Sommer wurde nahezu jeglicher nicht zugeordneter UDP-Verkehr blockiert. Das zwang Amnezia dazu, das zensurresistente Protokoll AmneziaWG zu überarbeiten. Es arbeite insgesamt stabil, so Bansajew, doch die Behörde blockiere regelmäßig dessen Signaturen, was laufende Updates notwendig mache.

Das Filtersystem soll zugleich den „legitimen“ Einsatz von VPNs schützen. Roskomnadsor arbeitet mit Positivlisten, damit ausgewählte Organisationen ihre geschäftlichen VPN-Verbindungen weiter nutzen können. Alle anderen Unternehmen und Dienste stünden jedoch vor denselben Hürden wie gewöhnliche Nutzer:innen.

Bekannte VPN-Dienste geraten an ihre Grenzen

Bansajew zufolge sind populäre westliche VPN-Dienste wie NordVPN, Proton VPN und ExpressVPN in Russland „praktisch funktionslos“. NordVPN bestätigt gegenüber TechRadar, dass der Dienst in der Region nicht mehr arbeitet und „unter den aktuellen Umständen“ keine Rückkehr plant. Der Anbieter hatte bereits 2019 seine physischen Server in Russland nach Forderungen nach Datenzugang abgebaut und sich nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 vollständig aus dem Markt zurückgezogen.

David Peterson, General Manager von Proton VPN, zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Die Lage sei zwar schwierig, der Dienst funktioniere aber für viele Nutzer:innen noch, wenn auch mit schwankender Zuverlässigkeit. Das Stealth-Protokoll von Proton VPN sei gegen DPI gewappnet, doch russische Behörden blockierten zusätzlich IP-Adressen und ganze IP-Bereiche von VPN-Servern. Nutzer:innen müssten deshalb unter Umständen mehrere Verbindungsversuche unternehmen.

Auch ExpressVPN spricht gegenüber TechRadar von grundsätzlich funktionierender Konnektivität in Russland, trotz aller Probleme. Man überwache die Netzwerksituation laufend und arbeite daran, verlässlichen Zugang zu erhalten, wo immer dies möglich sei. Die Lage bleibt dennoch instabil: Am 20. Januar meldete der Anbieter Windscribe eine neue Blockierungswelle und einen Einbruch des russischen Traffics um fast 90 Prozent.

Roskomnadsor als Super-Regulierungsbehörde und der Ausblick auf 2026

Die Möglichkeiten des Kremls, VPN-Zugänge einzuschränken, haben sich 2025 deutlich ausgeweitet. Grundlage dafür ist Regierungsdekret Nr. 1667 vom Oktober 2025, das Roskomnadsor erlaubt, Inhalte direkt zu blockieren, ohne auf Telekommunikationsanbieter und Internetprovider angewiesen zu sein. Der Cyberjurist Sarkis Darbinjan von RKS Global bezeichnet die Behörde daher als „Super-Regulierer“. Mithilfe von DPI-Technik an allen Netzknoten könne sie praktisch jeden Dienst oder jede Anwendung sperren.

Amnezia VPN setzt dem eine selbst gehostete, quelloffene Lösung entgegen, die speziell für die Umgehung staatlicher Zensur ausgelegt ist. Der Quellcode ist vollständig einsehbar, sodass technisch versierte Personen die Sicherheit selbst prüfen können. Zugleich wächst der Druck auf Webseiten, die VPNs und andere Umgehungswerkzeuge bewerben. Zwischen Januar und April 2025 hat Roskomnadsor 12.600 Inhalte gesperrt, die VPNs „propagierten“ – doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2024. Auch der Druck auf Apple und Google, VPN-Apps aus ihren russischen App-Stores zu entfernen, hält an.

Im Juli beschloss das Parlament ein Gesetz, das bereits die Suche nach „extremistischen“ Inhalten sanktioniert. Neu eingeführt wurden Bußgelder für Personen, die verbotene Inhalte über ein VPN aufrufen. Fachleute sehen darin ein „neues Kapitel“ repressive Internetregulierung in Russland. Alexej Kosljuk, Vorsitzender des Branchenverbands VPN Guild, verweist darauf, dass es zwar noch kein formelles Verbot für Installation und Nutzung von VPNs gebe, wie etwa in Turkmenistan, die Entwicklung aber eindeutig sei.

Für 2026 rechnen Expert:innen mit einer weiteren Verschärfung. Die staatlich geförderte Migration zu heimischen Apps wie der vom Kreml unterstützten „Super-App“ MAX soll vorangetrieben werden, während die Blockade von VPNs weiter zunimmt. Laut Kosljuk stehen den Zensor:innen zwischen 2025 und 2027 rund 60 Milliarden Rubel (etwa 780 Millionen US-Dollar / 720 Millionen Euro) für den Ausbau der VPN-Blockadetechnik zur Verfügung. Zudem berichtet Forbes Russland, dass Roskomnadsor 2,27 Milliarden Rubel (rund 29 Millionen US-Dollar / 27 Millionen Euro) in einen KI-gestützten Filtermechanismus investieren will, der verbotene Inhalte und VPN-Verbindungen noch besser erkennen und blockieren soll.

Der Kampf gegen VPNs ist jedoch kein rein russisches Phänomen. Die VPN Guild zeigt sich zunehmend besorgt über die veränderte Wahrnehmung von Umgehungstechnologien auch in westlichen Demokratien. Deshalb müsse sich die Branche stärker zusammenschließen, um die Legitimität von Datenschutzwerkzeugen wie VPNs zu verteidigen. Kosljuk verweist in diesem Zusammenhang auf den „Defend VPNs“-Aktionstag 2025, der gezeigt habe, dass der Raum für Kooperation und Wissensaustausch 2026 weiter ausgebaut werden müsse.

Via: https://www.techradar.com
Titelbild KI (Zur Illustration)

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Michael Reimann

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