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Rivians Softwarechef: Warum Ihr weder CarPlay noch Knöpfe braucht

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Rivian setzt im Auto konsequent auf eigene Software, Sprachsteuerung und KI – ganz ohne Apple CarPlay oder Android Auto. Im Hintergrund steht ein Milliardenbündnis mit dem Volkswagen-Konzern.

Rivian, Volkswagen und die neue Auto-Architektur

Wassym Bensaid ist bei Rivian für die Software zuständig und zugleich Co‑CEO des gemeinsamen Softwareunternehmens mit Volkswagen, das intern schlicht RV Tech heißt. Volkswagen hat vor rund eineinhalb Jahren knapp 6 Milliarden US‑Dollar (rund 5,5 Milliarden Euro) investiert und damit den Grundstein für eine gemeinsame Plattform gelegt. Auf Basis dieser Technik sollen künftig alle elektrischen Modelle des Konzerns laufen – von Audi über Porsche, Bentley und Lamborghini bis zu neuen Marken wie Scout.

Bensaid beschreibt das Ziel als saubere Neuentwicklung: Weg von Hunderten Steuergeräten verschiedener Zulieferer, hin zu wenigen zentralen, leistungsfähigen Rechnern im Fahrzeug. Diese sogenannten zonalen Rechner übernehmen möglichst viele Funktionen, von Sitzverstellung über Licht bis Klimatisierung. So lassen sich komplexe Abläufe wie personalisierte Begrüßung, Profil‑Laden und Vorklimatisierung schneller entwickeln und einfacher verändern als im alten, stark fragmentierten Zuliefersystem.

RV Tech liefert dafür die elektrische Architektur und das Betriebssystem, also die gemeinsame Basis für alle Marken. Rund 80 bis 90 Prozent der Software entstehen zentral, die Marken bekommen Schnittstellen für eigene Fahrabstimmung, Oberflächen und Markenerlebnis. Das erste Rivian-Modell auf dieser Architektur ist der günstigere Rivian R2, bei Volkswagen soll das Einstiegsmodell ID.1 unter 25.000 US‑Dollar (rund 23.000 Euro) ebenfalls davon profitieren. Der Fokus des Joint Ventures liegt zunächst ausschließlich auf Elektroautos.

Rivian Assistant: KI im Auto statt Knopf im Cockpit

Parallel zur VW-Kooperation baut Rivian die eigene KI-Plattform im Fahrzeug aus. Herzstück ist der neue Rivian Assistant, ein sprachgesteuerter Assistent, der tief in das Fahrzeugbetriebssystem integriert ist. Er kann Fahrmodi und Fahrzeughöhe ändern, Navigation und Komfortfunktionen steuern und über agentische Integrationen auch Dienste wie Google Kalender einbinden. Bestimmte Funktionen sind jedoch aus Sicherheits- und Zulassungsgründen gesperrt – etwa Wischer oder Assistenzsysteme.

Technisch setzt Rivian auf eine flexible Architektur, die verschiedene Sprachmodelle kombinieren kann. Ein Teil läuft lokal im Auto, etwa einfache Komfortbefehle („Mir ist kalt“), komplexere Anfragen werden in die Cloud ausgelagert. Als Partner nutzt Rivian dabei unter anderem Googles Gemini-Modelle, inklusive Echtzeit‑Anbindung an Webinhalte. Mit der nächsten Fahrzeuggeneration, etwa dem R2 mit 5G‑Anbindung, soll deutlich mehr KI‑Rechenleistung direkt im Auto verfügbar sein – bis zu 200 sparsame Billionen Operationen pro Sekunde nur für KI‑Aufgaben.

Ziel ist, dass der Rivian Assistant als „Agenten-Orchestrator“ fungiert: Er kennt das Auto und dessen Sicherheitsgrenzen genau, kann aber zugleich mit externen Diensten und künftig auch mit anderen Assistenten zusammenarbeiten. So könnte der Assistent etwa eine Reise inklusive Ladestopps planen, sie in den Kalender eintragen und die Zusammenfassung per Nachricht verschicken – alles per Spracheingabe.

Keine Chance für CarPlay – und wenig Liebe für Knöpfe

Apple CarPlay und Android Auto bleiben bei Rivian bewusst außen vor. Bensaid begründet das damit, dass Bildschirmspiegelungen alle Pixel im Cockpit übernehmen und damit das nahtlose Zusammenspiel von Navigation, Effizienzfunktionen und Fahrmodi stören würden. Interne Umfragen zeigen laut ihm zudem einen deutlichen Stimmungswandel: Forderten zum Start der R1‑Modelle noch über 70 Prozent der Kund:innen CarPlay, seien es inzwischen weniger als 25 Prozent. Grund dafür sei die gewachsene Funktionsvielfalt und die engere Integration der eigenen Software.

Für Spezialfälle – etwa seltene Audio‑ oder Religions-Apps – verweist Bensaid auf andere Wege: Perspektivisch könnten Nutzer:innen ihren bevorzugten Sprachassistenten ins Auto holen und darüber via Bluetooth‑Audio Apps auf dem Smartphone steuern, ohne klassische Bildschirmspiegelung. Konkrete Umsetzungen stehen hier aber noch aus.

Auch bei physischen Bedienelementen bleibt Bensaid konsequent. Er hält Sprachsteuerung für das natürliche Interface im Auto, weil Fahrer:innen den Blick auf der Straße behalten müssen. Knöpfe sieht er eher als ergänzende, nicht primäre Bedienform. Beim kommenden R2 sollen etwa haptische Elemente am Lenkrad die Klimasteuerung unterstützen, ohne klassische Tastenreihe im Mittelkonsolen‑Bereich.

Für Volkswagen ist klar definiert: Das KI‑System Rivian Assistant bleibt Rivian vorbehalten, auch wenn ähnliche Technologien für Konzernmarken geplant sind. Die gemeinsame Plattform soll aber allen Marken die technische Basis geben – inklusive der Möglichkeit, CarPlay oder Android Auto anzubieten, auch wenn Rivian selbst weiter darauf verzichtet.

Via: https://www.theverge.com

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Tags: Software-Architektur, CarPlay, Android Auto, Volkswagen, Sprachsteuerung, Elektroautos, KI im Auto, Rivian, RV Tech, Rivian Assistant

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