Die anhaltende RAM-Knappheit könnte früher enden als bislang erwartet. Ein ehemaliger Chef von Samsungs Halbleitersparte zeichnet ein etwas helleres Bild für die kommenden Jahre.
Ex-Samsung-Chef erwartet Marktveränderung ab 2027
Der frühere Leiter des Halbleitergeschäfts von Samsung, Kye-hyun Kyung, hat eine vorsichtig optimistische Einschätzung zur RAM-Krise abgegeben. Wie der Seoul Economic Daily unter Berufung auf eine Rede Kyungs berichtet, könnte sich der Markt bereits in etwas mehr als einem Jahr zu drehen beginnen.
Kyung sprach im Rahmen einer Grundsatzrede an der Nationalen Akademie für Ingenieurwesen Koreas in Seoul. Dort stellte er fest, dass chinesische Unternehmen ihre Produktionskapazitäten für Arbeitsspeicher derzeit massiv ausbauen. Diese aggressive Expansion könnte mittelfristig zu einem deutlichen Anstieg des Angebots führen.
Wörtlich wird Kyung mit der Aussage zitiert, es gebe „die Möglichkeit, dass sich der Markt ab der zweiten Hälfte des nächsten Jahres oder der ersten Hälfte des Jahres 2028 verändern wird, wenn das Speicherangebot stark ansteigt“. Die Aussage basiert auf einer Übersetzung aus dem Koreanischen, der Kern bleibt aber klar: Ein möglicher Wendepunkt wird früher in Aussicht gestellt, als viele bisherige Prognosen vermuten ließen.
Mehr Angebot aus China, mögliche Abkühlung beim KI-Boom
Neben dem Ausbau der chinesischen RAM-Produktion sieht Kyung einen weiteren möglichen Faktor für eine Entspannung: die Entwicklung des Marktes rund um Künstliche Intelligenz. Der Ex-Samsung-Manager weist darauf hin, dass die Rendite für große Technologiekonzerne im Verhältnis zu den enormen Investitionen in KI sinken könnte.
Diese Entwicklung könnte nach seiner Einschätzung zu einer Abschwächung des aktuellen KI-Booms führen. In Kombination mit dem erwarteten Produktionsschub bei Speicherchips aus China könnte dies das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage schneller wiederherstellen, als bislang angenommen wurde. Bislang hatte sich kaum jemand zu der These bekannt, die aktuelle RAM-Krise könnte vor 2028 enden.
Vorsichtiger Optimismus gegen den Branchentrend
Kyung spricht nicht von einem schnellen Ende der hohen RAM-Preise, sondern eher vom „Beginn vom Ende“ ab der zweiten Hälfte des Jahres 2027. Im Vergleich zu anderen Einschätzungen der Branche ist das jedoch bereits ein relativ optimistischer Ausblick.
Gleichzeitig steht diese Sicht im Kontrast zu einer Reihe deutlich düsterer Prognosen, die in den vergangenen Wochen von führenden Speicherherstellern veröffentlicht wurden. Alle drei großen Anbieter von Speicherchips, darunter auch Samsung selbst, erwarten derzeit, dass die RAM-Krise mindestens bis 2028 andauert, im ungünstigsten Fall sogar bis 2030. Angesichts dieser Einschätzungen wirkt die Aussicht auf eine mögliche Erholung in gut einem Jahr deutlich hoffnungsvoller, bleibt aber unsicher.
Unklar ist zudem, wie schnell sich der Markt für Künstliche Intelligenz tatsächlich abkühlen könnte. Zwar ist der Hinweis auf eine mögliche Schere zwischen Investitionen und Gewinnen im KI-Bereich nachvollziehbar, ein rascher Einbruch der Branche lässt sich daraus jedoch nicht unmittelbar ableiten. Vor diesem Hintergrund erscheint Kyungs Prognose eher als vorsichtige Gegenstimme zum vorherrschenden Pessimismus – eine Stimme, die viele von Euch dennoch gerne hören dürften.
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Titelbild KI (Zur Illustration)