Der Markt für smarte Lautsprecher wirkt seit Jahren festgefahren. Ein Bericht deutet nun darauf hin, dass OpenAI genau dort mit eigener Hardware einsteigen will.
Erster OpenAI-Lautsprecher: Kamera, Gesichtserkennung, Shopping
Laut einem Bericht des US-Magazins The Information arbeitet OpenAI an seinem ersten eigenen Hardwareprodukt, einem smarten Lautsprecher. Dieses Gerät soll im Gegensatz zu vielen bisherigen Smart Speakern nicht nur Mikrofone, sondern auch eine Kamera besitzen. Damit könnte der Lautsprecher Informationen über Nutzer:innen und ihre Umgebung erfassen, etwa Objekte auf einem Tisch oder Gespräche in der Nähe.
Der Bericht beschreibt außerdem eine integrierte Gesichtserkennung, ähnlich wie Apples Gesichtserkennung Face ID. Darüber sollen Nutzer:innen Einkäufe tätigen können, indem der Lautsprecher Gegenstände identifiziert. Online-Shopping per Sprachbefehl gibt es allerdings schon länger, vor allem im Amazon-Ökosystem. Besitzer:innen eines Amazon-Lautsprechers können heute bereits Produkte per Sprachbefehl in den Warenkorb legen und bestellen, abgesichert durch Sprachcodes zur Kaufbestätigung. In dieser Hinsicht wäre OpenAIs Ansatz also keine echte Neuerung.
Computer Vision im Wohnzimmer: Potenzial und Grenzen
Spannender ist die geplante Objekterkennung über die Kamera. Computer Vision ist zwar keine neue Technologie, aber im Smart-Home-Bereich noch kein Standard. Amazon bietet mit Echo Show und der Funktion „Show and Tell“ bereits ein Gerät mit Bildschirm und Kamera, das Objekte erkennen kann. Trotzdem hat sich diese Art Nutzung bislang nicht breit durchgesetzt.
Die Autorin des Berichts ordnet Computer Vision in Alltagsgeräten eher als technische Spielerei ein. In ihrer Erfahrung sei die Erkennung zwar eindrucksvoll, aber im täglichen Gebrauch selten wirklich nützlich, wie etwa bei den Ray-Ban Meta AI-Brillen. Der sinnvollste Anwendungsfall könnte aus ihrer Sicht im Bereich Barrierefreiheit liegen, etwa um blinden oder sehbehinderten Menschen bei der Objekterkennung zu helfen. Ob OpenAI diesen Schwerpunkt setzen wird, geht aus dem Bericht allerdings nicht hervor.
Naheliegend wäre außerdem, dass ein Lautsprecher mit Kamera und Gesichtserkennung personalisierte Informationen ausspielen soll. Denkbar wäre etwa, dass Ihr an dem Gerät vorbeilauft und automatisch individuelle Daten wie Euren Kalender oder konfigurierbare Hinweise angezeigt oder vorgelesen bekommt. Ob Nutzer:innen OpenAI jedoch so weitreichenden Einblick in ihr Zuhause und ihre Gesichter gewähren wollen, bleibt eine offene Frage.
Mehr Hardware-Pläne: Lampe, Brille, Wearables
Der Bericht von The Information bleibt nicht beim Lautsprecher stehen. Demnach prüft OpenAI weitere Geräteklassen, darunter smarte Brillen und sogar eine smarte Lampe. Gerade die Lampe findet die Autorin bemerkenswert, zumal auch Apple bereits mit ähnlichen Konzepten experimentiert haben soll. Angesichts der eher überschaubaren neuen Funktionen beim Lautsprecher dämpft sie jedoch die Erwartungen.
Darüber hinaus soll OpenAI an mehreren Wearables arbeiten. Genannt werden ein Gerät in Form von Ohrhörern, ein Anhänger und sogar ein Stift. Insgesamt entsteht das Bild einer Strategie, bei der nahezu jede denkbare Geräteform infrage kommt – mit Ausnahme eines Smartphones. Die Autorin kommentiert dies spöttisch und spekuliert, dass OpenAI seine finanziellen Mittel künftig auch in skurrile Produkte wie „smarte Hosen“ stecken könnte.
Fest steht: OpenAI scheint sich nicht mehr nur als Anbieter von KI-Diensten zu verstehen, sondern testet offenbar gleich mehrere Wege in den Hardwaremarkt. Ob ein smarter Lautsprecher mit Kamera und Gesichtserkennung dafür der richtige Einstieg ist, müsst Ihr am Ende selbst beurteilen.
Via: https://gizmodo.com
