OpenAI will ChatGPT auf eine neue Stufe heben und zeigt, wie Apps künftig direkt in die Chat-Oberfläche eingebettet werden. Auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco kündigte CEO Sam Altman umfassende Neuerungen an.
Drittanbieter-Apps direkt in ChatGPT integrieren
Ab sofort steht Entwickelnden eine Vorschauversion eines App-SDKs zur Verfügung, mit der sie eigene Anwendungen direkt in ChatGPT entwickeln können. Die Verteilung dieser neuen Apps ist zunächst auf einige große Partner beschränkt. In der Live-Demo nutzte OpenAI Anwendungen von Spotify, Canva und Zillow direkt im Chat, die auf eingegebene Befehle reagieren. Beispielsweise konnte ein:e OpenAI-Softwareingenieur:in Canva anweisen, Poster für einen Hundesitter-Service zu erstellen, und anschließend eine Präsentation für Investor:innen anfordern. ChatGPT schlug daraufhin eine Stadt zur Expansion vor und mit der Zillow-App wurden passende Immobilien in dieser Stadt angezeigt. Die Ergebnisse ließen sich direkt im Chat weiter filtern, zum Beispiel nach Häusern mit drei Schlafzimmern und Garten.
Möglichkeiten für Entwickler:innen und Monetarisierung
OpenAI plant neue Wege, damit Entwickelnden ihre ChatGPT-Apps monetarisieren können – etwa durch direkte Einkäufe über den Chatbot. Sam Altman spricht von einem sogenannten „agentic commerce protocol“, mit dem bald ein schneller Checkout direkt in ChatGPT möglich sein soll. Bereits vor zwei Jahren bot OpenAI Möglichkeiten an, eigene Widgets oder GPTs zu erstellen. Seit dem Start des GPT Stores im Januar 2024 gibt es über drei Millionen eigene GPTs, doch der große Durchbruch blieb bislang aus. Informationen zu Umsatzbeteiligungen mit Partnern wie Canva, Zillow oder Spotify gab OpenAI bisher nicht bekannt.
Die neue SDK-Ankündigung zeigt, dass OpenAI stärker mit etablierten Unternehmen und App-Entwickelnden zusammenarbeiten will. Ziel ist es, Benutzende möglichst lange innerhalb von ChatGPT zu halten. Statt zwischen Web-Anwendungen und mobilen Apps zu wechseln, will OpenAI Chat und Apps zu einem neuen Betriebssystem vereinen. Nick Turley, Produktchef für ChatGPT, betont, dass OpenAI ursprünglich keinen klassischen Chatbot entwickeln, sondern eine echte digitale Assistenz schaffen wollte.
Neue Tools für Entwickler:innen und der Konkurrenzkampf
Entwickelnden erhalten ab sofort Zugang zu neuen Tools für die Entwicklung von KI-Agenten, darunter AgentKit, ein drag-and-drop Interface für anspruchsvolle KI-Werkzeuge. Auch für das Schreiben von Code erweitert OpenAI sein Angebot. Codex, das auf Codeschreiben spezialisierte Modell, verlässt die Forschungsphase und wird allgemein verfügbar – inklusive neuen Integrationen wie Code-Bearbeitung per Slack und Analytics-Tools für Unternehmen.
OpenAI steht im Wettbewerb mit Google, Anthropic und Amazon um die Gunst der Entwickelnden . Besonders Open-Source-Modelle von Mitbewerbern wie Meta oder DeepSeek stellen eine Herausforderung dar, da diese es erlauben, eigene Lösungen ohne OpenAIs APIs zu bauen. Im August veröffentlichte OpenAI erstmals seit Jahren das eigene Open-Source-Modell GPT-OSS und stellte das neue Top-Modell GPT-5 über die API bereit. Im September folgte ein Update des Codex-Modells, um der wachsenden Konkurrenz bei Coding-Modellen zu begegnen. Bereits im März brachte OpenAI Tools für den Bau eigener Agenten heraus.
Während das Unternehmen in immer mehr Rechenzentren investiert, bleibt die wirtschaftliche Tragfähigkeit generativer KI weiter ein Diskussionsthema. Aktuell plant OpenAI, 6 Gigawatt an AMD-Chips zu kaufen – ein Deal, der auch einen 10-Prozent-Anteil am Chip-Hersteller umfassen könnte. Sam Altman betonte auf der Keynote, dass OpenAI schon jetzt die Produktivität von Softwareentwickler:innen steigere und so die Nachfrage nach Rechenleistung weiter anziehe. Seiner Aussage nach war es nie schneller, aus einer Idee ein Produkt zu machen – die Beschleunigung spüre man heute in der Branche deutlicher denn je.
