Meta kehrt bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Instagram-Direktnachrichten wieder um. Damit steigt das Risiko für die Privatsphäre aller Nutzer:innen von Meta-Diensten.
Meta arbeitet seit 2019 daran, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) als Standard in Facebook Messenger einzuführen. Damals sprach der Konzern von einer anspruchsvollen technischen Aufgabe.
Meta erklärte, der Umstieg auf E2EE sei ein äußerst komplexes und herausforderndes technisches Puzzle. Man müsse nahezu den gesamten Code für Nachrichten und Anrufe von Grund auf neu schreiben.
Trotz dieser Hürden begann der Rollout im August 2023 und war bis Ende des Jahres abgeschlossen. Facebook Messenger bietet seitdem standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation.
Für Instagram-Direktnachrichten kündigte das Unternehmen ebenfalls E2EE an. Diese Funktion wurde schließlich umgesetzt, aber nur als freiwillige Option, versteckt tief in den Einstellungen. Kaum jemand wusste von der Möglichkeit und entsprechend gering war die Nutzung.
Eigentlich wäre der logische nächste Schritt gewesen, E2EE für Instagram-Direktnachrichten standardmäßig zu aktivieren, statt auf ein manuelles Opt-in zu setzen. Stattdessen hat Meta die Option nun komplett gestrichen.
Wie bereits vergangene Woche berichtet wurde, entfernt das Unternehmen die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Instagram-DMs in den kommenden Monaten vollständig.
Eine Meta-Sprecher:in erklärte gegenüber Wired und anderen Medien, nur sehr wenige Menschen hätten sich für Ende-zu-Ende-verschlüsselte Nachrichten in Direktnachrichten entschieden. Deshalb werde diese Option bei Instagram entfernt.
Das Technikmagazin Wired bezeichnet diese Begründung als ausgesprochen unehrlich. Der langjährige Sicherheitsexperte Davi Ottenheimer kommentiert, Meta habe die Funktion so gestaltet, dass sie kaum auffindbar sei, um sie dann wegen mangelnder Sichtbarkeit und damit geringer Nutzung wieder abzuschaffen. Er bezeichnet dieses Vorgehen als zutiefst zynisch.
Apple verweist bei dem Thema seit Jahren auf einen anderen Ansatz. Der Konzern hat sich wiederholt gegen staatliche Eingriffe in die Verschlüsselung gestellt und drohte sogar, iMessage aus dem britischen Markt zu nehmen, statt die Privatsphäre der Nutzer:innen zu schwächen. Die britische Regierung lenkte daraufhin ein und nahm Abstand von entsprechenden Plänen.
In der Praxis könnt Ihr Euch Eure Messenger-Dienste aber nicht frei aussuchen. Viele von Euch nutzen mehrere Apps parallel, weil Freundeskreise und Kontakte auf unterschiedlichen Plattformen unterwegs sind. Gerade deshalb betrifft Metas Entscheidung zur Verschlüsselung nicht nur Instagram-Fans, sondern potenziell alle, die in irgendeiner Form mit Meta-Diensten kommunizieren.
Die Kehrtwende bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Instagram-Direktnachrichten gefährdet direkt die Vertraulichkeit eines Teils Eurer Kommunikation. Gleichzeitig setzt Meta damit ein Signal, das für andere große Technikkonzerne zum Vorbild werden könnte. Wenn ein Marktführer Verschlüsselung zurückfährt, wächst der Druck, sich ähnlichen Forderungen zu beugen, statt konsequent für den Schutz der Privatsphäre einzutreten.
Das Ergebnis: Ihr müsst künftig noch genauer hinschauen, welche Messenger Ihr wofür nutzt – und damit leben, dass Ihr die Plattformen Eurer Kontakte oft nicht beeinflussen könnt.
Via: https://9to5mac.com
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