Via https://us.anker.com
Moderne Flugzeuge sind voll mit Geräten, die von Lithium-Ionen-Akkus angetrieben werden. Gleichzeitig steigen die Zwischenfälle mit überhitzenden Batterien deutlich an – die Luftfahrtbehörden reagieren.
Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hat mit der Sicherheitsmitteilung SAFO 25002 auf eine wachsende Gefahr durch Lithium-Akkus im Kabinenbereich hingewiesen. Allein im Jahr 2025 verzeichnete die Behörde bereits 50 Vorfälle auf US-Flügen, bei denen Lithium-Ionen-Batterien Rauch, Feuer oder extreme Hitze entwickelten. Einige dieser Ereignisse führten zu Verletzungen von Passagier:innen und zu Flugumleitungen.
Die Liste bestätigter Zwischenfälle zeigt, dass gut geschulte Kabinencrews viele Situationen eindämmen konnten, allerdings nicht ohne Schäden. Auf einem Flug von Madrid nach Dallas überhitzte beim Rollen ein Mobiltelefon, setzte Rauch frei und beschädigte den Kabinenboden, der Passagier wurde verletzt. In einem anderen Fall fing ein Akku-Pack in einem Rucksack auf einem Flug von New Orleans nach Chicago Feuer. Die Crew löschte mit Wasser, verstaute den Akku anschließend in einem thermischen Sicherheitsbeutel und der Flug wurde nach St. Louis umgeleitet. Ähnliche Ereignisse traten auch am Boden beim Boarding sowie bei der Ankunft auf. Jeweils mit überhitzenden oder brennenden Powerbanks und Ladegeräten, teils mit Verbrennungen bei Passagier:innen.
SAFO 25002 bekräftigt vorhandene FAA-Vorgaben wie die PackSafe-Regeln. Diese gestatten unter anderem die Mitnahme von Ersatzakkus nur im Handgepäck. Aber verlangen auch einen Schutz der Kontakte. Die Mitteilung ist rechtlich nicht bindend. Sie soll Airlines aber helfen, Risiken systematisch zu managen. Erstens sollen Betreiber Lithium-Akkus explizit in ihr Sicherheitsrisiko-Management integrieren, inklusive einer Bewertung, wie sich die Platzierung von Geräten in schwer einsehbaren Bereichen auf Erkennung und Reaktionszeit auswirkt. Zweitens empfiehlt die FAA eine Überarbeitung der Brandbekämpfungsabläufe und des Crewtrainings, da Halon-Zusatzlöscher zwar Flammen unterdrücken, aber keinen thermischen Durchgehvorgang stoppen. Wasser zum Kühlen der Zellen gilt als zentral, um ein Wiederaufflammen zu verhindern. Drittens sollen Airlines Passagier:innen und Crews gezielt über sicheres Verstauen, Schutz vor Kurzschlüssen und richtiges Melden von Überhitzung oder Rauch informieren.
Daten aus dem Thermal-Runaway-Incident-Programm der Organisation UL Standards & Engagement zeigen, dass Passagier:innen im Schnitt vier wiederaufladbare Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus an Bord bringen. Smartphones, Laptops, Kopfhörer und Tablets gehören zu den häufigsten Geräten, E-Zigaretten und Powerbanks sind besonders oft an Zwischenfällen beteiligt. 2023 verursachten E-Zigaretten 35 Prozent der gemeldeten Ereignisse, Powerbanks 16 Prozent.
Nach diesen Auswertungen ereignen sich 87 Prozent der Vorfälle direkt im Flugzeug, 13 Prozent beim Bewegen von Gepäck und persönlichen Gegenständen. Fast 60 Prozent der thermischen Durchgehvorgänge passieren in unmittelbarer Nähe des Sitzplatzes. In vielen Fällen greifen Crews ein, bevor es zu offenem Feuer oder Explosionen kommt. Über 85 Prozent der Ereignisse werden bereits bei Anzeichen wie Überhitzung oder Rauchentwicklung abgefangen, nur etwa 15 Prozent enden in einem Brand oder einer Explosion. Dennoch kann ein thermisches Durchgehen so schnell eskalieren, dass ohne rasches Eingreifen deutlich schwerere Schäden drohen würden.
Ein zusätzliches Problem: Ein relevanter Teil der Fluggäste missachtet weiterhin die PackSafe-Hinweise. Laut ULSE legen 27 Prozent der Reisenden tragbare Ladegeräte und E-Zigaretten ins Aufgabegepäck. Gerät dort ein Akku in den thermischen Durchgehvorgang, können die Crews nicht unmittelbar eingreifen, und Brände im Frachtraum werden später erkannt. Da dort weitere leicht entzündliche Gegenstände lagern, wächst das Risiko für das gesamte Flugzeug. Einige Airlines reagieren bereits mit restriktiveren Regeln, etwa einem Verbot der Nutzung von Powerbanks an Bord und der Vorgabe, diese im Handgepäck und idealerweise sichtbar in der Sitztasche zu verstauen.
Beim thermischen Durchgehen eines Lithium-Ionen-Akkus steigen die Temperaturen im Inneren innerhalb von Sekunden auf 500 bis 700 Grad Celsius. In Labortests wurden in wenigen Zentimetern Abstand zur Zelle Flammentemperaturen von über 1.100 Grad Celsius gemessen. Die Kunststoff- und Textilmaterialien in der Kabine können sich dabei sofort entzünden . In größeren Akku-Packs, etwa in Laptops, kann eine betroffene Zelle Nachbarzellen anstecken, die Branddauer verlängern und die Energiefreisetzung deutlich erhöhen. Gleichzeitig entweichen giftige und leicht entzündliche Gase unter Druck, oft in Form eines fackelähnlichen Strahls.
Die bestehende Anweisung der FAA legt daher Wert auf Kühlung mit viel Wasser statt ausschließlich auf Halon-Löscher. Halon schlägt Flammen nieder, senkt aber nicht die Temperatur der betroffenen Zelle, sodass sie bei erneutem Sauerstoffkontakt wieder aufflammen kann. Um Crews zu unterstützen, statten Airlines ihre Flugzeuge zunehmend mit speziellen Eindämmungssystemen aus. Dazu gehören hitzebeständige Säcke wie Aircare Firesock, die interne Temperaturen von bis zu 1.093 Grad Celsius aushalten sollen. Aber auch Wasser zum Kühlen des Geräts nehmen sie auf, sowie HOT-STOP-„L“-Kits. Diese bestehen aus mehreren hitzefesten Lagen und einem luftdichten Reißverschluss, um Rauch und Gase einzuschließen. AvSax-Beutel werden mit Wasser gefüllt, ihr Polymergel quillt auf, um das Gerät zu umschließen und abzukühlen, während Rauch und Flammen im Inneren bleiben.
Die steigende Zahl von Vorfällen macht deutlich, dass Lithium-Ionen-Akkus zu den dynamischsten Sicherheitsherausforderungen im Luftverkehr gehören. Geschulte Crews, spezialisierte Ausrüstung und klare Informationen für Passagier:innen tragen dazu bei, Risiken zu begrenzen, während Airlines und Behörden ihre Strategien laufend anpassen müssen.
Via: https://aerospaceglobalnews.com · https://www.ainonline.com
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