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macOS Golden Gate in der Beta: Starkes Update dank Siri-KI

macOS Golden Gate bringt viele sichtbare Änderungen vor allem an einer Stelle: bei Siri mit neuer KI. Ohne diese Funktion wäre das Update allerdings deutlich unspektakulärer.

Siri-KI macht den Unterschied

Abseits der neuen Siri-KI fallen die übrigen Anpassungen in macOS Golden Gate eher klein aus. Apple spricht von einer überarbeiteten Flüssigglas-Optik, weicheren Fensterkurven und einer neu gestalteten Seitenleiste. In der Praxis ist der Unterschied zu macOS Tahoe gering. Der Regler für Flüssigglas in den Systemeinstellungen verändert die Transparenz des Interfaces nur in einem sehr engen Bereich und wirkt deshalb kaum relevant.

Entscheidend ist daher Siri-KI. Schon in dieser frühen Fassung fühlt sich das System deutlich moderner an. Wer einmal damit gearbeitet hat, vermisst die Funktion sofort an einem Mac ohne Siri-KI. Besonders stark ist die Integration in den persönlichen Datenbestand. Ein Beispiel: Statt im Kalender nach einem lange zurückliegenden Konzerttermin zu suchen und parallel das Mail-Postfach nach Tickets zu durchsuchen, reicht eine Frage an Siri-KI. Das System findet Datum, Ort und die passende E-Mail und zeigt alles gebündelt an. Ähnlich praktisch ist das bei Routen mit mehreren Stopps. Statt in Karten umständlich Wegpunkte anzulegen, lässt sich eine Route mit Zwischenstopp, Datum und gewünschter Ankunftszeit in einem Schritt per Sprachbefehl planen. In einigen Fällen reagiert Siri-KI jedoch zögerlich, friert ein oder benötigt mehrere Anläufe, bevor ein Ergebnis erscheint.

Stärken und Schwächen der neuen Apple-Intelligenz

Siri-KI ist direkt in Spotlight eingebunden. Das ist sinnvoll, weil viele von Euch ohnehin dort nach Dateien oder Apps suchen. Gleichzeitig sorgt es aber für Reibung: Spotlight entscheidet zunächst, ob eine Eingabe eine klassische Suche oder eine Frage an Siri-KI ist und liegt damit nicht immer richtig. Ein Tastentrick hilft: Haltet nach dem Tippen Eurer Frage die Befehlstaste gedrückt, um explizit „Siri fragen“ auszulösen. Diese Kombination arbeitet zuverlässig und macht Siri-KI schnell zu einem festen Bestandteil des Workflows – zumindest, wenn es um Informationen auf Mac, iPhone oder iPad geht.

Sobald Apple von „Weltwissen“ spricht, zeigt sich hingegen eine klare Grenze. Bei Recherchen zu älteren Artikeln etwa findet Siri-KI relevante Beiträge nicht immer oder listet sie ohne funktionierende Links. Teilweise verweisen Links auf andere Seiten, obwohl Thema und Beschreibung korrekt wirken. Diese Art von Ungenauigkeit ist bei KI-Suchen bekannt. Positiv fällt dagegen auf, dass Siri-KI lokal gespeicherte Notizen zuverlässig wieder aufspürt, selbst wenn Ihr sie längst vergessen habt. Kurz gesagt: Für Inhalte auf Euren Geräten ist Siri-KI sehr hilfreich, im Web-Suchbereich eher durchwachsen.

Parallel zu Siri-KI bringt macOS Golden Gate weitere Funktionen der Apple-Intelligenz. In Fotos könnt Ihr unter „Bearbeiten“ und „Werkzeuge“ Bilder neu rahmen oder erweitern. Mit passenden Motiven klappt die Erweiterung des Hintergrunds beeindruckend gut. Das System vergrößert nicht nur Holzflächen oder ähnliche Strukturen, sondern passt auch Lichtsituationen an, etwa indem es eine Seite des Bildes heller erscheinen lässt. Gelegentlich verändert die KI zudem die Körperhaltung, etwa durch hinzugefügte verschränkte Arme. Beim Neurahmen lassen sich Perspektiven ändern, zum Beispiel ein leichter Low-Angle-Effekt. Je nach Bild entsteht dabei aber auch ungewollte Verzerrung, etwa eine unproportioniert verlängerte Hals-Partie.

Kurzbefehle, Telefon-App und Optik im Alltagstest

Deutlich verändert präsentiert sich die App Kurzbefehle. Auf Mac, iPhone und iPad dominiert nun ein großer Button für neue Kurzbefehle in natürlicher Sprache. Wer lieber manuell baut, muss diesen Einstieg aktiv umgehen. Für viele wird dieser Weg aber ein guter Einstieg sein. Inhaltlich überzeugt die Funktion nicht durchgehend. Positiv: Auf dem iPhone lassen sich komplexere Automationen wie ein regelmäßiger Wechsel des Hintergrundbilds zu festen Zeiten korrekt erzeugen. Auf dem Mac kann ein beschriebener Kurzbefehl Zeitangaben in Minuten automatisch in Stunden-Minuten-Sekunden-Format umrechnen und direkt in die Zwischenablage kopieren – ein Wunsch, der sich bisher nur schwer abbilden ließ.

Andererseits scheitert Kurzbefehle weiterhin an bekannten Grenzen. Ein schon lange gewünschter Kurzbefehl zum Wechsel von Tab-Gruppen in Safari wird zwar beschrieben, aber intern falsch umgesetzt. Statt Tab-Gruppen zu steuern, versucht der erzeugte Kurzbefehl beispielsweise „Nicht stören“ zu aktivieren. Selbst manuell gebaute Kurzbefehle mit Tab-Gruppen scheitern wie bisher mit einer Fehlermeldung, die nun konkreter von einem Kommunikationsproblem mit der App spricht. Hintergrund ist offenbar die fehlende Unterstützung in der Automatisierungsschnittstelle von Safari, die weiterhin keinen Zugriff auf Tab-Gruppen bereitstellt. Kurzbefehle zeigt damit gelegentlich typische KI-Eigenschaften: überzeugendes Auftreten trotz falscher Ergebnisse. In anderen Fällen, etwa beim Versuch, Anrufe per Kurzbefehl anzunehmen, lehnt die App eine Umsetzung klar ab.

Die Telefon-App auf dem Mac bleibt ein weiteres Problemfeld. Sie wurde mit macOS Tahoe eingeführt, wirkt aber auch in Golden Gate unfertig. Anrufe lassen sich zwar am Mac annehmen, Benachrichtigungen erscheinen jedoch mitunter so spät, dass Anrufer:innen bereits aufgelegt haben. Selbst bei rechtzeitigem Hinweis reagiert der Annehmen-Button nicht immer zuverlässig. Standardmäßig ist außerdem kein Mikrofon für die Telefon-App ausgewählt. Unabhängig von den Systemeinstellungen müssen Nutzer:innen im Menü „Video“ explizit ein Mikrofon festlegen, obwohl es sich eigentlich um eine Telefon-Anwendung handelt. Tastenkombinationen zum Annehmen oder Beenden von Anrufen fehlen, und Kurzbefehle können diese Aufgabe ebenfalls nicht übernehmen.

Optisch bringt macOS Golden Gate einige subtile Veränderungen. Flüssigglas lässt sich zwar regulieren, fällt aber kaum ins Gewicht. App-Symbole im Dock wirken etwas präsenter, vor allem transparente Symbole. Menüs wurden von der Vielzahl kleiner Symbole befreit, wodurch sie aufgeräumter erscheinen. Zusammengenommen wären diese Anpassungen für sich genommen ein sehr kleines Update. Erst durch Siri-KI und die neuen KI-Funktionen in Fotos und Kurzbefehle wird macOS Golden Gate zu einem deutlich spürbaren Schritt nach vorn.

Vorteile:

  • Siri-KI ist für Informationen auf dem eigenen Gerät sehr hilfreich
  • Natürlichsprachige Kurzbefehle funktionieren oft überzeugend
  • Fotos erhält praxisnahe KI-Werkzeuge für Bildanpassungen
  • Optische Detailverbesserungen sorgen für mehr Klarheit

Nachteile:

  • Siri-KI liefert bei Weltwissen schwache Ergebnisse
  • Flüssigglas-Regler bietet nur geringen Spielraum
  • Kurzbefehle in natürlicher Sprache liegen teils deutlich daneben
  • Alte Kurzbefehle-Fehler, etwa bei Safari-Tab-Gruppen, bleiben bestehen
  • Telefon-App wirkt unvollständig und wenig integriert

macOS Golden Gate Beta-Bewertung: 4 von 5

Via: https://appleinsider.com

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Michael Reimann

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