Mit dem MacBook Neo geht Apple erstmals deutlich unter die bisherige 999‑Dollar‑Grenze für eigene Notebooks. Das Gerät zielt klar auf Einsteiger:innen, Bildung und Windows-Wechsler:innen.
Preis, Zielgruppe und ein deutliches Signal
699 Euro für ein neues MacBook, das kein Billigschrott ist: Das ist die zentrale Botschaft des MacBook Neo, auch wenn Apple es nicht so nennt. Bisher hat Apple den Markt unter 1.000 US‑Dollar (rund 920 Euro) nur am Rand bedient, etwa mit der Basiskonfiguration des M1 MacBook Air aus dem Jahr 2020, die bei Händler:innen wie Walmart zeitweise unter 700 US‑Dollar (rund 640 Euro) zu haben war. In den eigenen Stores blieb der Einstieg aber stets bei 999 US‑Dollar (rund 920 Euro).
Mit dem MacBook Neo ändert sich das grundlegend. Für 699 Euro gibt es das Basismodell, für 799 Euro eine Variante mit Touch ID und 512 statt 256 GB Speicher. Aus Bildungssicht ist vor allem der rabattierte Preis interessant: Mit Bildungsrabatt kostet das Basismodell 599 Euro und damit die Hälfte des M5 MacBook Air, das regulär 1.099 US‑Dollar (rund 1.010 Euro) und im Bildungsbereich 999 US‑Dollar (rund 920 Euro) kostet. Touch ID wirkt in diesem Kontext verzichtbar, besonders bei gemeinsam genutzten Schul-Notebooks.
Apple betont zugleich, dass der Mac weiterhin wächst, weil „fast die Hälfte der Mac-Käufer:innen neu auf der Plattform ist“. Der bisherige Hinderungsgrund für viele potenzielle Wechsler:innen war klar: der Preis. Desktop-Modelle wie der Mac mini sind zwar günstig, aber die meisten Käufer:innen wollen eben Laptops. Unterhalb von 999 US‑Dollar wollte Apple bislang nichts anbieten, das nicht dem Anspruch „Wir liefern keinen Schrott“ widerspricht.
Verarbeitung, Ausstattung und klare Kompromisse
Im direkten Vergleich mit einem 14‑Zoll‑Notebook von HP in ähnlicher Preisklasse (rund 550 US‑Dollar, also etwa 510 Euro, mit Intel Core 5) wird deutlich, worauf Apple setzt. Laut Eindruck vor Ort bietet das HP-Gerät ein dunkles, niedrig auflösendes Display, schwache Lautsprecher, mäßige Tastatur und ein schlechtes Trackpad in einem dicken, schweren Kunststoffgehäuse. Der Unterschied in Anmutung und Qualität ist schon ohne Einschalten klar sichtbar.
Das MacBook Neo wirkt dagegen wie ein vollwertiges MacBook: Gehäuse aus Aluminium, eine gute Tastatur ohne Hintergrundbeleuchtung, die laut Apple auf dem Mechanismus aktueller MacBooks seit 2019 basiert, und ein präzises Trackpad ohne Force Touch, das jedoch überall klickbar ist. Das Display erreicht laut Apple 500 Nits Helligkeit wie das MacBook Air, nutzt aber „nur“ den sRGB-Farbraum und ist mit 13,0 Zoll etwas kleiner als das 13,6‑Zoll‑Panel des Air. Für Käufer:innen, die den Unterschied zwischen sRGB und P3 nicht kennen oder nicht brauchen, zählt vor allem, dass das Display hell und scharf wirkt und deutlich besser als viele PC-Bildschirme in dieser Preisklasse.
Die Lautsprecher sitzen seitlich und klingen überraschend gut. Mit eingeschaltetem Gerät werden die Unterschiede bei Display und Sound gegenüber typischen Windows-Notebooks dieser Klasse noch deutlicher, hinzu kommt macOS statt Windows. Apple positioniert das Neo klar als ernstzunehmendes Consumer‑Gerät, nicht als Lockangebot, um Käufer:innen zum MacBook Air hochzuverkaufen.
Neu ist auch, dass Apple für diesen Preis kein altes Modell weiterverkauft, sondern ein komplett neues Gerät entwickelt hat. Dazu gehören ein neu konstruiertes Trackpad, das geprägte statt glänzende Apple-Logo auf der Rückseite und Farbausführungen wie „Blush“ (Pink), „Citrus“ (Gelb) und „Indigo“ (Blau). Die Tastaturen sind jeweils leicht farblich angepasst, nur beim silbernen Modell sind die Tasten wirklich weiß.
Technische Grenzen und durchdachte Einsparungen
Die Kompromisse sind offen sichtbar, aber gezielt gesetzt. 8 GB Arbeitsspeicher sind nicht üppig, reichen mit Apple‑Silicon-Architektur aber für typische Alltags- und Produktivitätsaufgaben. Spannend ist die Schnittstellensituation: Das MacBook Neo basiert auf dem A18‑Pro-Chip und ist das erste Apple-Gerät mit A‑Serie, das zwei USB‑C‑Anschlüsse bietet. Einer der beiden Ports unterstützt jedoch nur USB‑2.0‑Geschwindigkeit mit 480 Mbit/s. Beide Buchsen sehen identisch aus und sind nicht markiert. Wer ein externes Display an den „falschen“ Port anschließt, erhält aber eine Bildschirmbenachrichtigung mit dem Hinweis auf den anderen Anschluss. Ideal ist das nicht, für diese Preisklasse aber wohl vertretbar.
Im Marktgefüge eröffnet das Neo eine neue Stufe. Das Basismodell kostet genauso viel wie ein iPhone 17e, zusammen liegen iPhone und MacBook bei 1.200 US‑Dollar (rund 1.100 Euro) und damit nur rund 100 US‑Dollar (rund 90 Euro) über dem Einstieg ins M5 MacBook Air. Gleichzeitig wirkt der Unterschied zur Premium-Seite des Portfolios deutlich: Das 13‑Zoll‑Magic Keyboard für das iPad Pro kostet 350 US‑Dollar (rund 320 Euro). Für 250 US‑Dollar (rund 230 Euro) mehr bekommt Ihr nun ein komplettes 13‑Zoll‑MacBook Neo mit Display, Lautsprechern und vollwertigem Rechner.
Apple sendet mit dem Preis von 699 Euro ein klares Signal an die PC‑Branche. Das MacBook Neo soll mehr als nur ein Nischenprodukt sein und den Anteil des Mac am gesamten PC‑Markt spürbar ausbauen.
