Im Chelsea and Westminster Hospital in London kommt erstmals erweiterte Realität mittels Apple Vision Pro vor einer Endometriose-Operation zum Einsatz. Ziel ist es, Betroffene besser über den Eingriff und ihre Erkrankung zu informieren.
Das Chelsea and Westminster Hospital nutzt erweiterte Realität der Apple Vision Pro, um Patient:innen vor einer Operation anschaulich zu zeigen, was in ihrem Körper passiert. Die Technologie blendet digitale Bilder in die reale Umgebung ein, sodass anatomisch präzise 3D-Modelle über das Headset sichtbar werden.
Die visuelle Lösung wurde vom Unternehmen Medical iSight entwickelt. Sie soll Betroffenen helfen, komplexe chirurgische Verfahren leichter zu verstehen. Während der Aufklärung vor der Operation können Ärzt:innen gemeinsam mit den Patient:innen einen virtuellen Blick auf die betroffenen Bereiche werfen.
Die 34-jährige Aga Mizgala gehört zu den ersten Menschen, die dieses System nutzen. Sie lebt seit rund sieben Jahren mit Verdacht auf Endometriose und beschreibt ihre Schmerzen als Gefühl „wie eine Million kleiner Nadeln“. Für sie ist es hilfreich, die Erklärungen des Operationsteams mit konkreten Bildern zu verknüpfen.
Laut Weltgesundheitsorganisation lebt etwa eine von zehn Frauen mit Endometriose. Die Erkrankung gilt als unheilbar und entsteht, wenn gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter im Körper wächst.
Das Krankenhaus setzt die Technik ein, um genau zu zeigen, welche Areale mit Endometriose bei der Operation entfernt werden könnten. Durch die gemeinsame virtuelle Ansicht soll medizinische Fachsprache verständlicher werden, damit Patient:innen informierter und selbstbewusster über ihre Behandlung entscheiden können.
Aga berichtet, wie stark die Symptome ihren Alltag prägen. Die Schmerzen im Becken seien vom Aufstehen bis zum Schlafengehen präsent, sie könne sich kaum auf die Arbeit konzentrieren und musste wegen der Beschwerden bereits beruflich aussetzen. Verschiedene Behandlungen wie Medikamente, Akupunktur oder Beckenboden-Physiotherapie brachten ihr bisher keine Linderung.
Ihr Fall steht stellvertretend für viele Betroffene. Laut einem neuen Bericht der Wohltätigkeitsorganisation Endometriosis UK dauert es im Durchschnitt neun Jahre und vier Monate bis zur Diagnose. 39 Prozent der Befragten mussten zehnmal oder häufiger ihre Hausarztpraxis aufsuchen, bevor überhaupt an Endometriose gedacht wurde. 46 Prozent der Patient:innen, die ein Krankenhaus aufsuchten, wurden ohne Behandlung wieder nach Hause geschickt.
Aga fühlte sich im Gesundheitssystem häufig nicht ernst genommen. Sie schildert, ihr sei oft gesagt worden, es handle sich um etwas anderes, das wieder verschwinde, oder sie solle einfach Schmerzmittel einnehmen. Für sie sei die Situation jedoch nie wirklich in Ordnung gewesen.
Dr. Tom Bainton, Oberarzt für Gynäkologie mit Schwerpunkt Endometriose im Chelsea and Westminster Hospital, erklärt, die Erkrankung trete am häufigsten im Becken auf und betreffe dabei die Eierstöcke oder das Bauchfell. Sie könne sich jedoch auch auf umliegende Strukturen wie Darm und Harnwege ausdehnen und gelegentlich sogar außerhalb des Beckens auftreten. In seltenen Fällen sei Endometriose am Zwerchfell oder im Brustkorb gefunden worden.
Ziel der Operation sei stets, das erkrankte Gewebe zu entfernen und zugleich gesunde Organe zu erhalten. Das sei oft anspruchsvoll, weil Endometriose zu Verhärtungen führen und in benachbarte Strukturen einwachsen könne.
Die neue 3D-Visualisierung verändere laut Bainton das Gespräch mit den Patient:innen grundlegend. Statt einfachen Zeichnungen könnten Ärzt:innen nun gemeinsam mit den Betroffenen die anatomischen Veränderungen im Detail durchgehen. So würden Erkrankung und geplanter Eingriff transparenter und besser nachvollziehbar.
Via: https://www.bbc.com
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