Ich habe in den letzten Wochen den Laifen P3 Pro ausprobiert. Wenn Apple einen Rasierer bauen würde – so oder so ähnlich lauten die Überschriften, wenn es um den neuen Laifen P3 Pro geht.
Ich habe mir das gehypte Gadget, das in den sozialen Medien als Design-Revolution gefeiert wird, genauer angesehen. Ist er nur ein hübsches Accessoire für den Spiegelschrank oder kann er auch im harten Bart-Alltag überzeugen?
Lange war der Markt für Elektrorasierer optisch konservativ geprägt: Viel Plastik, klobige Ladestationen und Designs, die eher an Werkzeuge als an Lifestyle-Produkte erinnerten. Dann kam Laifen, die ich hier und hier schon ausprobiert habe. Eigentlich ist Laifen bekannt für Haartrockner, die verdächtig nach Dyson aussehen. Mit dem Laifen P3 Pro und dem kleineren Bruder T1 Pro verspricht der Hersteller nicht weniger als eine Revolution. Unibody-Gehäuse, magnetische Aufsätze und ein Motor, der durch ein Sichtfenster beobachtet werden kann. Aber rechtfertigt das den Preis und den Hype?
Ausgepackt: Unboxing à la Cupertino
Schon beim Anblick der Verpackung wird klar, welche Zielgruppe Laifen im Visier hat. Wer schon einmal ein iPhone oder MacBook ausgepackt hat, wird sich hier sofort zu Hause fühlen. Die Box ist minimalistisch, strahlend weiß und verzichtet auf unnötige Aufdrucke oder knallige Farben. Statt lästigem Klebeband gibt es die bekannten „Pull-Tabs“ zum Aufreißen – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Das Erlebnis zelebriert den Inhalt, noch bevor man das Gerät überhaupt in der Hand hält.
Im Inneren präsentiert sich der Laifen P3 Pro wie ein Schmuckstück. Kein Plastik, kein Styropor. Der Rasierer liegt schwer und kühl in der Hand. Das Gehäuse besteht aus einem einzigen Block eloxiertem Aluminium, also Unibody, was in dieser Produktkategorie absolut unüblich ist. Die Verarbeitung ist makellos; Spaltmaße sucht man vergebens. Besonders auffällig: Es gibt keine sichtbaren Schrauben an der Außenseite, was den monolithischen Eindruck verstärkt. Das Design ist kantig, fast architektonisch, mit abgerundeten Ecken – erinnert ein wenig an das aktuelle iPad Pro Design.
Zum Lieferumfang gehören neben dem Rasierer selbst ein hochwertiges, stoffummanteltes USB-C-Kabel (endlich!), eine kleine Reinigungsbürste und die obligatorische Anleitung. Ein Netzteil fehlt, wie mittlerweile üblich. Was uns im ersten Moment fehlt, ist ein Reiseetui – bei einem Gerät, das so sehr „Premium“ schreit und auch für unterwegs beworben wird, wäre das eine schöne Beigabe gewesen. Dennoch: Der erste Eindruck ist ein definitives „Wow“. Man hat sofort das Gefühl, ein Stück Technik in der Hand zu halten, das in eine andere Liga gehört als der typische Drogerie-Rasierer.
Die Daten: High-Tech unter der Haube
Lassen wir die Ästhetik kurz beiseite und schauen auf die nackten Zahlen, denn ein Rasierer muss primär rasieren. Der Laifen P3 Pro ist vollgepackt mit interessanter Technik. Das Herzstück bildet ein duales lineares Motorsystem. Statt eines einzigen Motors arbeiten hier zwei Einheiten zusammen, die die Scherblätter mit beeindruckenden 12.000 Zyklen pro Minute (CPM) antreiben. Laifen wirbt zwar teilweise mit 24.000 Schneidbewegungen, aber physikalisch sind es 12.000 Hin- und Herbewegungen – was immer noch sehr schnell ist und für eine extrem saubere Rasur sorgen soll.
Der Scherkopf selbst ist ebenfalls eine Besonderheit. Er ist magnetisch befestigt und lässt sich mit einem satten „Klack“ abnehmen und aufsetzen – ganz ohne fummelige Clips oder Haken, die abbrechen könnten. Das Schersystem besteht aus drei Elementen: zwei äußeren Scherfolien für kurze Stoppeln und einem mittleren Trimmer für längere, flachanliegende Haare. Die Scherfolien sind aus hochwertigem Edelstahl mit geringem Nickelgehalt gefertigt, was Allergiker freuen dürfte.
Ein weiteres Highlight ist die IPX7-Zertifizierung. Das bedeutet, der Rasierer ist wasserdicht und kann problemlos unter der Dusche verwendet oder unter fließendem Wasser gereinigt werden. Der Akku bietet laut Hersteller bis zu 100 Minuten Laufzeit – ein sehr ordentlicher Wert, der im Urlaub das Ladegerät zumeist überflüssig macht. Geladen wird, wie erwähnt, über einen USB-C-Port an der Unterseite, was ihn zum perfekten Reisebegleiter für alle macht, die ohnehin nur noch USB-C-Kabel dabei haben.
Das Gewicht von ca. 179 Gramm unterstreicht die Wertigkeit, ohne zu schwer zu wirken.
Laifen hat eine UVP von 199,99 Euro aufgerufen. Bei Amazon finden wir den Laifen P3 Pro aktuell für 149,99 Euro, also 25 Prozent günstiger.
Im Alltag: Glätte, Gefühl und Geräuschkulisse
Wie schlägt sich der Design-Bolide nun im täglichen Einsatz? Nach dem Einschalten über den seitlichen Button fällt sofort das Geräusch auf. Es ist kein typisches „Rattern“, sondern eher ein hohes, nahezu futuristisches Surren. Die zwei Motoren arbeiten extrem vibrationsarm, was die Handhabung sehr angenehm macht.
Auf der Haut fühlt sich der P3 Pro überraschend sanft an. Die Scherfolien gleiten mühelos über die Wangen und den Hals. Hier zahlt sich die hohe Motorleistung aus: Es gibt kein Ziepen oder Reißen, selbst bei einem Drei-Tage-Bart. Die Rasur ist gründlich und kommt der Glätte einer Nassrasur erstaunlich nahe, auch wenn absolute Perfektionisten im direkten Vergleich mit einem 6-Klingen-Monster von Panasonic vielleicht noch einen minimalen Unterschied spüren könnten. Für den Alltag und das Büro ist das Ergebnis jedoch absolut tadellos. Ich verwende hier gerne das umgangssprachliche: „Baby-Popo-Glatt“.
Besonders positiv ist die Hautverträglichkeit. In meiner Nutzung gab es keinerlei Rötungen oder Rasurbrand, was vermutlich an der Kombination aus scharfen Klingen und geringem Anpressdruck liegt. Der Rasierer „schwimmt“ förmlich über die Haut. Ein nettes Gimmick ist das Sichtfenster auf der Vorderseite, durch das man die Motoren arbeiten sieht – funktional unnötig, aber für Tech-Nerds ein Fest.
Die Reinigung ist denkbar einfach: Magnetkopf abziehen, unter fließendem Wasser ausspülen, fertig. Da der gesamte Korpus wasserdicht ist, muss man hier keine unnötige Vorsicht walten lassen.
Kritikpunkte: Wo Licht ist, ist auch Schatten
Trotz aller Begeisterung ist nicht alles Gold, was glänzt; oder in diesem Fall: eloxiertes Aluminium ist. Zwei Punkte sind uns im Test negativ aufgefallen, die potenzielle Käufer bedenken sollten.
Erstens: Die Ergonomie des Block-Designs. So schick der quaderförmige Unibody-Block auch aussieht, ergonomisch ist er nicht der Weisheit letzter Schluss. Klassische Rasierer haben oft gummierte Griffflächen und eine taillierte Form, die sicher in der Hand liegt. Der Laifen P3 Pro hingegen ist glatt und kantig. Besonders wenn man ihn unter der Dusche mit nassen Händen oder Rasierschaum benutzt, kann er zur rutschigen Angelegenheit werden. Man muss ihn fester greifen, was auf Dauer etwas anstrengender sein kann als bei einem ergonomisch geformten Plastikbomber. Hier hat das Design gemäß Form over Function klar Vorrang gehabt.
Zweitens: Der fehlende Langhaarschneider. Der P3 Pro ist ein reiner Folienrasierer. Er besitzt keinen ausklappbaren Trimmer auf der Rückseite, um Koteletten zu stutzen oder Konturen sauber nachzuziehen. Zwar schafft der mittlere Trimmer im Scherkopf etwas längere Haare, aber für präzises Styling an den Koteletten ist er zu breit und ungenau. Wer also Wert auf akkurate Bartkonturen legt, muss entweder zu einem separaten Gerät greifen und sich den kleineren Laifen T1 Pro ansehen, der wechselbare Aufsätze bietet – beim P3 Pro fehlen diese „out of the box“.
Fazit und Empfehlung
Der Laifen P3 Pro ist zweifellos einer der spannendsten Rasierer der letzten Jahre. Er bricht mit den Konventionen des Marktes und bringt frischen Wind in das angestaubte Badezimmer-Regal. Die Verarbeitung ist auf einem Niveau, das man sonst nur von Premium-Smartphones kennt, und die Rasierleistung ist exzellent – sanft, gründlich und schnell. Besonders für Apple-Nutzer, die Wert auf eine einheitliche Designsprache ihrer Gadgets legen, ist dieses Gerät fast schon ein Pflichtkauf.
Er ist jedoch kein perfekter Allrounder. Das Fehlen eines Detail-Trimmers und die etwas gewöhnungsbedürftige Ergonomie sind Kompromisse, die man für das Design eingehen muss.
Für wen ist er also geeignet? Wenn du einen zuverlässigen, extrem schicken Rasierer für die tägliche Glattrasur suchst, viel reist (dank USB-C und Travel-Lock) und Design liebst, dann ist der P3 Pro eine klare Empfehlung. Er macht die morgendliche Routine zu einem kleinen Tech-Erlebnis. Wer jedoch komplexe Bartstyles pflegt oder vor allem auf maximale Ergonomie setzt, ist eventuell bei den klassischen Platzhirschen besser aufgehoben.
Der Laifen P3 Pro ist das „MacBook Pro“ unter den Rasierern – wunderschön, leistungsstark und ein Statement. Und genau deshalb eine Empfehlung!
Der Laifen P3 Pro wurde uns von Laifen für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an den Hersteller.
Mit dem Kauf oder Download über Links in diesem Artikel unterstützt Du Apfeltalk mit einem kleinen Teil des unveränderten Kaufpreises. Um mehr über die Refinanzierung von Apfeltalk zu erfahren, klicke bitte hier.
Bilder Autor und Laifen