Der KI-Gipfel in Neu-Delhi wird von Organisationsproblemen und Skandalen überschattet. Neben Verkehrsstörungen gab es überraschend viele prominente Rücktritte – darunter auch Bill Gates.
Bill Gates sagt Teilnahme nach Epstein-Veröffentlichungen ab
Bill Gates, Mitgründer von Microsoft, sagte seinen Auftritt beim „AI Impact Summit“ in Neu-Delhi kurzfristig ab. Hintergrund sind kürzlich veröffentlichte Dokumente im Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Laut einer Mitteilung der Gates-Stiftung will Gates mit seiner Absage dafür sorgen, dass der Fokus des Gipfels bei den zentralen Themen bleibt. Weitere Gründe wurden nicht genannt. Eigentlich war eine Rede von Gates für denselben Tag angekündigt.
Ende Januar hatte das US-Justizministerium neue Akten im Epstein-Fall veröffentlicht, darunter Korrespondenz zwischen Epstein und Mitarbeitenden der Gates-Stiftung. Gates hatte stets betont, seine Begegnungen mit Epstein seien ein Fehler gewesen und hätten sich ausschließlich auf philanthropische Themen beschränkt.
Mehrere Rückzüge und Betrugsvorwürfe
Nicht nur Bill Gates sagte seine Teilnahme ab. Auch Jensen Huang, Vorstandsvorsitzender des weltweit größten Chipherstellers Nvidia, kündigte wenige Tage zuvor an, wegen „unvorhersehbarer Umstände“ nicht anreisen zu können.
Für Aufregung sorgte zudem ein Betrugsskandal um einen Roboterhund. An einem Stand einer indischen Privatuniversität präsentierte man den Hund zunächst als eigene Entwicklung. Schnell stellte sich heraus, dass es sich in Wahrheit um das Produkt eines chinesischen Herstellers handelte. Regierungsvertreter:innen bezeichneten diesen Vorfall als äußerst peinlich. Die politische Opposition kritisierte, Indien habe sich durch solche Vorfälle international blamiert.
Verkehrsprobleme, Internetstörungen und hochrangige Ankündigungen
Die Veranstaltung war auch organisatorisch von Problemen geprägt. Straßensperrungen führten zu starken Verkehrsbehinderungen in Neu-Delhi. Laut Berichten in sozialen Medien mussten Konferenzteilnehmende zum Teil mehrere Kilometer zu Fuß zum Veranstaltungsort zurücklegen, da es keinen Shuttle-Service gab.
Zusätzlich blieben die Ausstellungshallen am Donnerstag überraschend geschlossen. Unternehmen konnten ihre geplanten Präsentationen nicht durchführen. Gleichzeitig wurden Internetprobleme gemeldet – ein besonders unangenehmes Problem bei einer Veranstaltung zu Künstlicher Intelligenz.
Trotz der Rückzüge und Pannen sprachen hochrangige Gäste wie Indiens Premierminister Narendra Modi und der französische Präsident Emmanuel Macron. Modi betonte vor allem den Schutz von Kindern und einen familiengerechten Umgang mit KI. UN-Generalsekretär António Guterres appellierte daran, dass die Entwicklung und Nutzung von KI dem Allgemeinwohl dienen sollte und nicht wenigen Mächtigen oder Ländern vorbehalten bleiben dürfe.
Der Gipfel diente auch als Plattform für neue Kooperationen. So vereinbarten der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger und Indiens Minister für Elektronik und Informationstechnologie Ashwini Vaishnaw eine intensivere Zusammenarbeit im Bereich Künstliche Intelligenz. Ziel ist es unter anderem, den Fachkräfteaustausch zu erleichtern. Indische Konzerne wie Adani und Reliance kündigten Investitionen im Wert von insgesamt 210 Milliarden US-Dollar (rund 194 Milliarden Euro) für KI-Infrastruktur an. Zudem wollen internationale Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services, Google und Microsoft ihre Investitionen in Indien weiter ausbauen.
Via: https://www.tagesschau.de
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