Wer einen Jobwechsel plant, sollte seine Zeit nicht ausschließlich ins Schreiben von Bewerbungen investieren. Expert:innen empfehlen, stattdessen auf den Aufbau eines Netzwerks zu setzen.
Herausforderungen auf dem aktuellen Arbeitsmarkt
Trotz des viel zitierten Fachkräftemangels ist die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle schwierig. Besonders junge Akademiker:innen benötigen laut einer Stepstone-Auswertung im Schnitt 40 versendete Bewerbungen, um überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Für jede einzelne Bewerbung wenden sie durchschnittlich sieben Stunden auf. Das kann zu Enttäuschungen führen, wenn nach dem Gespräch doch keine Zusage erfolgt. Auch in den USA ist die Situation nicht besser: Dort sind rund 58 Prozent der Hochschulabsolvent:innen auch ein Jahr nach ihrem Abschluss noch ohne erste Stelle.
Alan Stein, ehemaliger Mitarbeiter großer Technologieunternehmen wie Facebook, Google und Salesforce, empfiehlt deshalb einen Strategiewechsel. Als Geschäftsführer von Kadima Careers – einem Coaching-Anbieter für Jobsuchende im höheren Gehaltssegment – rät er zur sogenannten „Fünf-Gespräche-Regel“. Diese besagt, dass Ihr pro Woche mindestens fünf Gespräche mit Personen aus den Zielunternehmen führen solltet. Ziel dabei ist nicht, direkt nach Jobs zu fragen, sondern Beziehungen aufzubauen und Interesse am Gegenüber zu zeigen. Stein betont, der Fokus solle darauf liegen, mehr über die Gesprächtspartner:innen zu erfahren und Kontakt zu halten.
Bewerbungsstrategie konsequent überdenken
Auch Aaron Cleavinger, Geschäftsführer der auf Führungskräfte spezialiserten Murdoch Mason Executive Search Group, rät zu einem Umdenken. Seiner Einschätzung nach wenden viele Jobinteressierte rund 80 bis 90 Prozent ihrer Zeit auf das Schreiben von Bewerbungen auf, jedoch führen lediglich etwa drei Prozent dieser Aktionen zu einem Vorstellungsgespräch. Seine Faustregel lautet, das Verhältnis der investierten Zeit an die Erfolgsquote anzupassen: Wenn drei Prozent der Bewerbungen Erfolg bringen, sollte auch nicht mehr als drei Prozent der Zeit dafür verwendet werden.
Kontakte können entscheidend sein: Wer frühzeitig mit potenziellen Arbeitgeber:innen spricht oder auf offene Stellen hingewiesen wird, profitiert oft mehr als durch klassische Bewerbungen. Es kann sogar helfen, schon vor einer offiziellen Ausschreibung in Kontakt zu treten. So steigt die Chance, im Bewerbungsprozess aufzufallen. Auch kleine Vorteile können dabei auf einem hart umkämpften Arbeitsmarkt den Unterschied machen.
Beziehungen schaffen nachhaltige Vorteile
Laut Cleavinger beginnt erfolgreiches Netzwerken idealerweise dann, wenn kein direkter Bedarf besteht – also solange Ihr noch fest angestellt seid. Ohne den Druck, sofort Ergebnisse erzielen zu müssen, lassen sich solche Gespräche entspannter führen. Schon wenige Kontakte pro Woche – etwa mit ehemaligen Kolleg:innen, Kund:innen oder Geschäftspartner:innen – können entscheidende Impulse geben. Wer echtes Interesse zeigt, muss nicht mit einer direkten Anfrage nach einem Job enden, sondern kann gezielt nach weiteren Ansprechpersonen fragen. Laut Stein entstehen durch konsequentes Netzwerken nicht nur berufliche Möglichkeiten, sondern gelegentlich auch neue Freundschaften.
Via: BusinessInsider
