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Iran-Konflikt bremst KI-Boom: Leiterplatten-Lieferkette unter Druck

Iran-Krieg Leiterplattenlieferkette

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Der Iran-Krieg trifft die Versorgung mit Leiterplatten an einer besonders empfindlichen Stelle. Das bekommt vor allem die KI-Infrastruktur zu spüren, die weltweit rasant ausgebaut wird.

Angriff auf SABIC legt zentrales Harz lahm

Seit Beginn der koordinierten US-amerikanisch-israelischen Angriffe Ende Februar 2026 wirkt sich der Konflikt direkt auf die Lieferkette für Leiterplatten aus. Diese bilden die Basis nahezu aller elektronischen Geräte – von Smartphones und Laptops bis zu den KI-Servern großer Cloud-Anbieter. Laut Analyst:innen von Goldman Sachs sind die Preise für Leiterplatten im April im Vergleich zum März um bis zu 40 Prozent gestiegen. Branchenquellen sagten gegenüber Reuters, dass der Konflikt bestehende Engpässe zusätzlich verschärft.

Auslöser ist ein klar nachverfolgbarer Mechanismus: Anfang April griffen iranische Streitkräfte den petrochemischen Industriekomplex in Jubail an der Golfküste Saudi-Arabiens an, in dem der Konzern SABIC (Saudi Basic Industries Corporation) ansässig ist. SABIC stellt rund 70 Prozent der weltweiten Menge an hochreinem Polyphenylenether-Harz (PPE) her. Dieses Material ist die zentrale Grundlage für das Laminat, aus dem Leiterplatten gefertigt werden.

Durch den Angriff kam die PPE-Produktion von SABIC zum Stillstand. Die geringere weltweite Verfügbarkeit schlägt unmittelbar auf die Preise für Leiterplatten durch, weil sich das spezifische Laminat kaum ersetzen lässt. Andere Anbieter können den Ausfall eines Produzenten mit einem Marktanteil von 70 Prozent nicht annähernd kompensieren.

Kupfer, Logistik und Lieferzeiten als zusätzliche Risikofaktoren

Neben dem Harz setzt auch Kupfer die Branche unter Druck. Nach Angaben des chinesischen Leiterplattenherstellers Victory Giant Technology, der unter anderem Nvidia beliefert, macht Kupfer etwa 60 Prozent der Rohstoffkosten in der Leiterplattenproduktion aus. Victory Giant warnte bereits Anfang des Monats, dass der Konflikt im Nahen Osten die Preise für zentrale Materialien wie Harz und Kupfer weiter nach oben treiben könnte, weil Störungen im Schiffsverkehr am Golf sowohl den Transport von Rohstoffen als auch die Versorgung mit petrochemischen Vorprodukten behindern.

Der Schiffsverkehr von und zum Golf ist seit Beginn der Kämpfe stark beeinträchtigt. Dadurch geraten die Logistikketten zwischen den Chemieproduzenten in der Golfregion und Elektronikherstellern in Asien unter Druck. Die Folgen zeigen sich bereits in der Beschaffung. Ein:e leitende:r Manager:in von Daeduck Electronics, einem südkoreanischen Leiterplattenhersteller mit Kund:innen wie Samsung Electronics, SK Hynix und AMD, berichtete Reuters von laufenden Gesprächen mit Abnehmer:innen über Preiserhöhungen.

Der Fokus des Unternehmens habe sich von Kund:innen zu Zulieferern verschoben, sagte die Führungskraft. Die Wartezeiten für chemische Materialien wie Epoxidharz seien von drei auf fünfzehn Wochen gestiegen. Eine Vorlaufzeit von 15 Wochen für ein zentrales Produktionsmaterial gilt dabei nicht als kurzfristiger Schock, sondern als strukturelle Störung, die sich selbst bei einer sofortigen Wiederaufnahme der SABIC-Produktion nur langsam auflösen würde.

KI-Investitionen treffen auf fragile Versorgungslage

Schon vor dem Iran-Krieg waren die Preise für Leiterplatten gestiegen, getrieben von der wachsenden Nachfrage nach KI-Servern. Der Konflikt verschärft eine ohnehin angespannte Marktsituation. Cloud-Anbieter:innen akzeptieren laut Goldman Sachs zusätzliche Preissteigerungen, weil sie davon ausgehen, dass die Nachfrage das Angebot auf Jahre übersteigen wird. Damit wirken höhere Leiterplattenpreise nicht als Bremse, sondern schlagen direkt auf die Gesamtkosten der KI-Infrastruktur durch. Das Forschungsunternehmen Prismark erwartet, dass die globale Leiterplattenindustrie 2026 um 12,5 Prozent auf 95,8 Milliarden US-Dollar (rund 89,5 Milliarden Euro) wächst.

Leiterplatten sind nicht das einzige Nadelöhr, das der Iran-Krieg in der Tech-Lieferkette erzeugt. Helium, das in der Chipfertigung als inertes Kühlmittel zur Vermeidung unerwünschter chemischer Reaktionen und zur Lecksuche in Reinräumen eingesetzt wird, hat sich laut Fitch Ratings am Spotmarkt etwa verdoppelt. Katar liefert mit seiner Industriestadt Ras Laffan rund ein Drittel der weltweiten Heliumproduktion, die nach iranischen Angriffen Anfang März abgeschaltet wurde.

TSMC und SK Hynix verweist darauf, dass Lagerbestände und diversifizierte Lieferketten bisher größere Störungen verhindern. J.P. Morgan bezeichnete den Iran-Krieg in einer Analyse im März daher als „beherrschbares Risiko – vorerst“. Diese Einschränkung ist angesichts der Lage wichtig: Der am 7. April vereinbarte Waffenstillstand gilt als fragil, die Straße von Hormus ist weiterhin teilweise geschlossen, und die Produktion im SABIC-Werk in Jubail ruht. Die jährlichen Investitionspläne der KI-Branche von über 200 Milliarden US-Dollar (rund 187 Milliarden Euro) werden damit von einer geopolitischen Störung auf die Probe gestellt, auf die niemand vorbereitet war.

Via: https://thenextweb.com

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Tags: SABIC, Polyphenylenether, Kupfer, Cloud-Anbieter, Lieferkette, Leiterplatten, Halbleiter, KI-Infrastruktur, Helium, Iran-Konflikt

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