Instagram versieht aktuell Beiträge von Nutzenden mit reißerischen, offenbar KI generierten Überschriften – ohne deren Wissen oder Zustimmung. Sichtbar sind diese Titel nur im Quellcode und in Suchergebnissen.
Laut einem Bericht von 404 Media erzeugt Meta für Instagram-Beiträge automatisch neue, suchmaschinenoptimierte Titel. Diese Überschriften tauchen nicht in der App auf, sondern nur im HTML-Code der Seite und in externen Suchergebnissen, etwa bei Google. Auch eine Redakteurin von Engadget hat das Verhalten bei ihren eigenen Beiträgen bemerkt.
Der Ansatz scheint darauf abzuzielen, Instagram-Inhalte in der Google-Suche sichtbarer zu machen. Ein Beispiel ist ein unbetiteltes Video des Autors Jeff VanderMeer, das nur ein Kaninchen zeigt, das eine Banane frisst. Im Quelltext erhielt der Beitrag eine generische SEO-Überschrift: „Lernt das Kaninchen kennen, das gerne Bananen frisst, einen nahrhaften Snack für Euer Haustier.“ Die Formulierung erinnert stark an automatisch erzeugte Texte durch große Sprachmodelle.
Ein weiterer Fall betrifft einen Beitrag einer Bibliothek in Massachusetts. Diese warb auf Instagram für eine Lesung eines Buchs von Jeff VanderMeer. Auch hier generierte Instagram eine auffällige Überschrift: „Begleitet Jeff VanderMeer auf ein aufregendes Stranderlebnis mit Mesta …“. Der ursprüngliche Beitrag selbst enthielt diesen Text nicht.
Neben Autor:innen und Einrichtungen sind offenbar auch Cosplayer:innen betroffen. Mehrere von ihnen stellten fest, dass ihre Beiträge plötzlich fragwürdige Titel tragen, die sie nie selbst formuliert haben. Cosplayer Brian Dang sagte gegenüber 404 Media, er würde „nicht so mittelmäßige Texte schreiben“ und die Formulierungen wirkten, als seien sie massenhaft mit einem großen Sprachmodell erzeugt worden.
Problematisch wird dies aus seiner Sicht, wenn Überschrift oder Beschreibung eine Person auf eine Weise darstellen, die nicht ihrer eigenen Selbstbeschreibung entspricht. Nutzende verlieren damit Einfluss darauf, wie ihre Inhalte in Suchmaschinen wahrgenommen werden. Die automatisch vergebenen Titel können das Bild verzerren, das Außenstehende von ihnen halten.
Die generierten Überschriften sind nicht direkt in der Instagram-App sichtbar, sondern im HTML-Code der Beitragsseiten hinterlegt. Sie stehen in den Tags und werden von Google beim Anzeigen der Suchergebnisse genutzt. Das lässt sich unter anderem mit dem Testtool für Rich-Suchergebnisse von Google überprüfen.
Diese Titel unterscheiden sich von dem Alternativtext für Bilder, den Instagram für Menschen mit Sehbehinderung anbietet. Alt-Texte dienen der Barrierefreiheit und haben eine andere Funktion als die versteckten, suchmaschinenoptimierten Überschriften. Wer wissen möchte, ob eigene Inhalte betroffen sind, sollte nach jüngeren Instagram-Beiträgen in der Google-Suche suchen und die dort angezeigten Titel prüfen.
Engadget hat Meta um eine Stellungnahme gebeten. Das Unternehmen hat bisher nicht reagiert.
Via: https://www.engadget.com
Titelbild KI (Zur Illustration)
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