In Indien wird derzeit ein Vorschlag diskutiert, der Apple zu dauerhaft aktiver GPS-Ortung auf allen im Land verkauften iPhones verpflichten könnte. Einem Bericht von Reuters zufolge würde Nutzer:innen dann keine Abschaltmöglichkeit mehr bleiben.
Vorschlag für verpflichtend eingeschaltetes GPS
Nach dem vorliegenden Entwurf müssten Apple und andere Smartphone-Hersteller satellitengestütztes GPS auf ihren Geräten permanent aktivieren. Nutzer:innen hätten keine Option, diese Funktion zu deaktivieren. Die Mobilfunkbetreiber:innen, vertreten durch den Verband der Mobilfunknetzbetreiber:innen in Indien (Cellular Operators Association of India, COAI), halten die bisher genutzte Standortbestimmung über Funkzellen für nicht präzise genug, um bei Ermittlungen zu helfen.
Stattdessen fordert der Verband, Behörden sollten Zugriff auf GPS-Daten mit Genauigkeit im Meterbereich erhalten. So sollen exaktere Standortinformationen zur Verfügung stehen als über die bisher genutzte Funkzellen-Triangulation.
Aktuelle Praxis bei der Standortfreigabe
Derzeit wird GPS auf Smartphones in der Regel nur aktiviert, wenn bestimmte Apps explizit Zugriff auf den Standort anfordern oder wenn ein Notruf abgesetzt wird. In diesen Fällen greifen die Systeme auf die satellitengestützte Ortung zurück, um eine möglichst genaue Position zu übermitteln.
Zusätzlich zur Pflicht für dauerhaft aktives GPS hat der COAI die Regierung gebeten, Smartphone-Hersteller zu verpflichten, Hinweisfenster zu deaktivieren. Diese Pop-up-Benachrichtigungen informieren Nutzer:innen bislang darüber, wenn ein Mobilfunkanbieter versucht, Standortinformationen abzufragen.
Apple lehnt den Vorstoß ab
Apple hat sich gegen den Vorschlag positioniert. In einem Schreiben vom Juli, das der Branchenverband der Mobilfunk- und Elektronikindustrie in Indien (India Cellular & Electronics Association, ICEA) im Namen von Apple und Google an die Regierung gesendet hat, warnen die Unternehmen vor einem regulatorischen Überschreiten von Kompetenzen.
Die verpflichtende dauerhafte Aktivierung von GPS-Ortungsdiensten auf allen Geräten würde aus Sicht der Unternehmen einen zu weitgehenden staatlichen Eingriff darstellen. Sie kritisieren, dass Nutzer:innen dadurch keine Kontrolle mehr über zentrale Datenschutzeinstellungen hätten.
Die Diskussion fällt in eine Phase, in der die indische Regierung bereits einen anderen umstrittenen Vorstoß zurückgenommen hat. Zuvor hatte eine separate Anordnung vorgesehen, dass alle Smartphone-Hersteller, einschließlich Apple, eine Regierungs-App vorinstallieren und deren Deaktivierung durch Nutzer:innen verhindern müssen.
Diese Anweisung wurde nach umfassender Kritik wieder aufgehoben. Beobachter:innen verweisen darauf, dass die aktuelle GPS-Debatte in einem ähnlichen Spannungsfeld zwischen Sicherheitsinteressen des Staates und Datenschutzansprüchen von Nutzer:innen stattfindet.
