Sinkende Geburtenraten in den USA wurden lange vor allem mit steigenden Lebenshaltungskosten, Studienkrediten, teurer Kinderbetreuung und späteren Ehen erklärt. Eine neue Studie bringt nun einen unerwarteten zusätzlichen Faktor ins Spiel: das iPhone.
Studie: iPhone könnte Anteil am US-Geburtendefizit haben
US-Forschende, die den seit Jahren anhaltenden Rückgang der Fertilitätsrate untersuchen, sehen Hinweise darauf, dass Smartphones seit 2007 einen erheblichen Beitrag zum Geburtenrückgang leisten könnten – dem Jahr, in dem Apple das erste iPhone auf den Markt brachte.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts bekamen US-Amerikanerinnen im Schnitt rund 3,77 Kinder im Laufe ihres Lebens. 2024 lag die sogenannte Total Fertility Rate in den USA nur noch bei etwa 1,6 Kindern pro Frau – weniger als die Hälfte des Babyboom-Hochs und deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern.
Bislang wurden für diesen Trend vor allem der steigende Lebensunterhalt, ökonomische Unsicherheit, Urbanisierung und andere gesellschaftliche Faktoren verantwortlich gemacht. Dass das iPhone eine Rolle spielen könnte, tauchte bisher in diesen Erklärungen nicht auf.
2007, im Jahr des iPhone-Starts, lag die Geburtenrate in den USA noch bei etwa 2,12 Kindern pro Frau. Heute ist sie rund 25 Prozent niedriger. Eine im Juni veröffentlichte Studie des National Bureau of Economic Research schätzt, dass die Verbreitung des iPhone zwischen 33 und 52 Prozent des Rückgangs der Fertilität bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren erklären könnte.
Exklusive AT&T-Phase als natürlicher Feldversuch
Die Untersuchung nutzt eine besondere historische Konstellation: Von 2007 bis 2011 war das iPhone in den USA ausschließlich über AT&T erhältlich. Das ermöglichte es Ökonom:innen, Geburtenentwicklungen in Regionen mit guter AT&T-Abdeckung mit solchen in Regionen zu vergleichen, in denen der Zugang zum iPhone deutlich eingeschränkter war.
Nach Angaben der Forschenden sanken die Geburtenraten stärker in den Gebieten, in denen sich das iPhone schneller verbreitete. Die Autor:innen argumentieren, dass Smartphones die Art und Weise, wie Menschen miteinander interagieren, grundlegend verändert haben. Ihre These: Mehr Bildschirmzeit, weniger persönliche Treffen, der leichtere Zugang zu Online-Unterhaltung und Pornografie könnten zu weniger Schwangerschaften beigetragen haben.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass „die Verbreitung des iPhone den Rückgang der Geburten bei Frauen unter 30 Jahren vertieft und zugleich den Anstieg der Geburten bei älteren Frauen gedämpft hat“.
Die Ergebnisse liefern damit einen möglichen Erklärungsansatz für ein Rätsel, das Demograf:innen seit fast zwei Jahrzehnten beschäftigt: Zwar gingen die Geburtenraten während der Finanzkrise 2008 zurück, sie fielen aber weiter, obwohl sich die Wirtschaft später erholte. Zunehmend wurde vermutet, dass technologische und kulturelle Umbrüche die Familiengründung beeinflussen – der konkrete Zusammenhang blieb jedoch schwer zu fassen. Die neue Studie sieht hier nun einen klaren Bezug.
Geburtenrückgang als globales Phänomen – aber viele Ursachen
Die Smartphone-These bekommt zusätzliche Aufmerksamkeit, weil ähnliche Muster weltweit beobachtet werden. Analysen in anderen Ländern zeigen, dass Geburtenraten oft deutlich zurückgingen, nachdem sich Smartphones und mobile Hochgeschwindigkeitsnetze flächendeckend durchgesetzt hatten.
Andere Forschende gehen davon aus, dass digitale Technologien Dating, Beziehungen und soziale Verhaltensweisen weltweit so verändern, dass Ehe und Elternschaft weniger wahrscheinlich werden.
Gleichzeitig betont die aktuelle Studie, dass Smartphones nicht als alleinige Ursache für den US-Geburtenrückgang gesehen werden sollten. Fachleute verweisen weiterhin auf ökonomischen Druck, veränderte gesellschaftliche Normen, spätere Eheschließungen, berufliche Prioritäten und Sorgen um die Kosten der Kindererziehung. Auch die Autor:innen der iPhone-Analyse ordnen Smartphones ausdrücklich nur als einen von mehreren Faktoren ein, die die Fertilität nach unten drücken.
Dennoch bringt die Untersuchung eine zusätzliche Dimension in die Debatte über sinkende Geburtenraten: Das Gerät, das Kommunikation, Unterhaltung und Einkauf verändert hat, könnte auch eines der grundlegendsten sozialen Verhaltensmuster beeinflussen – die Entscheidung, eine Familie zu gründen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine automatisch erstellte Zusammenfassung mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Eine redaktionelle Prüfung fand nicht statt.
Via: cultofmac.com
