Nach der Sperre von Erwachsenenseiten nimmt die britische Regierung Smartphones ins Visier. Apple und Google sollen explizite Bilder nur noch nach einer Altersprüfung zulassen.
Neue Vorgaben nach Vorbild der Website-Sperren
Schon heute könnt Ihr auf dem iPhone mit Bordmitteln festlegen, welche Inhalte Kinder sehen dürfen. Die Kindersicherung in iOS und iPadOS erlaubt es, altersunangemessene Inhalte zu blockieren oder stark einzuschränken.
Laut der „Financial Times“ will die britische Regierung nun aber noch weitergehen. Nutzer:innen sollen ihr Alter ähnlich nachweisen müssen wie bei Erwachsenenseiten, bevor sie auf dem Smartphone explizite Bilder anzeigen oder versenden können.
Dem Bericht zufolge ist zunächst kein direktes Verbot geplant. Stattdessen will die Regierung Apple und Google dazu bewegen, entsprechende Funktionen freiwillig umzusetzen. Zwischenzeitlich sei sogar eine gesetzliche Vorgabe für Algorithmen zur Erkennung von Nacktheit diskutiert worden, die nun aber vorerst vom Tisch ist.
Die Initiative ist Teil des britischen Online-Sicherheitsgesetzes. Die geplanten Maßnahmen sollen den Regierungsankündigungen zufolge vor allem dazu beitragen, Gewalt gegen Frauen und Kinder zu verringern. Zunächst richtet sich der Vorstoß ausdrücklich an iOS und Android, später könnten Desktop-Plattformen hinzukommen.
Kritik, Umgehungsversuche und Nebenwirkungen
Der Ansatz stößt trotz nachvollziehbarer Motive auf Kritik. Bürgerrechtsorganisationen stellen Fragen nach Grundrechten, Datenschutz und der Wirksamkeit solcher Sperren. Zudem verweisen Kritiker:innen auf die Erfahrungen mit der Altersprüfung für Erwachsenenseiten.
Die Einführung dieser Prüfungen im Jahr 2025 sorgte für unerwartete Probleme. Seiten ohne jede Erwachseneninhalte wurden blockiert, darunter auch die Bilderplattform Imgur. Das Unternehmen zog sich daraufhin vollständig aus Großbritannien zurück, statt die Altersverifikation umzusetzen.
Viele dieser anfänglichen Fehlblockaden scheinen mittlerweile behoben zu sein. Aus Sicht der Befürworter:innen sind Einschränkungen bei einigen regulären Angeboten vertretbar, wenn im Gegenzug Erwachsenenseiten wirksam gefiltert würden.
Genau das passiert aber nicht. Wie „TechRadar“ berichtete, stieg die Nutzung von VPN-Diensten sprunghaft an, um die Sperren zu umgehen. Proton VPN meldete zum Start der Altersprüfung einen stündlichen Anstieg der Neuabschlüsse um 1.400 Prozent.
Wer kein VPN nutzt, soll laut den Berichten mit gefälschten Fotos die automatisierten Altersprüfungen überlistet haben. Damit wurde die Sperre eher zu einem symbolischen Schritt als zu einer tatsächlichen Hürde.
Die britische Regierung sieht in der Verlagerung der Verantwortung auf Smartphone-Hersteller eine Möglichkeit, solche Umgehungen zu erschweren. Wie das konkret aussehen könnte, ist derzeit noch offen.
Nächste Schritte in Großbritannien und internationale Bezüge
Die Regierung hat angekündigt, ihre Pläne zur Reduzierung von Gewalt gegen Frauen in Kürze detailliert vorzustellen. Die neuen Anforderungen an Apple und Google sollen Teil dieses Maßnahmenpakets sein und in den kommenden Tagen offiziell präsentiert werden.
Parallel dazu wird in Großbritannien über eine Neuregelung von VPN-Diensten diskutiert. Offiziell geht es dabei um ein VPN-Verbot für Kinder. Ein solches Verbot würde aber zwangsläufig auch für Erwachsene eine Altersverifikation erforderlich machen.
Der britische Kurs reiht sich in eine international strenger werdende Regulierung von Online-Plattformen ein. Australien hat bereits ein umfassendes Verbot von sozialen Netzwerken für Kinder und jüngere Teenager beschlossen. Die Umsetzung liegt dort bei den Plattformbetreiber:innen, Apple hat allerdings schon Vorgaben für Entwickler:innen veröffentlicht, wie sie das neue Recht technisch abbilden sollen.
Via: https://appleinsider.com
Titelbild: KI (Zur Illustration)

