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EU-Streit um Setapp-Aus: Apple und Kommission schieben sich die Schuld zu

Der alternative App-Store Setapp von MacPaw schließt in der EU. Apple und die EU-Kommission versuchen nun, sich gegenseitig für das Scheitern verantwortlich zu machen.

Apple geht mit einer eigenen Stellungnahme (über Bloomberg) in die Offensive und wirft der EU „politische Verzögerungstaktiken“ vor.

Hintergrund: Digital Markets Act und alternative App-Stores

Der Digital Markets Act (DMA) zwingt Apple dazu, seine Plattform in der EU für alternative App-Marktplätze zu öffnen. In der Folge entstanden drei Angebote: AltStore, der Marktplatz von Epic und Setapp von MacPaw. Entwickler:innen kritisieren Apples Umsetzung jedoch seit Monaten als zu komplex und zu teuer, unter anderem wegen hoher Gebühren.

Bereits im Dezember stand Apple erneut unter Druck, seine Gebührenstruktur für Drittanbieter-App-Stores zu senken. Trotz dieser Diskussionen wird Setapp in der EU nun endgültig eingestellt. Dass dafür ein Schuldzuweisungsstreit folgen würde, war absehbar. Apple versuchte deshalb, der erwarteten Reaktion der EU-Kommission zuvorzukommen und veröffentlichte eine eigene Erklärung, die von Bloomberg zitiert wurde.

Darin heißt es: „Die Europäische Kommission hat sich geweigert, uns die Umsetzung der Änderungen zu gestatten, die sie selbst gefordert hat. Im Oktober haben wir einen formalen Konformitätsplan eingereicht, auf den bis heute nicht reagiert wurde. Die Kommission nutzt politische Verzögerungstaktiken, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen, die Spielregeln zu verschieben und ein amerikanisches Unternehmen mit belastenden Untersuchungen und überzogenen Geldbußen unfair ins Visier zu nehmen.“

Nach Darstellung von Apple wollte die EU-Kommission das Aus von Setapp Apple anlasten, mit Verweis auf ausstehende Änderungen an den Geschäftsbedingungen und mangelnde Vereinfachung der Regeln. Apple dreht diese Argumentation um und erklärt, nicht das Unternehmen, sondern die EU-Kommission habe MacPaw im Stich gelassen. Beschwerden der „Coalition for App Fairness“, zu der unter anderem Spotify und Epic gehören, seien zudem erst im Dezember bei der EU eingegangen, also nach Apples Einreichung im Oktober.

Gebührenstreit und geringe Nachfrage nach alternativen Stores

Regulierer:innen in den USA, der EU und im Vereinigten Königreich haben mehrfach betont, dass Apple grundsätzlich Anspruch auf eine Form von Gebühr hat. Der Streit dreht sich darum, wie hoch diese sein darf und in welchen Fällen sie anfallen soll. Wettbewerber:innen kritisieren, Apples aktuelle Regeln in der EU seien schwer verständlich, schwer umzusetzen und so gestaltet, dass alternative Stores unattraktiv wirken. Aus ihrer Sicht machen die Konditionen den offiziellen App Store faktisch zum einzig praktikablen Vertriebskanal.

Selbst wenn Apple die Vorgaben der EU-Kommission vollständig erfüllen und das Verfahren für alternative App-Stores vereinfachen würde, bliebe ein zentrales Problem: die Nachfrage der Nutzer:innen. Auf Android sind zusätzliche App-Stores seit Jahren möglich, haben sich aber kaum durchgesetzt. Die meisten Nutzer:innen landen letztlich im Google Play Store, es sei denn, Anbieter drängen ihren eigenen Store offensiv in den Vordergrund und verschleiern andere Optionen.

Wie es beim App-Store-Streit weitergehen könnte

Apple ist weltweit in zahlreiche Auseinandersetzungen rund um den App Store verstrickt. Gleichzeitig liegt es vollständig in Apples Hand, ein neues Modell zu finden, das die wesentlichen Kritikpunkte adressiert und dennoch die Kontrolle über Plattform und Verteilung behält. Der Konzern sieht weiterhin die Notwendigkeit, Installationen nicht völlig frei zu geben, sondern über Verfahren wie Notarisierung zu steuern, und betont, dass die Geräte- und Softwareplattform eine Einnahmequelle bleiben müsse.

Die aktuelle Struktur mit einer weitgehend einheitlichen Umsatzbeteiligung – auch wenn die Provision in manchen Fällen auf 15 Prozent gesenkt wurde – steht dabei zunehmend in der Kritik. Es wirkt nicht mehr zeitgemäß, dass ein Konzern mit Milliardenumsatz denselben Prozentsatz zahlt wie ein kleines Team mit wenigen hundert Nutzer:innen.

Solange Apple kein eigenständiges, tragfähiges Modell vorlegt, dürften sich die regulatorischen Auseinandersetzungen in der EU und anderswo fortsetzen. Aus Sicht des Kommentars liegt die Verantwortung für eine Lösung letztlich nicht bei europäischen Behörden, sondern bei Apple selbst.

Via: https://appleinsider.com
Titelbild KI (Zur Illustration)

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Michael Reimann

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