Auf Apples neuer M5-Architektur ist die erste bekannte Speicherlücke entdeckt worden. Ein KI-gestütztes Forschungswerkzeug half dabei, den Speicherschutz Memory Integrity Enforcement zu umgehen und Root-Rechte unter macOS zu erlangen.
Lokale Rechteausweitung auf M5-Macs
Die aktuelle Welle von Schwachstellen zeigt, wie stark KI die Sicherheitsforschung verändert. Unter Linux sorgten kürzlich die Root-Lücken CopyFail und Dirty Frag für Schlagzeilen, bei Microsoft waren es YellowKey als Umgehung von BitLocker sowie die Privileg-Eskalationen GreenPlasma und RedSun. Jetzt steht Apple im Fokus: Auf M5-Chips ist eine lokale Rechteausweitung bekannt geworden, die die hochgelobte Memory Integrity Enforcement (MIE) aushebelt.
Technische Details sind bisher kaum veröffentlicht, das Prinzip ist aber klar: Ein Befehl wird mit einem Standardkonto ausgeführt und verschafft anschließend Root- beziehungsweise Administratorzugriff auf den Mac. Da Macs selten als Server eingesetzt werden, ist die praktische Tragweite begrenzt. Problematisch bleibt die Lücke dennoch, weil sich Nutzer:innen relativ leicht dazu bringen lassen, entsprechenden Code auszuführen. Mit vollen Systemrechten ist ein solcher Angriff zudem schwer aufzuspüren und wieder zu entfernen.
Entdeckt wurde die Schwachstelle vom Forschungsteam Calif, das nach eigener Aussage als Einziges bislang öffentlich auf das Problem hinweist. Ob andere Gruppen dieselbe Lücke bereits kennen oder ausnutzen, lässt sich in der aktuellen Lage jedoch kaum verlässlich einschätzen.
Vorabmeldung an Apple und Rolle von KI
Positiv ist, dass es sich nicht um eine unangekündigte Zero-Day-Offenlegung handelt, die Administrator:innen unvorbereitet trifft. Stattdessen informierte das Team Calif Apple vorab persönlich über den Exploit. Die Veröffentlichung erfolgt nun im Rahmen der Blogserie „Monat der per KI entdeckten Fehler“, in der mehrere mit Hilfe von KI-Werkzeugen gefundene Sicherheitsprobleme vorgestellt werden. In diesem Fall kam die Vorabversion von Anthropics KI-Modell Mythos zum Einsatz.
Anthropic beschreibt seine aktuelle Modellgeneration als in der Lage, „tausende Zero-Day-Schwachstellen“ in „allen großen Betriebssystemen und allen wichtigen Webbrowsern“ zu identifizieren. Gleichzeitig zeigte sich, dass selbst Sicherheitswerkzeuge nicht gefeit sind: Im Model Context Protocol von Anthropic wurde eine kritische Schwachstelle zur Ausführung von Ferncode gefunden. Parallel wurden weitere Lücken publik, unter anderem ein Zero-Day-Exploit, der auf den meisten Linux-Distributionen seit 2017 sofort Administratorrechte verschafft.
Wie Memory Integrity Enforcement eigentlich schützen soll
Die Forscher:innen testeten ihren Exploit auf einem Mac mit Apple-M5-Chip und macOS 26.4.1. Besonders brisant: Die Angriffskette umgeht MIE, also die Memory Integrity Enforcement. Diese Sicherheitsfunktion ist auf M5- und A19-Chips vorhanden und versieht jeden 16-Byte-Speicherbereich mit einem 4-Bit-Tag, der mit den verwendeten Zeigern verknüpft ist.
MIE wird auf Hardwareebene in einer hypervisorähnlichen Konfiguration durchgesetzt und schützt wirksam vor gängigen Angriffsformen wie Pufferüberläufen oder Use-after-free-Schwachstellen. Stark vereinfacht stellt MIE sicher, dass jede Lese- oder Schreiboperation im Speicher genau auf die Daten zugreift, für die sie ursprünglich vorgesehen war – auch im Kernel. Schlägt diese Zuordnung fehl, deutet das auf einen Programmfehler oder einen Angriff hin.
Die Grundfunktion basiert auf der ARM-Speicherkennzeichnung (ARM MTE), Apple ergänzt mit MIE eine zusätzliche Ebene, die diese Prüfungen direkt in der Hardware erzwingt. Laut Apple geschieht dies mit geringem oder keinem Performanceverlust und nur rund drei Prozent zusätzlichem Speicherbedarf. Ein verlinkter Blogbeitrag der Forschenden liefert dazu weitere technische Hintergründe.
