Bislang sind spezialisierte KI-Geräte meist gescheitert. OpenAI und Meta wollen das ändern – mit niedlich inszenierten Assistent:innen, die irgendwann auch als Hardware am Körper landen sollen.
Künstliche Intelligenz hat sich längst auf Smartphones und Computern etabliert, bei dedizierter Hardware blieb der Durchbruch aber aus. In den vergangenen Jahren dominierten eher Enttäuschung und Gegenwind. Geräte wie Friend oder die Humane-KI-Anstecknadel sorgten vor allem für Frust und Kritik, während die allgemeine Skepsis gegenüber KI weiter zunimmt. Trotz dieses Umfelds verfolgen Meta und OpenAI ihre Hardware-Pläne konsequent weiter.
OpenAI arbeitet dafür mit Ex-Apple-Designer Jony Ive zusammen. Laut einer öffentlichen Einreichung soll das Gerät nicht vor Februar 2027 erscheinen. Meta ist deutlich schneller unterwegs und plant ein anhängerähnliches Produkt noch vor dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft. Beide Unternehmen setzen dabei auf einen ähnlichen Ansatz: Erst sollen Nutzer:innen ihre KI-Agenten in Softwareform kennenlernen, später folgt dann das physische Gerät.
Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz DevDay zeigte OpenAI noch keine eigene Hardware, präsentierte aber eine neue Plattform für KI-Agenten namens Punkte. Nutzer:innen sehen dort farbige, individuell anpassbare Kleckse mit Augen, die als persönliche Agenten fungieren. Auf die Frage von Journalist:innen, ob Punkte eines Tages in einem physischen Gerät landen könnten, antwortete OpenAI-Chef Sam Altman, das erscheine als eine sehr naheliegende Annahme. Weitere Details nannte er nicht.
Meta verknüpft die eigene Hardware deutlich direkter mit dem kürzlich gestarteten Agenten Muse. Das Gerät heißt Muse-Anhänger und erinnert laut CEO Mark Zuckerberg an einen Schlüsselanhänger. Auf einem kleinen Display erscheint der plüschig wirkende Muse-KI-Agent, was schnell Assoziationen zum Tamagotchi weckt. Zuckerberg erklärte auf der Bühne, in dieses „kleine Kerlchen“ sei viel Technik gepackt worden. Für alle, die keine Brille tragen, sei es der schnellste Weg, mit Muse zu sprechen und ihm zu zeigen, was in der Umgebung passiert.
OpenAI und Meta scheinen aus früheren Fehlstarts anderer Hersteller gelernt zu haben und wählen nun eine Software-zuerst-Strategie. Zunächst sollen sich Nutzer:innen an KI-Agenten gewöhnen und deren Nutzen im Alltag erleben. Erst wenn sie deren Mehrwert erkennen und vielleicht sogar eine Bindung zu den Figuren aufbauen, sollen die physischen Geräte folgen. Andere Anbieter wie Friend haben ebenfalls versucht, mit Software zu starten, positionierten sich aber vor allem als Chatbegleitung statt als Produktivitätswerkzeug.
Thibault Sottiaux, bei OpenAI verantwortlich für Kernprodukte, erklärte auf der DevDay-Pressekonferenz, man werde ChatGPT in eine leistungsfähige persönliche Assistenz weiterentwickeln. Die Interaktion mit den Agenten solle künftig über E-Mail, Textnachricht oder Telefonanruf möglich sein, sodass die Grenzen zwischen den Kanälen verschwimmen. Auf diese Weise werde die KI zu einem natürlichen Teil des Alltags.
Altman rechnet damit, dass Punkte sich langfristig von bisherigen Agenten abheben, weil sie dauerhaft begleiten und größere Aufgaben übernehmen sollen. Er beschrieb sie als stets aktive Helfer:innen und Kollaborateur:innen, die umfangreiche Arbeitspakete übernehmen, Nutzer:innen kennenlernen und mit der Zeit proaktiv unterstützen.
Beide Firmen setzen darauf, nach Jahren wenig überzeugender KI-Agenten nun ein tatsächlich alltagstaugliches Werkzeug für ein breiteres Publikum anbieten zu können. Ganz reibungslos verläuft der Weg aber nicht. Muse sorgte bereits mit problematischen Aktionen auf Facebook Marketplace für Aufmerksamkeit. Und bei DevDay geriet eine Sprachdemo von Punkte aus dem Ruder. Offenbar bleibt also noch einiges zu tun, bevor die KI-Tamagotchis in Hardwareform wirklich bei Euch ankommen.
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