Die NASA rückt mit Artemis II einen weiteren Schritt in Richtung bemannter Mondmission vor. Am Kennedy Space Center laufen die Vorbereitungen für einen umfangreichen Betankungstest der Rakete.
Generalprobe am Startplatz: Nasse Generalprobe mit simuliertem Start
Teams am Kennedy Space Center in Florida bereiten derzeit die Mondrakete SLS (Weltraumstartsystem), das Orion-Raumschiff und die Startinfrastruktur auf den Testflug von Artemis II vor. Die Ingenieur:innen liegen bei den geplanten Arbeiten am Startplatz im Soll oder sogar voraus und machen sich nun bereit für eine sogenannte nasse Generalprobe, die zu einem simulierten „Start“ frühestens am Samstag, 31. Januar, führen soll.
Die anstehende nasse Generalprobe ist ein Test vor dem eigentlichen Start, bei dem die Rakete betankt wird. Während dieser Erprobung demonstrieren die Teams, dass sie mehr als 700.000 Gallonen kryogene Treibstoffe in die Rakete laden, einen Start-Countdown durchführen und den Treibstoff anschließend wieder sicher aus der Rakete entfernen können – ohne Astronaut:innen an Bord des Raumschiffs.
In mehreren „Durchläufen“ überprüft die nasse Generalprobe die Fähigkeit des Startteams, in den letzten zehn Minuten des Countdowns, der als Endzählung bezeichnet wird, an verschiedenen Zeitpunkten zu halten, wieder aufzunehmen und zu einem früheren Zeitpunkt zurückzusetzen. Die Probe zählt bis zu einem simulierten Start um 21 Uhr Ortszeit (Ostküstenzeit) herunter, kann sich bei Bedarf aber bis etwa 1 Uhr verlängern.
Ablauf des Countdowns und mögliche Rückführung
Der erste Durchlauf beginnt etwa 49 Stunden vor dem simulierten Start, wenn die Startteams an ihre Arbeitsplätze gerufen werden, und führt bis 1 Minute und 30 Sekunden vor dem Start. Es folgt ein geplanter Halt von drei Minuten, bevor der Countdown bis 33 Sekunden vor dem Start wieder aufgenommen wird – ab diesem Zeitpunkt übernimmt der automatische Startsequencer der Rakete die Kontrolle über die letzten Sekunden der Endzählung. Anschließend setzen die Teams den Countdown wieder auf T-10 Minuten zurück und halten, bevor sie für einen zweiten Durchlauf erneut bis 30 Sekunden vor dem Start herunterzählen.
Falls erforderlich, kann die NASA die SLS-Rakete und Orion nach der nassen Generalprobe für zusätzliche Arbeiten vor dem eigentlichen Start zurück in das Montagegebäude für Fahrzeuge rollen.
Technische Arbeiten, Kältevorbereitungen und Sicherheitssysteme
Am Wochenende haben die Teams die Feststoffbooster der SLS-Rakete erfolgreich gewartet, indem sie Hydrazin in die hinteren Boosterverkleidungen geladen haben. Parallel laufen die Vorbereitungen von Orion für den Flug, dazu gehören das Verstauen von Ausrüstung im Raumschiff und geplante pyrotechnische Arbeiten am Startabbruchsystem. Techniker:innen haben die vier RS-25-Triebwerke der Zentralstufe geprüft und einen Tank im Antriebssystem des Raumschiffs mit Druck beaufschlagt, den sogenannten faserumwickelten Druckbehälter für die Betankung.
Angesichts des Kälteeinbruchs im Land und niedrigerer als üblicher Temperaturen in Florida am Dienstag, 27. Januar, treffen Techniker:innen Vorkehrungen, damit die Umweltsysteme von Orion und SLS auch bei Kälte die geforderten Bedingungen einhalten.
Ingenieur:innen und Wissenschaftler:innen gehen zudem Problemen nach, die während der Vorbereitungen auf den bemannten Flug aufgetreten sind. Bei einer Überprüfung des Notausstiegssystems stoppten die Körbe, mit denen Crew und anderes Personal im Notfall vom mobilen Startturm abtransportiert werden, noch vor dem Zielbereich innerhalb des Startplatzes. Seitdem wurden die Bremsen des Systems angepasst, damit die Körbe vollständig bis zum Zielbereich hinabfahren. In den kommenden Tagen wollen Techniker:innen außerdem zusätzliche Proben aus dem Trinkwassersystem von Orion entnehmen, um sicherzustellen, dass das Wasser für die Crew trinkbar ist. Erste Proben hatten höhere Werte für den gesamten organischen Kohlenstoff als erwartet gezeigt.
Die Crew bleibt derweil in Houston in Quarantäne, die sie am 23. Januar begonnen hat.
Via: https://www.nasa.gov
Titelbild: Nasa
