Die Artemis-II-Mission schreibt Geschichte – und ringt gleichzeitig mit sehr irdischen IT-Problemen. An Bord hakt ausgerechnet Microsoft Outlook auf einem der wichtigsten Arbeitsgeräte.
Vier Astronaut:innen aus den USA und Kanada sind seit dem 1. April zu einer zehntägigen Umrundung des Mondes unterwegs. In den frühen Morgenstunden meldete sich Kommandant Reid Wiseman mit einem augenzwinkernden „Houston, wir haben ein Problem“ bei der Bodenkontrolle. Er benötigte Unterstützung bei Verbindungsproblemen auf einem persönlichen Computergerät, einem Microsoft-Surface-Pro-Tablet. Wiseman hatte das Gerät bereits neu gestartet, ohne Erfolg. NASA stellte fest, dass das Gerät im Netzwerk hing, und bat um Erlaubnis für einen Fernzugriff, um ein Problem mit der Optimus-Software zu prüfen. In diesem Zusammenhang wies Wiseman darauf hin, dass er „zwei Microsoft-Outlooks“ sehe, von denen keines funktioniere.
Die Situation wurde zunächst über den NASA-Livestream der Kommunikation mit dem Orion-Raumschiff bekannt, unter anderem festgehalten und verbreitet von der Podcast-Moderatorin Niki Grayson. In Social-Media-Beiträgen wurde beschrieben, dass die Astronaut:innen bei der Bodenstation anriefen, weil auf ihrem Computer zwei Instanzen von Microsoft Outlook liefen und unklar war, warum. Die NASA-Techniker:innen sollten sich per Fernzugriff auf das System aufschalten, ähnlich wie viele von euch es aus dem Büroalltag mit der eigenen IT-Abteilung kennen.
In den einsehbaren Abschnitten der Livestream-Aufzeichnungen tauchte keine klare Auflösung des Outlook-Problems auf. Journalist:innen, die den Vorfall beobachtet haben, gaben an, die folgenden Minuten der Übertragung durchgesehen zu haben, ohne eine erneute Erwähnung der doppelten Outlook-Installation zu hören. Engadget sowie ein weiterer Bericht schickten Anfragen an das Kommunikationsteam von Artemis II, ob die Crew inzwischen wieder auf ihre E-Mails zugreifen könne. Eine Antwort lag zum Zeitpunkt der Berichte noch nicht vor.
Damit ist nicht eindeutig dokumentiert, ob NASA den Fehler bereits aus der Ferne beheben konnte oder ob weiterhin Einschränkungen bei der Nutzung der E-Mail-Software bestehen. Klar ist nur: Die Crew verlässt sich bei der Fehlersuche auf denselben Fernwartungsansatz, den viele Bürobenutzer:innen kennen.
Die Schwierigkeiten mit dem Tablet sind nicht das einzige technische Problem, mit dem die Astronaut:innen bislang konfrontiert waren. Auf dem Orion-Raumschiff trat ein Defekt an einem Lüfter der Toilette auf, der für die Urinsammlung zuständig ist. Für diesen Fall gibt es allerdings vorbereitete Notfall-Urinalbeutel an Bord. Laut dem Bericht konnte das Problem mit dem Lüfter innerhalb weniger Stunden behoben werden, sodass das System wieder normal arbeiten konnte.
Im Vergleich zu einem Störfall in der Lebenserhaltung wirkt eine streikende E-Mail-Anwendung zunächst gering. Dennoch macht gerade dieser Fehler die Mission für viele Büroangestellte nachvollziehbar: Selbst hochqualifizierte Astronaut:innen, die für komplexe Experimente und Entscheidungen im All trainiert sind, sind vor Alltagssoftware-Problemen nicht gefeit. Solange keine offizielle Entwarnung vorliegt, bleibt unklar, ob und wann die Artemis-II-Crew Microsoft Outlook wieder regulär nutzen kann.
Via: www.engadget.com · www.404media.co
Titelbild: Apfeltalk / Christian Fuss
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